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Hans-Joachim Kulenkampff mit seiner Assistentin Gabi Kimpfel.

Der deutsche Quizmaster und Schauspieler Hans-Joachim Kulenkampff mit seiner Assistentin Gabi Kimpfel bei der Show "Einer wird gewinnen". - Foto © picture alliance / Keystone

Der große Charmeur

Hans-Joachim Kulenkampff • TV-Legende

Die HÖRZU-Serie über TV-Legenden: Diesmal der große Charmeur Hans-Joachim Kulenkampff. Mit Witz und Geist wurde der GOLDENE KAMERA-Preisträger (1966,1987) zum populärsten deutschen Showmaster. Noch heute ist er Vorbild vieler Moderatoren.

Ende der 1950er-Jahre gab es in Deutschland nur etwas mehr als eine Million TV-Geräte. Aber wenn er seine Quizshows moderierte, saßen bis zu vier Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen: Hans-Joachim Kulenkampff war ein nationales Ereignis. Um ihn zu erleben, versammelten sich Familien und Nachbarn gemeinsam vor den Geräten.

Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff

"Einer wird gewinnen" (1964): Die Idee zum "EWG"-Schlussgag mit Butler Martin Jente stammte von Kulenkampff, der auch die Gags schrieb. Jente war Produzent der Sendung und hatte immer Angst, die Pointe bei seinem Auftritt zu vermasseln. - Foto © picture alliance / Keystone

"Er war der Quotenstar schlechthin", erinnert sich Frank Elstner, selbst eine TV-Legende. "Die Zuschauer hingen an seinen Lippen." Später, bei "Einer wird gewinnen", waren es 25 Millionen. Mit "EWG" schrieb Kuli ab 1964 endgültig Fernsehgeschichte. Blieb er unter 90 Prozent Einschaltquote, beklagte er sich und dachte ans Aufhören. Aber nicht nur mit der Quote hob er die Messlatte für jeden Nachfolger in unerreichbare Höhen. "Ich kann weder tanzen noch singen, noch steppen", sagt er. Aber er verfügte über andere Qualitäten.

"Er ist allen Moderatoren ein Vorbild, weil er der freien Rede mächtig war und das auch nutzte", analysierte Günther Jauch in einem Interview. Kulis Schlagfertigkeit und seine Spontaneität sind legendär. Auch Thomas Gottschalk bewundert ihn: "Er hatte immer Niveau, Stil und Eleganz. Dabei hat er sich nie zu ernst genommen. Dadurch gelang ihm die Leichtigkeit, die ihn auszeichnete."

Narrenfreiheit für Kuli

Damit trieb er aber auch den Mitarbeitern hinter der Bühne Schweißperlen auf die Stirn. "Wir wussten nie, was er als Nächstes macht", erinnert sich der "EWG"-Regisseur Ekkehard Böhmer. "Er ging ohne jegliche Vorbereitung auf die Bühne." Pannen waren Kuli willkommen, um daraus Späße zu machen. Die ungeschriebenen TV-Gesetze scherten ihn nicht, er überzog die Sendezeit, wie es ihm gerade passte. Kulenkampff allein bestimmte, wann Schluss war.

Einmal brachte er den Sender in Schwierigkeiten, als er sechs Minuten zu früh aufhörte – die ARD zeigte das Sender-Logo. Nur Kuli konnte sich das erlauben. Mit frechem Charme, großer Schlagfertigkeit und geistreichem Witz hatte er Zuschauer und Kritiker stets auf seiner Seite.

Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff

Eheglück: Nach eigener Aussage kannte Kulenkampff seine "Traudl" erst acht Tage, als er sie 1946 zum Standesamt führte. Er hatte die Österreicherin am Bremer Theater kennengelernt (aufgenommen am 12.11.1971). - Foto © picture-alliance / dpa

Mehr als drei Jahrzehnte lang prägte Kulenkampff mit seinem Charisma das Fernsehen. Dabei war seine TV-Karriere nur ein Zufall. 1921 als Kaufmannssohn in Bremen geboren, zog es ihn früh auf die Bühne. Seine Schauspielausbildung wurde 1941 durch die Einberufung an die Front unterbrochen. In Russland froren ihm Zehen ab, die er eigenhändig amputierte.

Nach traumatischen Kriegsjahren begann er 1946 am Bremer Theater. Dort lernte er die Österreicherin Gertraud Schwarz kennen, die er schon nach wenigen Tagen heiratete. Die Ehe mit "Traudl" hielt 52 Jahre – bis zum Ende seines Lebens. Das Paar erlebte auch einen dunklen Moment, als der vierjährige Sohn Till 1957 bei einem Autounfall ums Leben kam. Mit Merle und Kai hatte es zwei weitere Kinder.

Die Familie war der Grund dafür, dass Hans-Joachim Kulenkampff 1949 als Radiosprecher beim Hessischen Rundfunk anheuerte. Die wechselhafte Schauspielerexistenz schien ihm allein zu unsicher: "Ich wollte mein Kind ernähren." Als ein Quizmaster ausfiel, fragte ihn der Intendant, ob er einspringen könne. Er tat es – allerdings nur aus Angst, man würde ihm eine Absage verübeln. Da die Zuhörer nicht genug von ihm bekommen konnten, wurde er 1953 zum Fernsehen befördert.

Die Quizshow "Wer gegen wen?" schlug ein. Nach sieben weiteren Ratesendungen startete 1964 "Einer wird gewinnen" mit Kandidaten aus acht europäischen Ländern. Für Kulenkampff war die Show auch ein Akt der Völkerverständigung. "Selbst ein Conférencier hat eine politische Haltung", sagte er damals.

Genau damit eckte er immer wieder an und provozierte Skandale. 1959 forderten Politiker vehement seine Absetzung, nachdem er in seiner Show "die Freunde in der DDR" begrüßt hatte. Ein Politikum höchsten Grades, da die BRD Ostdeutschland nicht als eigenständigen Staat anerkannte. Ein Untersuchungsausschuss prüfte, ob der Moderator "im Solde Ulbrichts", des damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, stehe, kam jedoch zum Ergebnis, dass "der Vorwurf einer soliden Grundlage" entbehre. Als Hans-Joachim Kulenkampff 1969 für Kanzlerkandidat Willy Brandt warb, erhielt er sogar Morddrohungen, sah es aber als demokratische Pflicht an, seine Meinung frei zu äußern.

Das Ende einer TV-Ära

Auch seine Leidenschaft für die Schauspielerei verhehlte er nie. Sein Show-Image verbaute ihm aber den Weg zu anspruchsvollen Rollen. Wenn er mit Boulevardstücken über Land tingelte, wollten ihn die Zuschauer heiter sehen – so wie im Fernsehen. "Wenn ich in einer ernsten Rolle auftrete, beschweren sich die Leute, dass sie ihren Kuli gar nicht wiedererkennen", sagte er.

Aber auch als Showmaster musste er mit Misserfolgen leben. 1969 beendete er "EWG", um neue Formate auszuprobieren. Keines funktionierte wie gewünscht, weil Kuli seine Qualitäten nicht zur Geltung bringen konnte. Erst mit dem "EWG"-Comeback fand er ab 1979 wieder zur Bestform zurück. Als Kuli 1998 mit 77 Jahren einem langen Krebsleiden erlag, titelte die BILD-Zeitung: "Mit ihm ist ein Stück Fernsehen gestorben." Es war das traurige Ende einer großen TV-Ära.

Autor: Thomas Kunze