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Heinz Rühmann in "Der Gasmann" (D 1940/41, Regie: Carl Fröhlich).

Heinz Rühmann, hier mit Erika Helmke, in "Der Gasmann" (D 1940/41, Regie: Carl Fröhlich). - Foto © picture-alliance

Unvergessener Filmstar

TV-Legende Heinz Rühmann

Die große HÖRZU-Serie über TV-Legenden: diesmal der unvergessene Heinz Rühmann. Er war klein, sprach mit leiser Stimme – und wurde gerade deshalb berühmt. Mit seiner Kunst erreichte der Filmstar und zweifache GOLDENE KAMERA-Preisträger die Herzen.

Am Ende seiner Karriere muss er einfach nur da sein und auf seine stille Art Hof halten. Kaum betritt Heinz Rühmann die Bühne der "Peter Alexander Show", erhebt sich das Publikum zu stehendem Applaus. Seine weihnachtlichen Lesungen im Hamburger Michel sind Monate im Voraus ausverkauft. Zu Ehren seines 90. Geburtstages eilt selbst der damalige Kanzler Helmut Kohl zur Gala ins Münchner Prinzregententheater.

Schauspieler Heinz Rühmann

Heinz Rühmann mit seiner zweiten Ehefrau, Schauspielerin Hertha Feiler (1956). - Foto © picture-alliance

Heinz Rühmann war ein Schauspieler der leisen Töne, aber keiner schaute seinen Figuren so ins Herz. In seinen Rollen zeigte er kleine Leute, die sich listig durch die Frontlinien mogeln so wie "Der brave Soldat Schwejk". Oder die über sich hinauswachsen wie der Schuster Wilhelm Voigt im "Hauptmann von Köpenick", der in geliehener Uniform seine Zeitgenossen narrt. Wie der zarte 1,65-Meter-Mann mit schnarrender Stimme und klappernden Sporen die preußische Obrigkeitshörigkeit lächerlich macht, gehört zu den Kabinettstücken der Filmgeschichte.

Himmelsglanz für alle

Seine Lieblingsnummer wird die des dummen August. Mit Oleg Popov mimt er im Circus Krone den Wettstreit zweier Clowns, die sich um einen Flecken Sonnenlicht balgen, bis sie erkennen, dass der Himmelsglanz für alle reicht. Was für die Clownskunst gilt, stimmt auch für ihn: Nimm sehr ernst, was du da tust. Verrate dein Spiel nie durch ironische Distanz. Vor allem: Bereite dich minutiös vor.

Schauspieler Heinz Rühmann

Heinz Rühmann als Literaturprofessor Dr. Johannes Pfeiffer in der Komödie "Die Feuerzangenbowle" (1944) . - Foto © picture alliance / United Archiv

Für die Hallodris seiner Zunft hatte Heinz Rühmann stets nur ein Lächeln übrig. Als der notorisch unvorbereitete Hans Albers ihm rät, seinen Text von Tafeln abzulesen, kontert er: "Die sind doch alle schon von dir besetzt." Am Set verkriecht er sich im Wohnwagen oder lässt sich mit Stellwänden eine Nische bauen. Und wehe, jemand stört ihn bei der Vorbereitung. Auch Unpünktlichkeit kann er nicht leiden. Die Hamburger Produzentin Katharina Trebitsch, die einmal wenig verspätet zum Essen im Hotel Vier Jahreszeiten erscheint, empfängt er mit dem Satz: "Ich habe schon Nachtisch bestellt."

Schauspieler Heinz Rühmann

Der beliebte deutsche Schauspieler Heinz Rühmann in der Rolle des Schusters Wilhelm Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick" (1956). - Foto © picture-alliance / dpa

Immer Reis Trauttmansdorff, Milchreis mit Kompott. Rühmann liebte seine Gewohnheiten. Bereits mit 28 Jahren absolvierte er seinen Flugschein, die Präzision des Piloten wird zeitlebens seine Arbeitsweise prägen. Trebitsch: "Wer beim Fliegen einen Fehler macht, der stürzt ab. Das hat er auf seine Rollen übertragen. Hoch fliegen darf nur, wer gut vorbereitet ist." Für Außenstehende wirkt seine Genauigkeit oft wie Unnahbarkeit. Streng behandelt er in seinem letzten Film "In weiter Ferne, so nah!" auch die junge Kollegin Nastassja Kinski. Seine Erklärung: "Ich wusste, sie kann viel mehr." Er will, dass alle ihr Bestes geben, meistens lernt er die Texte der Kollegen gleich mit.

Heinz Rühmann als "Quax, der Bruchpilot"

Heinz Rühmann begann als Theaterschauspieler und war im Dritten Reich so beliebt, dass er für Kriegsdienste u.k. (unabkömmlich) gestellt wurde. Er hält sich an Komödien, meidet Propagandafilme. Auch "Quax, der Bruchpilot" von 1941 feiert den Humor, der im Scheitern liegt. Als Quax in einem See notlanden muss, meint er grinsend: "Hiermit erkläre ich die Badesaison für eröffnet."

Schauspieler Heinz Rühmann

Heinz Rühmann in "Quax, der Bruchpilot", eine von vielen Komödien, die der Schauspieler während der Nazizeit dreht. - Foto © picture-alliance

Die 1938 geschiedene Ehe mit der Jüdin Maria Bernheim ist nur vordergründig ein Fleck auf der weißen Weste. Durch Rühmanns gute Beziehungen kann Maria ins Exil nach Stockholm fliehen. Sie wird von ihm zeitlebens finanziell unterstützt. Der Neubeginn nach dem Krieg ist schwer: Heinz Rühmann und seine zweite Frau Hertha Feiler leben in einem Behelfsheim auf dem Gelände der Bavaria-Filmstudios, die von Rühmann gegründete Produktionsfirma Comedia geht pleite und reißt das Paar fast in den Ruin.

Durch Tourneen sichern sie sich einen bescheidenen Lebensunterhalt – der 1942 geborene Sohn Peter muss für vier Jahre ins Internat. Auch als es später aufwärts geht, hat Heinz Rühmann mit Rückschlägen zu kämpfen. Ausgerechnet der Erfolg mit "Charleys Tante" erweist sich als Falle: Die Charakterrolle im "Hauptmann von Köpenick" traut man ihm daraufhin nicht zu. Regisseur Helmut Käutner muss ein Machtwort sprechen: "Mit Rühmann oder gar nicht."

Schauspieler Heinz Rühmann

"Die Drei von der Tankstelle" (1933): Drei Freunde (Oskar Karlweis, Heinz Rühmann, Willy Fritsch, v. l.) feiern das Leben. Ihr Lied: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt" ist bis heute Kult - Foto © picture-alliance

Diese Anekdote zitiert der Schauspieler später gern, weil er Solidarität in seinen schweren Zeiten so schmerzlich vermisst hat. Nach dem frühen Tod von Hertha Feiler heiratet Rühmann ein drittes Mal. In den 60ern entdeckt er auch das Fernsehen für sich. Die frühere HÖRZU-Chefreporterin Karin von Faber trifft ihn 1989 zu einem seiner raren Interviews. Ihre Analyse: "Die permanente Unzufriedenheit mit sich selbst ist der Schlüssel zum Phänomen Rühmann. Seine Rollen glänzen wie Hochkaräter – da schleift einer so lange, bis es perfekt ist. Am Ende dieses Prozesses steht anrührende Einfachheit, durchsichtig wie ein Wassertropfen und ebenso verletzlich."

Autor: Angela Meyer-Barg