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Schauspieler Peter Ustinov 2003 in "Luther".

Schauspieler Peter Ustinov 2003 in "Luther". Letzte Rolle in der Filmbiografie über Martin Luther: Friedrich III., genannt "Der Weise". - Foto © picture-alliance/ dpa

Geliebtes Genie

TV-Legende Sir Peter Ustinov

Die HÖRZU-Serie über TV-Legenden: Diesmal stellt HÖRZU Schauspieler und GOLDENE KAMERA-Preisträger (1974, 2001) Peter Ustinov vor.

Beinahe hätte er den Ritterschlag verhunzt. Mit der Einladung in den Buckingham-Palast, wo die Queen ihn 1990 in den Ritterstand erheben wollte, war die Beantwortung zweier Ja-Nein-Fragen verbunden: Können Sie knien? Können Sie nicht knien? Das brachte Peter Ustinov, wie er in seinem letzten Interview gestand, in die Bredouille: "Ich habe lange telefoniert, bis ich jemandem vom Hof mein Problem erklären konnte. Ich sagte: Ich kann das nicht beantworten. Ich kann knien, aber ich kann nicht wieder aufstehen."

Schauspieler Peter Ustinov

Sir Peter Ustinov wird am 6.2.2001 in Berlin mit der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU ausgezeichnet, die ihm seine überraschend eingeflogene Tochter Pamela überreichte. - Foto © picture-alliance / dpa

Peter Ustinov liebte es, solche Anekdoten zu erzählen. Er hütete einen ganzen Schatz davon. Sie machten aus jedem seiner weltweiten Talkshowauftritte ein funkelndes Ereignis. Sein freundlich-respektloser Witz, gepaart mit einer großen Portion Selbstironie, war das Fundament, auf dem er sich zeit seines Lebens leichtfüßig bewegte.

Zahnlos war Ustinov nie. Das bekam auch sein einziger Intimfeind zu spüren: Charles Laughton, mit dem er 1960 in "Spartacus" zu sehen war. Laughton schmähte häufig die Anfänge des jungen Kollegen in den 30ern an Londoner Bühnen. Ustinov hingegen erschien Laughtons Spiel stets zu pathetisch, der Mann zu weltfremd. Später zahlte er es ihm mit ebenso amüsanten wie boshaften Plaudereien über den gemeinsamen Dreh heim.

Peter Ustinov ist witzig und sprachbegabt

Als Ustinov vor zehn Jahren starb, zählte er zu den am meisten verehrten Schauspielern der Welt. Er wurde zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet, für "Spartacus" und "Topkapi". Zweimal mit der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU: 1974 und 2001. Er hatte 14 (!) Ehrendoktorwürden und war von 1992 bis zu seinem Tod 2004 Kanzler der Universität Durham. Sein hintersinniger Kommentar dazu: "Wenn gerade keine gekrönten Häupter wie die Queen zur Verfügung stehen, dann komme ich dran."

Schauspieler Peter Ustinov

Eheglück: Seine dritte Gattin Hélène du Lau d’Allemans war die Frau seines Lebens. - Foto © picture alliance / Keystone

Schon als Kind galt der Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent, der Publizist und Weltverbesserer als Ausnahmetalent. Vater Jona von Ustinov, Sohn eines adligen Russen, der sich in Württemberg einbürgern ließ, ging Anfang 1920 zur deutschen Botschaft in London. Dort wurde Peter 1921 geboren und so zum Staatsbürger Großbritanniens. Laut seiner Mutter konnte er mit einem Jahr lesen, ahmte mit zwei bekannte Gäste seines Vaters nach. Als 1924 der äthiopische Kaiser Haile Selassie zu Besuch kam, wurde Peterchen aus dem Bett geholt, um eines seiner Kabinettstückchen vorzuführen.

Dass er dabei nicht zum blasierten Kleinkind mutierte, erklärte er seinem Biografen John Miller ("Peter Ustinov: Die Gabe des Lachens", Fischer Verlag) später so: "Es erwies sich als Gnade, dass ich unwiderruflich dem Gelächter verfallen war, dessen Klang mir immer die zivilisierteste Musik im ganzen Universum zu sein schien."

Ein blendender Mime

Frühreif aber blieb er. Mit 16 wurde er als einer der Jüngsten im London Theatre Studio aufgenommen und widersprach mehr, als dass er lernte. "Es lag auf der Hand, dass ihm keine Schauspielschule der Welt noch irgendetwas beibringen konnte. Er war ein blendender Mime und konnte unendlich viele verschiedene Stimmen nachahmen", erinnerten sich Mitschüler. Peter verließ die Schule, übernahm kleine Rollen im West End, übersetzte französische Theaterstücke ins Englische, ergatterte Nebenrollen im Film und schrieb Sketche fürs Kabarett und eigene Theaterstücke. Er kleidete sich unkonventionell und heiratete mit 19 die gleichaltrige Aktrice Isolde Denham, eine Halbschwester von Angela Lansbury.

1942 wurde er zum Militär eingezogen. Eine prägende Zeit. Sie machte ihn politisch unwiderruflich zum Liberalen und lieferte reichlich Vorbilder für spätere Parodien von Politikern und Militärs. Gleichzeitig brachte sie ihn in Kontakt mit den Großen des Kinos. Denn der "Filmeinheit" der britischen Armee gehörten Stars wie David Niven und Richard Attenborough an, und Schütze Ustinov schrieb Drehbücher für die Durchhaltestreifen. Selbst da offenbarte sich die wahre Leidenschaft des später gefeierten Weltstars, die er so in Worte fasste: "Ich spiele für meinen Lebensunterhalt, ich schreibe, weil ich muss."

Start der Weltkarriere

1945 wird Tochter Tamara geboren, vier Jahre später scheitert seine Ehe. Doch die Karriere nimmt Fahrt auf. Ein einziges Mal muss er ein Casting durchstehen: 1949 für die Rolle des wahnsinnigen Kaisers Nero im Hollywoodstreifen "Quo Vadis". Die Probeaufnahmen klappen, er erhält den Zuschlag, das Projekt aber liegt zwei Jahre auf Eis. Als es endlich so weit ist, bekommt er ein Telegramm aus den USA: "Wir befürchten, Sie könnten für die Rolle noch etwas zu jung sein." Ustinovs Antwort: "Wenn Sie’s noch ein Jahr hinauszögern, bin ich für die Rolle zu alt." Nero sei schließlich schon mit 31 gestorben.

Schauspieler Peter Ustinov

1951 "Quo Vadis": Internationaler Durchbruch als größenwahnsinniger Kaiser Nero neben Patricia Laffan. - Foto © picture-alliance

Der Film, weltweit ein Riesenerfolg, wird Ustinovs Durchbruch als Kinostar. Fortan spielt er überall auf der Welt. Heiratet, bekommt in den 50ern drei weitere Kinder. Die Liebe seines Lebens aber wird seine dritte Frau Hélène, auf die er bereits 20 Jahre zuvor auf dem Tennisplatz ein Auge geworfen hatte. Bis zu seinem Tod residieren die beiden in Bursins am Genfer See. Sportlich liebt er Tennis, ist mit Boris Becker befreundet und spielt so gut, dass er einmal sogar den Dritten des türkischen Daviscup- Teams bezwingt.

Sechsmal verkörpert er während seiner Spätkarriere Agatha Christies Meisterdetektiv Hercule Poirot – die Menschen lieben ihn dafür. Mit dem typischen "Ustinov-Touch" dreht er Dokumentationen, etwa über sein Herkunftsland Russland. Für seine BBC-Reihe "Ustinov’s People" ist auch ein Interview mit Indira Gandhi geplant. Während er im Garten auf die indische Premierministerin wartet, hört er Schüsse. Gandhi ist auf dem Weg zu Ustinov erschossen worden.

Zuletzt bewegen ihn, der sich immer als Weltbürger sah, humanitäre Belange. 2003 gründet er in Wien das Sir Peter Ustinov Institut zur Bekämpfung von Vorurteilen. Dessen Eröffnung aber erlebt er nicht mehr. Am 28. März 2004 stirbt Peter Ustinov mit 82 Jahren an Herzversagen. Selbst über diesen Abschied hatte er sinniert: "Ich glaube, die Erziehung endet erst mit dem Tod. Oder danach."

Autor: Sabine Goertz-Ulrich