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Günther Jauch moderiert die 1000. Folge der Quiz-Show ''Wer wird Millionär?''.

Günther Jauch moderiert am 3. Februar die 1000. Folge der Quiz-Show ''Wer wird Millionär?''. / Fotos: © RTL / Stefan Gregorowiu

Günther Jauchs Erfolgsrezept

TV-Programm: 1000. Folge ''Wer wird Millionär?'' auf RTL

Tausendmal verführt, tausendmal ist viel passiert: Günther Jauch hat seine Kandidaten in Versuchung gebracht, mit den Gewinnern gejubelt, tragische Abstürze erlebt. Vom Start 1999 bis Ende 2011 wurden über 74 Millionen Euro erspielt, zehn Kandidaten schafften die Million – davon drei Prominente. 21 von insgesamt 2051 Glücksjägern mussten mit null Euro nach Hause gehen. Mittlerweile ist Wer wird Millionär eine feste Größe im deutschen Fernsehen, durchschnittlich 6,7 Millionen sahen die letzte Staffel. Dabei hatte die Show am 3. September 1999 einen sehr verhaltenen Start mit einer schwachen Einschaltquote von 3,62 Millionen Zuschauern.

Bevor am 3. Februar nach zwölf erfolgreichen Jahren die 1000. Show auf RTL in fast dreifacher Länge gefeiert wird, versuchte HÖRZU herauszufinden, warum so viele so gern bei Jauch einschalten. Was ist das Erfolgsgeheimnis der beliebtesten Quizshow Deutschlands? Um das zu ergründen, gab HÖRZU eine exklusive, repräsentative Forsa-Umfrage in Auftrag. Ihr Ergebnis: 59 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren schauen "Wer wird Millionär?", 46 Prozent von ihnen gelegentlich, 13 Prozent sogar regelmäßig.

''Wer wird Millionär?'' - Die große Lust auf Wissen

Und warum tun sie das? Was macht den Reiz dieser Sendung aus? Das war Thema einer zweiten Frage. Das mit Abstand wichtigste Motiv ist erstaunlicherweise: Wissensdurst. 86 Prozent der Zuschauer lieben "Wer wird Millionär?", weil sie dabei etwas dazulernen können. Hier tut Bildung nicht weh, weil sie in unterhaltsamen Häppchen serviert wird. Dass sein Publikum durchs Mitraten schlauer wird, gefällt Günther Jauch: "Hier geschieht Wissensvermittlung nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Die Fragen spielen bei unserem Erfolg eine maßgebliche Rolle. Sie sind zum Teil witzig, aber auch wohlüberlegt. Da macht es viel Spaß, vor dem Fernseher mitzuraten."

Entwickelt werden die Fragen von einem Autorenteam der Firma mind the company. Ein Blick in diese "Denkfabrik" zeigt: Die Arbeit der Autoren ist nicht gerade einfacher geworden. Mittlerweile wurden über 26.500 Fragen gespielt. "Über Cäsar und Karl den Großen haben wir vermutlich schon fast alles gefragt, was man fragen kann", sagt Günter Schröder, Chefautor von mind the company, und ergänzt: "Also geht es jetzt häufiger um zeitgeschichtliche Ereignisse, die zumindest vorübergehend von Relevanz sind." Sieben bis acht von zehn Ideen wandern laut Schröder mittlerweile in den Papierkorb, weil eine Frage schon in ähnlicher Form existiert. Von ursprünglich drei ist das Team auf heute zehn Köpfe gewachsen.

Wortwitz bei den ''Wer wird Millionär?''-Quizfragen

Am meisten Mühe machen die leichten Fragen, denn von ihnen werden am meisten gebraucht. Auch hier ist ein Wandel erkennbar: Sie sind anarchischer als früher, bauen öfter auf Wortspiele. Auch weil die Zuschauer das so gern mögen, erklärt Schröder. Ein schönes Beispiel: "Welche bedeutungslose Silbe gilt als Manifestation der spirituellen Kraft des Absoluten? A: Hä, B: Boah, C: Ach oder D: Om? Die richtige Antwort lautet natürlich: D. Da muss manchmal sogar der Moderator beim Ablesen der Fragen schmunzeln.

Eine gründliche Recherche und mehrere Kontrollen verhindern, dass sich fehlerhafte Fragen in die Show schleichen. Trotzdem sorgen manche für Trubel, 2005 etwa jene: "Welcher Nobelpreisträger für Physik war auch mehrfacher Fußballnationalspieler seines Landes?" Die vermeintlich richtige Antwort lautete: Niels Bohr. Als Quelle diente unter anderem der Brockhaus auf CD-ROM. Doch die Antwort konnte bis heute nicht verifiziert werden. Der dänische Fußballverband erklärte nämlich, keine Aufzeichnungen mehr für die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zu besitzen. Klar ist nur: Der dänische Physiker Bohr, der 1913 ein wegweisendes Atommodell entwickelte, hatte einen Bruder, der Nationalspieler war. Folge für die Sendung: Der betroffene Kandidat erhielt eine zweite Chance.

Hohe Erwartungen knüpft der Chefautor an die Millionenfrage: "Es gibt manchmal Fragen für eine halbe Million, also Frage Nummer 14, die objektiv schwerer sind als die Frage Nummer 15. Aber der Sachverhalt erschien uns für eine so exponierte Frage wie die Millionenfrage zu speziell oder zu wenig glamourös. Die letzte Frage sollte immer etwas Besonderes sein." Dabei allein auf den Schwierigkeitsgrad zu achten ist für Schröder ein Fehler: "Es nützt ja nichts, etwas zu fragen, was kein Mensch beantworten kann. Jede Frage soll einen Reiz auslösen und zum Knobeln anregen."

62-mal wurde die Millionenfrage bis Ende 2011 gestellt. Sieben Kandidaten konnten sie in der regulären Show richtig beantworten und verließen das Studio in Hürth bei Köln als Sieger. "Es waren zumeist mutige, spielfreudige, unabhängige Kandidaten, die am Ende die Million gewannen", erinnert sich Günther Jauch. Unter ihnen auch Cafébesitzer Ralf Schnoor aus Hannover, der im November 2010 bei der Millionenfrage den Telefonjoker nur nutzte, um einem Freund Folgendes mitzuteilen: "Hallo André, alles klar bei dir? Ist Sabine noch im Laden? Ich glaube, ich kann die Frage hier locker beantworten!" Konnte er tatsächlich: Der aktuellste Millionär der Show wusste ohne Hilfe, dass es sich bei der ersten deutschen Briefmarke, die 1849 in Bayern herausgegeben wurde, um den "Schwarzen Einser" handelte.

Solche Momente schaffen eine immense Spannung – und die ist für viele Zuschauer der zweitwichtigste Grund, das Quiz einzuschalten. Setzt der Kandidat seine Joker richtig ein? Schafft er es bis zur Millionenfrage? Auch bei kleinen Summen kann großer Nervenkitzel entstehen, etwa wenn Kandidaten ein "Blackout" haben oder den Witz des Rätsels nicht verstehen. Gerade hier passieren die bösesten Patzer. Ein sehr lustiger unterlief etwa Ute Braunecker aus Gerolstein 2001 bei der 500-Euro-Frage. Den Satz "Nikolai Rimski-Korsakow komponierte den berühmten …?" ergänzte sie flott mit: "Ententanz". Richtig gewesen wäre: "Hummelflug".

Autor: Dirk Oetjen