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Uli Hoeneß: Der Patriarch

Bayernspieler Uli Hoeneß (Robert Stadlober) am Flughafen München Riem.
Foto: ZDF/Janett Kartelmeyer

ZDF-Dokudrama

"Uli Hoeneß: Der Patriarch"

"Eins zu null für Hoeneß!“ So lief es in seinem Leben eigentlich immer. Was Uli Hoeneß auch anpackte, es wurde zum Erfolg. Ob als Stürmer vor dem gegnerischen Tor oder als visionärer Manager des FC Bayern München.

Doch dann fiel am 13. März 2014 das Urteil: Der Angeklagte "wird aufgrund von Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt". Bis zuletzt, davon sind Beobachter überzeugt, hatte Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe gerechnet. Elf Wochen später fuhr der 62-Jährige als Häftling in die JVA Landsberg ein. Wie es so weit kommen konnte, versucht das ZDF-Dokudrama "Uli Hoeneß: Der Patriarch" (27.8., 20.15 Uhr, ZDF) zu erklären.

Entlang des Prozesses taucht es tief in die Vergangenheit ein und zeigt, wie der Metzgersohn aus einfachen Verhältnissen mit Fleiß, Ehrgeiz und Talent zum mächtigsten Mann im deutschen Fußball aufstieg. Gleichwohl steht der Prozess im Zentrum. "Nur wenige wissen, wie sich der Angeklagte im Saal verhalten hat, als die Türen für Kameras geschlossen wurden", sagt Produzent Walid Nakschbandi, der mit vielen Prozessbeobachtern, mit der Staatsanwaltschaft und der federführenden Steuerfahnderin von Rosenheim gesprochen hat.

Uli Hoeneß: 28 Millionen unterschlagen

Die entscheidenden Grundlagen für die Spielszenen, in denen das Gerichtsgeschehen nachgestellt wird, sind die wörtlichen Mitschriften von Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin der "Süddeutschen Zeitung". Sie glaubt, der schlimmste Moment für Hoeneß sei es gewesen, als er begriff, dass "andere über ihn, sein Vermögen, sein Leben verhandeln. Und er sitzt da, weiß nicht, wie die Regeln gehen, und muss zuhören." Schauspieler Thomas Thieme interpretiert Hoeneß im TV-Film mit meist unbewegter Miene als zutiefst verunsicherten Mann, der um Haltung kämpft. Dabei hatte der Sportstar über Jahrzehnte die Regeln bestimmt, als Manager, Mäzen und Börsenspekulant.

Gewinne aus Börsengeschäften

Von 2003 bis 2009 soll er mit einem kleinen schwarzen Gerät, dem Börsenpager, unfassbare 55.000 Transaktionen ausgeführt haben. "Dass Uli an der Börse agiert, war ein offenes Geheimnis", sagt TV-Kommentator Waldemar Hartmann im Film. "Bulle und Bär sind bei ihm zu Hause sogar auf dem Boden des Swimmingpools als Mosaik abgebildet." 2013 gibt Hoeneß per Selbstanzeige zu, Gewinne aus seinen Börsengeschäften verschwiegen und Steuern in Höhe von 3,5 Millionen Euro unterschlagen zu haben.

Am Ende sind es nachweislich 28 Millionen, was zur Verurteilung führt. In Bayern, vornehmlich beim FC, hält man dennoch eisern zu ihm. Aus dem engen Umfeld des Clubs oder seiner Familie war aktuell keiner bereit, mit den Dokumachern zu reden. Im Frühjahr 2016 könnte Uli Hoeneß aus dem Gefängnis entlassen werden. Dann hätte er die Hälfte seiner Strafe abgesessen. Aktuell betreut er als Freigänger die Jugendmannschaft seines Münchner Vereins.

Autor: Sabine Ulrich