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Günther Jauch hat kürzlich ein Weingut übernommen.

Moderator Günther Jauch im Keller seines Weinguts in Kanzem an der Saar. - Foto © picture alliance / dpa

Günther Jauch im Interview

Über das Glück der Reife

Der Trend zeichnet sich schon lange ab: 16,5 Millionen Menschen sind in Deutschland älter als 65 Jahre – nur 15 Millionen unter 20. Und der Anteil der Jüngeren nimmt kontinuierlich ab. Klar, dass das zu kleinen Rivalitäten führt und gegenseitige Vorurteile fördert. Genau die nimmt Günther Jauch jetzt spielerisch aufs Korn: Seine neue Show "Alt gegen Jung – Das Duell der Generationen" hat am 22. Oktober Premiere (siehe auch TV-Tipp). Im Gespräch mit HÖRZU verrät der Fernsehstar, was er von Klischees über das Alter hält und wie er selbst mit dem Älterwerden umgeht.

HÖRZU: Was passiert in Ihrer neuen Show?

Günther Jauch: Wir spielen mit den Klischees, die zwischen den Generationen herrschen: Die Alten gelten als mürrisch, lahm, geizig und nimmersatt. Andersrum glauben die Alten, die Jugend sei viel zu konsumorientiert, trinkt oder feiert und arbeitet zu wenig. Und das sind noch lange nicht alle Stereotypen, mit denen man sehr unterhaltsam spielen kann.

HÖRZU: Wen genau lassen Sie aufeinander los?

Günther Jauch: Wir haben zwei Prominenten-Teams, die stellvertretend für ihre jeweilige Generation in einer Mischung aus Quiz- und Wissensshow gegeneinander antreten. Wir wollen zum Beispiel herausfinden: Wer fährt besser Auto, und wer kann besser kochen? Sehr interessant ist auch die Frage: Wer lässt sich leichter von nackter Haut ablenken? Und wir haben getestet, wer ehrlicher ist. Die alten oder die jungen Menschen? Da gibt es überraschende und richtig komische Ergebnisse.

HÖRZU: Sie sind 54 Jahre alt. Können die älteren Kandidaten mehr Milde erwarten?

Günther Jauch: Ja, vielleicht. Ich gebe zu, dass mir die Zahl jenseits der 50 schon wahnsinnig alt vorkommt. Mit 25 war ein 50-Jähriger für mich an der Grenze zum Großvater. Heute stelle ich fest, dass sich das Lebensgefühl gewandelt hat. Mit dem Geburtsdatum im Pass hat es nicht mehr viel zu tun. Ein 60-Jähriger steht heute nicht selten so gut da wie vor 30 Jahren ein Mittvierziger.

HÖRZU: Hatten Sie als junger Mensch auch Vorurteile gegenüber Älteren?

Günther Jauch: Ich hatte so ab 18 eine gewisse Arroganz Älteren gegenüber. Ich hielt mich für den deutlich besseren Autofahrer, weil die ältere Generation mit Hut und 45 Stundenkilometern vor mir herschlich. Man weiß ja, wie selbstbewusst junge Leute Auto fahren – und dass die 18- bis 25-Jährigen mit Abstand die meisten Unfälle bauen. Ein sehr schönes Beispiel für die Überheblichkeit Jüngerer. Andererseits fand ich es immer wahnsinnig ärgerlich, wenn Ältere sich wichtig machten, als hätten sie nur wegen ihres Alters die Weisheit mit Löffeln gefressen.

HÖRZU: Welche Spannungen zwischen den Generationen gibt es heute noch?

Günther Jauch: Wenn man darüber nachdenkt, dass die Alten immer mehr werden und immer weniger Junge für deren Renten aufkommen sollen, ahnt man: Da wächst ein Konflikt, der uns in den nächsten Jahren in Form eines eher ruppigen Verteilungskampfes noch sehr beschäftigen wird.

HÖRZU: Waren Sie früher glücklicher?

Günther Jauch: Mit 25 war das Leben vielleicht spannender, aber ich kann nicht sagen: Ich bin glücklicher gewesen als heute. Das war nicht so.

HÖRZU: Ist es etwa nicht schön, jung zu sein?

Günther Jauch: Sicherlich ist es großartig, jung zu sein – aber vor allem in der Rückschau. Doch gleichzeitig hat dieser Lebensabschnitt viele Ungewissheiten und offene Fragen: Wie geht es weiter? Wie finde ich den richtigen Partner, und wie komme ich mit ihm zurecht? Wünsche ich mir Kinder? Finde ich eine Arbeit, von der ich leben kann? Finde ich einen Sinn in meinem Leben? Wie wird es meinen Eltern gehen, wenn die erst mal älter werden und unter Umständen auch pflegebedürftig? Diese Unsicherheiten sind ja in den frühen Jahren viel größer als in den späteren.

HÖRZU: Dann hat Älterwerden auch Vorteile?

Günther Jauch: Der Vorteil am Älterwerden ist, dass man einige Fehler schon hinter sich hat. Manchen Fauxpas macht man auch zwei- oder dreimal, aber irgendwann hoffentlich nicht mehr.

HÖRZU: Ist was dran an der Behauptung, dass man mit den Jahren konservativer wird?

Günther Jauch: Ich kenne Leute, die zwischen 18 und 35 bereit waren, nahezu jede Schlacht zu schlagen, und ihre Gesinnung sehr offensiv zur Schau trugen. Wenn man die heute in ihrem Bungalow besucht, muss man sich schon in der Diele die Schuhe ausziehen, damit nichts auf den Teppich kommt. Was ich damit sagen will: Menschen, die im Laufe der Jahre etabliert werden, eine Familie gründen, Besitz anhäufen, entwickeln nicht selten Verhaltensweisen, die sie mit 20 verachtet hätten.

Autor: Sabine Goertz-Ulrich