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Udo Juergens Mitten im Leben

Zwei Wochen vor seinem Tod stand Udo Jürgens das letzte Mal auf der Bühne.
Foto: © ZDF / Dominik Beckmann

Das ZDF zeigt sein letztes Konzert

"Udo Jürgens: Mitten im Leben"

Ein Dezemberabend in Zürich. Udo Jürgens steht auf einem Flur des Hallenstadions im Neonlicht, ein Glas Champagner in der Hand. Er prostet seinem Bandleader Pepe Lienhard zu, den Musikern, den Technikern: "Auf einen schönen Urlaub!" Niemand ahnt, dass es sein letztes Konzert sein wird.

Am 8.7. zeigt das ZDF diesen Auftritt um 20.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm).

Bandleader Pepe Lienhard erinnert sich exklusiv in HÖRZU

Pepe Lienhard, der 37 Jahre lang eng mit Udo Jürgens zusammengearbeitet hat, erinnert sich exklusiv in HÖRZU an diesen denkwürdigen Abend und ganz persönliche Erlebnisse mit dem großen Sänger:

"Das letzte Konzert war ein besonderes. In Zürich, seiner Heimatstadt. Noch bevor Udo den ersten Ton gesungen hatte, stand das Publikum schon, der ganze Saal. Udo war an dem Abend sehr emotional. Auf der Bühne war ich nah dran und spürte, dass es ihn manchmal fast übermannte, dass er mit den Tränen kämpfte. Keiner konnte ahnen, dass es sein letztes Konzert sein würde. Er war mit seinen 80 Jahren extrem fit, hatte keine Textaussetzer. Andere brauchen schon mit 60 den Teleprompter, Udo nicht. Die Stimme klang immer besser, überhaupt nicht brüchig. Auf der Tour fühlte er sich wohl und sagte, er könne es selbst kaum fassen, aber das Singen falle ihm immer leichter.

"Er war Perfektionist"

Udo war ein Phänomen: Er musste sich nie einsingen. In Zürich empfing er wie vor jedem Konzert Freunde und Familie in seiner Garderobe. Es war rappelvoll. Erst zwei, drei Minuten, bevor er auf die Bühne ging, bat er alle freundlich in seiner Gentleman-Art, den Raum zu verlassen - für einen kurzen Moment der Konzentration vor seinem großen Auftritt.

37 Jahre lang habe ich an der Seite von Udo Jürgens Musik gemacht. Er war ein Perfektionist. Wenn es gut lief, hat er nicht einfach so weitergemacht. Während der Tour hat er immer wieder Intros verändert. Das war sein Erfolgsgeheimnis.

Über 1000 Lieder hat er in seiner Karriere komponiert. Kaum jemand hat derart viele Songs geschrieben, die jeder kennt: 'Ein ehrenwertes Haus', 'Aber bitte mit Sahne'. Wie seine Fans liebte er diese Oldies - was nicht jedem Künstler so geht. 'Griechischer Wein' hat er besonders gern gesungen - im letzten Konzert in Zürich in einer neuen Version. Natürlich hat er auch für seine aktuellen Lieder gekämpft und sie gesungen, auch wenn aus dem Publikum jemand "'17 Jahr'!" dazwischenrief. Udo hat sich reingehängt. Das war es, was ihn so gut gemacht hat. Und dass er spürte, was er brauchte: viel Schlaf. Wer ihn kannte, wusste, dass man vor dem Mittag nichts von ihm zu wollen brauchte.

In 37 gemeinsamen Jahren haben wir uns kein einziges Mal gestritten. Ich bin kein Mensch, der sich viel einmischt, aber ein Lied musste ich ihm ausreden: 'Treibjagd'. "Schau dir doch mal den Text an", habe ich zu ihm gesagt. "Der ist in den 2000ern nicht mehr zeitgemäß". Da heißt es: "Im Herzen die uralte Gier, auf zur Disco, dort hat der Mann sein Revier. Es ist Treibjagd!" Udo hat kurz nachgedacht und es eingesehen.

"Udo war ein Mann mit Stil"

Nur einmal habe ich ihn in all den Jahren sehr verärgert erlebt. Damals hatte ich für eine Tour Musiker aus Südamerika engagiert, die es mit der Uhrzeit nicht so genau nahmen und zu einem Soundcheck zu spät kamen. Wenn Udo eines hasste, dann war es Unpünktlichkeit. Was tat er? Am nächsten Tag hatte jeder Musiker einen handgeschriebenen Brief von Udo auf seinem Notenpult mit der dringenden Bitte, dass dies nie wieder vorkommen möge.

Udo war ein Mann mit Stil. Einer, der aufstand, wenn eine Frau an den Tisch trat. Ein wacher Mensch mit Lust auf Gespräche über Politik und Fußball. Was ihn bedrückte, war das Älterwerden. Er hatte panische Angst davor, später als tattriger Greis im Rollstuhl von Journalisten heimlich fotografiert zu werden. Er hatte Sorge, dass man ihn nicht in Ruhe altern lassen würde.

"Er war vor allem ein Freund"

Vor ein paar Wochen haben sein Manager Freddy Burger und ich das letzte Konzert angesehen, weil wir für das ZDF den Ton abnehmen mussten. Wir kämpften mit den Tränen. Bis heute kann ich Udos Lieder noch nicht allein hören. Wir haben nicht nur zusammen gearbeitet, er war vor allem ein Freund. Ein feiner Mensch, geradlinig und großzügig.

Wir sind zusammen ruhiger geworden. Früher waren wir nach den Konzerten in Discos oder auf Partys – immer da, wo etwas los war. In den letzten Jahren haben wir uns in Restaurants getroffen. So auch am Abend vor seinem Tod. Udo hat sich auf die Tourpause und ein paar Tage in Portugal gefreut. Er war erfüllt. Wir haben uns zum Abschied sehr fest umarmt. Wir ahnten nicht, dass es für immer sein würde."


Udo Jürgens: Stationen seiner Karriere

Die Anfänge: 1950er

Er steigt von Jazz auf Chansons um und nennt sich Udo Jürgens

"Grand-Prix-Gewinner: 1966

Mit "Merci, Chérie" gewinnt Udo Jürgens den "Grand Prix"

TV-Film 1983

Mit Glasflügel auf dem Jungfraujoch: TV-Film in den Schweizer Alpen

DIE GOLDENE KAMERA von HÖRZU: 1995

Großer Moment: Als "Klassiker der Unterhaltung" erhält er DIE GOLDENE KAMERA von HÖRZU

Unvergessen: 2012

Unvergessen sind die Auftritte im Bademantel am Ende seiner Konzerte

Autor: Pepe Lienhard