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Loriot (Vicco von Bülow) und Evelyn Hamann.

Loriot (Vicco von Bülow) und seine "Traumpartnerin" Evelyn Hamann zur TV-Show: "Loriots 60. Geburtstag" (BRD 1983). - Foto © picture alliance

Meister des feinen Humors

TV-Legende Vicco von Bülow

Meister des feinen Humors: Loriot alias Vicco von Bülow war der Ästhet unter den Spaßmachern – und schon zu Lebzeiten eine Legende. Heute sind seine Sketche Klassiker der Komik.

Als er im Sommer 2011 starb, galt Vicco von Bülow, besser bekannt unter dem Künstlernamen Loriot, längst als Genie. Der Humorist hatte Standards gesetzt, die bis heute unübertroffen sind. Vor seiner ersten Sketch-Sendung jedoch, die im Frühjahr 1976 startete, war er äußerst skeptisch: "Die Leute haben sich inzwischen an 'Klimbim' gewöhnt, wo die Gags nonstop fallen und alles auf Tempo abgestellt ist. Hoffentlich haben sie für meine etwas beschauliche Art, lustig zu sein, noch eine Antenne."

Humorist Loriot

Vicco von Bülow ist fünf Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Er wächst bei seiner Großmutter in Berlin auf. In der Nachbarschaft wohnen die Weizsäckers. - Foto © picture alliance / Eventpress

Loriot wurde als Karikaturist angekündigt. Mit Reinhold, dem Nashorn, seinen Knollennasenfiguren und Wum & Wendelin war er bekannt geworden. Zwischen 1967 und 1972 moderierte er dann die TV-Reihe "Cartoon", für die er 1970 mit der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU geehrt wurde. Er war also kein Unbekannter mehr, als er sich im Frühjahr 1976 in "Loriots sauberer Bildschirm" mit gespielten Sketchen vors TV-Publikum wagte – zu jener Zeit, als die Klamaukshow "Klimbim" mit lautem, schrillem Humor lockte.

Eine geniale Fehlbesetzung

Loriots Befürchtungen schienen sich zu bestätigen, als ein Kritiker schrieb, manche Sketche "wirkten etwas lahm". Aber davon ließ er sich nicht beirren. "Unzeitgemäßes hält sich länger", sagte er. Die Kritikerschelte bezog sich vor allem auf den Sketch "Gran Paradiso", in dem eine deutsche Urlauberfamilie inmitten eines Betonghettos nach dem Strand sucht. Loriot wollte die weibliche Rolle damals mit einer kleinen dicken Frau besetzen. Glücklicherweise konnte der zuständige Sender Radio Bremen damit nicht dienen. Stattdessen bekam eine unbekannte Schauspielerin vom Bremer Theater die Rolle: Evelyn Hamann.

Humorist Loriot

Loriot alias Vicco von Bülow wurde insgesamt dreimal mit der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU ausgezeichnet. 2003 erhielt er den Ehrenpreis (siehe Foto). - Foto © picture alliance / dpa

Sie entsprach in keinster Weise Loriots Vorstellung. Dennoch war er von ihr derart begeistert, dass sie zu seiner dauerhaften Spielpartnerin wurde. Eine feste Größe im Ensemble war auch Heinz Meier, in Erinnerung geblieben als Lottogewinner Erwin Lindemann. Meier, der auf der Theaterbühne Klassikerrollen spielte, haderte später damit, immer auf diesen einen Sketch reduziert zu werden. Schon der Anfang war für ihn ernüchternd: "Loriot suchte jemanden, der ganz normal Ja und Nein sagen konnte. Der wollte, dass ich nichts mache." Für einen Schauspieler eine Herausforderung.

Freundlich, aber unerbittlich brachte Loriot seine Akteure dazu, genau das zu machen, was er wollte. Und sei es nichts. Was für ihn zählte, war die richtige Betonung, denn nur durch sie wurden Sätze wie "Sagen Sie jetzt nichts" oder "Lassen Sie doch mal das Kind nach vorn" erst komisch. Sketche wie "Die Nudel", "Jodelschule" und "Kosakenzipfel" oder Zeichentrickfilme wie "Herren in der Badewanne" gehören heute zum deutschen Kulturgut. Die "Steinlaus" fand sogar den Weg in den "Pschyrembel", die Fachbibel der Mediziner.

Loriot fand das Absurde im Alltäglichen

Und dann die Namen! Hallmackenreuther, Müller-Lüdenscheidt, Herr Dr. Klöbner. Sie passten perfekt zu ihren Figuren. Loriot hatte akribisch an ihnen gefeilt, die Namensgebung als sehr mühevollen Vorgang bezeichnet. Ein Perfektionist. "Komplizierte Aufnahmen ließ ich 34-mal wiederholen", sagte er. Einzige Ausnahme: der Sketch "Das Bild hängt schief", in dem ein Versicherungsvertreter bei dem Versuch, ein Bild gerade zu rücken, ein ganzes Zimmer verwüstet. Das Ende, als er ein Regal um- und die Gardinen abreißt, wurde in einem Rutsch gedreht.

Humorist Loriot

"Herren im Bad" ist einer der bekanntesten Sketche von Loriot. - Foto © picture alliance / Eventpress

Jedes Detail hatte Loriot im Drehbuch genau festgelegt. Es sind sogar wissenschaftliche Abhandlungen verfasst worden, um das Geheimnis seines Humors zu ergründen. "Keine Ahnung, ob es da ein Geheimnis gibt. Ich habe einfach immer nur getan, was mir Spaß macht", so Loriot dazu. Als genauer Beobachter fand er das Absurde im Alltäglichen. Das Aneinandervorbeireden und das Scheitern im Bemühen, ernsthaft zu sein, waren wesentliche Elemente seines Humors, den er auf den Punkt genau inszenierte. Nichts blieb dem Zufall überlassen.

"Komik funktioniert nur bei perfektem Timing und exaktem Rhythmus", sagte er. Wichtig war auch die Sprache, Wortschöpfungen wie die "Spannmuffenfederung". Das ließ sich nicht übersetzen, im Ausland wurde Loriot deshalb nie verstanden. In Deutschland dafür umso mehr. Als er nach zwei Jahren und sechs Folgen mit seiner Sketch-Show aufhörte, brauchte Produzent Horst Wendlandt zehn Jahre, um ihn zum ersten Kinofilm "Ödipussi" (1988) zu überreden. Genau wie der zweite, "Pappa ante portas" (1991), wurde er ein Erfolg.

Humorist Loriot

"Ödipussi" (1988): Loriots erster Spielfilm, hier mit Schauspielerin Evelyn Hamann, lockte fast fünf Millionen Besucher ins Kino. - Foto © picture alliance / dpa

Alle, die ihn erlebt haben, beschreiben Loriot als feinen, geistreichen Herrn. Sie berichten aber auch, dass er sehr albern sein konnte. Ein Erbe seines Vaters, den er als den "witzigsten Menschen", den er kannte, bezeichnete. Der Papa war es auch, der seinem Sohn den Rat gab, nach dem Studium an der Kunstschule auf Komik zu setzen.

In diesem November wäre Vicco von Bülow 90 geworden. Er fehlt. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." Ein Leben ohne Loriot möglicherweise auch. Hätte er uns nicht seinen Humor hinterlassen.

Autor: Thomas Kunze