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Kapitän Hartenstein (Ken Duken) wird nicht schlau aus Hilda (Franka Potente).

TV-Zweiteiler ''Laconia'': Kapitän Hartenstein (Ken Duken) wird nicht schlau aus der vermeintlichen Britin Hilda (Franka Potente). / Foto: © ARD Degeto/SWR/Teamworx/Boris Guderjahn

Eine Heldengeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg

TV-Zweiteiler ''Laconia'' im Ersten

Bei aufwendigen historischen TV-Mehrteilern gilt oft eine Grundregel: große Gefühle vor noch größerem geschichtlichem Hintergrund. Emotional geht es auch in "Laconia" (2. und 3.11., 20.15 Uhr, im Ersten) zu. Aber die Geschichtskulisse liefert diesmal kein Großereignis wie der Mauerbau oder die Luftbrücke, sondern eher eine Randnotiz des Zweiten Weltkriegs.

Südatlantik, Herbst 1942: Das U-Boot des deutschen Kapitäns Werner Hartenstein (Ken Duken) versenkt den britischen Truppentransporter "Laconia", der auch viele Zivilisten an Bord hat. Anschließend wagt Hartenstein einen riskanten Schritt: Er birgt nicht nur alle feindlichen Überlebenden, sondern übermittelt den Alliierten per Funk seine Position mit der Bitte um Unterstützung. Dennoch wird seine "U-156" von US-Bombern beschossen. Beim Nottauchgang des völlig überfüllten U-Bootes schweben alle in Lebensgefahr.

Mit "Laconia"wurde diese bemerkenswerte Geschichte nun erstmals verfilmt. Produzent Klaus Zimmermann glaubt zu wissen, warum: "Jeder Filmemacher, der diese Geschichte in die Hände bekommt, sagt sofort: ‚Das kann niemand bezahlen!‘" Tatsächlich gehört der Film "Laconia" mit einem Budget von knapp 14 Millionen Euro zu den bisher teuersten Produktionen der Filmfirma teamworx, die zuvor TV-Großprojekte wie "Dresden" und "Hindenburg" realisiert hat.

Haie und Riesenwellen

Gedreht wurde das aufwendige Weltkriegsdrama komplett in Südafrika. Hier ließ man gleich mehrere Schiffsattrappen anfertigen. Das Prunkstück: der etwa 70 Meter lange Nachbau eines deutsches U-Boots. Jeden Morgen wurde die schwimmende Kulisse von einem Schlepper aufs offene Meer gezogen. "Die Gewässer vor Kapstadt sind ziemlich gefährlich", sagt Produzent Zimmermann im Interview mit HÖRZU. "Wir wurden vorher gewarnt und sogar für wahnsinnig erklärt."

Doch mit Uwe Janson ("Vulkan") war nicht nur ein erfahrener Regisseur, sondern auch ein Hobbysegler bei dem Projekt mit an Bord. "Bei so einer Riesenproduktion ist die Planung natürlich ungeheuer wichtig", sagt Janson. "Letztlich gilt aber auch: Das Meer macht, was es will." Vor allem am Kap der Guten Hoffnung. Hier reicht schon wenig Wind, um für meterhohe Wellen zu sorgen.

Noch schlimmer: Die Gewässer gelten als beliebter Tummelplatz für Haie. So standen für die Massenszenen mit 270 Komparsen in Rettungsbooten stets rund 20 Rettungstaucher bereit. Eingreifen mussten sie nicht. "Es war ein riskantes Projekt", so Klaus Zimmermann. "Wir haben sehr viel Glück gehabt."

Den enormen Aufwand des Drehs teilten sich die Deutschen mit ihrem Partner, der BBC. Auch inhaltlich gab es bei der internationalen Koproduktion einige Herausforderungen. Zimmermann: "Bei der Entwicklung des Stoffs war es tatsächlich so, dass unsere englischen Kollegen die deutschen Figuren noch heroischer darstellen wollten." Nicht zuletzt Ken Duken, der Hartenstein verkörpert, steuerte hier gegen. "Wir wollten Hartenstein nicht als glorreichen Helden zeigen", erklärt der Hauptdarsteller, "sondern als jemanden, der in einer schwierigen Lage versucht, das Richtige zu tun. Er stellt Seerecht vor Kriegsrecht."

Auf die Faktentreue des Fernseh-Zweiteilers nach wahren Begebenheiten achtete auch Dr. Werner Rahn, Historiker und Kapitän zur See a. D. Er prüfte die diversen Drehbuchfassungen auf geschichtliche und nautische Richtigkeit und lotete gleichzeitig die künstlerischen Freiheiten der Macher aus. Regisseur Uwe Janson erklärt es so: "Wir wollten wissen: Was ist historisch belegt? Über diesen Punkt hinaus fühlten wir uns zwar immer noch den Figuren verpflichtet, trotzdem wollten wir fiktiv erzählen."

Fiktiv ist etwa die Figur der Hilda Smith (Franka Potente). Die junge Deutsche befindet sich inkognito an Bord der "Laconia" und gerät nach deren Untergang zwischen die Fronten. Auf das Klischee "eine Frau zwischen zwei Männern", längst ein Standard in TV-Großprojekten, verzichtet "Laconia" erfreulicherweise. "Die Tendenz, eine Romanze einzubauen, gab es im Verlauf des Projekts immer wieder", verrät Produzent Klaus Zimmermann. "Unsere Kreativen haben aber dafür gekämpft, eine andere Geschichte zu erzählen."

Angesichts dieses Durchhaltevermögens lassen sich auch einige Schwächen des Zweiteilers verschmerzen, der schon mit großem Erfolg in England lief. Etwa jene, dass der Film an vielen Stellen wie eine Mischung aus den Kinoklassikern "Das Boot" und "Titanic" wirkt. Doch wenn man sich schon "inspirieren" lässt, dann nur von den Besten.

Autor: Michael Tokarski