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Caterina Valente und Senta Berger in "Die schnelle Gerdi" (1989).

Caterina Valente und Senta Berger in "Die schnelle Gerdi" (1989). - Foto © picture alliance / Keystone

Glanz, Glamour und große Gefühle

TV-Legende Caterina Valente

Die große HÖRZU-Serie über TV-Legenden. Diesmal: Caterina Valente. Die GOLDENE-KAMERA-Preisträgerin war der Inbegriff des Fräuleinwunders und erfüllte die Sehnsucht der Deutschen nach Leichtigkeit und Wärme. Was sie wirklich konnte, zeigte sie in den USA.

Allein die Weihnachtskarten, die sie heute noch an Freunde verschickt, sind deutliche Zeichen: Signale der Verbundenheit, aber auch Statements einer Frau, die keine Lust mehr hat, Erwartungen zu bedienen. Mal posiert die Valente wenig weihnachtlich auf einer Harley, vor Jahren grüßte sie mit Sohn Alexander aus dem Pool, beide lachend, die nassen Haare zurückgestrichen.

Weltstar Caterina Valente

Caterina Valente bekommt 1966 DIE GOLDENE KAMERA von HÖRZU verliehen. 2001 hielt sie die Laudatio für Peter Ustinov (Foto oben). - Foto © picture-alliance/ dpa

Caterina Valente entstammt einer Artistenfamilie, das mag ihr zeitlebens geholfen haben, den Drahtseilakt ihrer Karriere zu bestehen. Eiserne Disziplin war gefragt und die unbedingte Verpflichtung, das Publikum zu unterhalten. "Der Vorhang geht auf, und du musst da sein. Aus und fertig", schreibt sie in ihren Memoiren. Manchmal gerät das Seil ins Schlingern, wenn sie in den USA auftritt, zurück nach Deutschland fliegt und sofort weiterhetzt zu einer Show in der tiefsten Provinz.

Höhenflüge und Abstürze

Manchmal scheint die deutsche Bühne viel zu klein für diese Frau, die in New York die Säle füllt, mit Bing Crosby und Dean Martin singt und aus den USA jene großen Gesten mitbringt, die heute noch gern kopiert werden: die hochgereckten Arme im Finale eines Songs, der gesenkte Blick, der dem Augenaufschlag vorausgeht. Höhenflüge und Abstürze kennzeichnen dieses Leben. "Ich habe Pech gehabt", sagt sie Ende der 70er-Jahre und meint damit ihre beiden gescheiterten Ehen mit ihrem Manager Erik van Aro und dem Musiker Roy Budd. "Mein Leben war ein Traum", beteuert sie an anderer Stelle und meint ihren Beruf.

Weltstar Caterina Valente

Caterina Valente heiratete 1972 den 16 Jahre jüngeren Musiker Roy Budd. - Foto © picture alliance / Keystone

Caterina Valente wird am 14. Januar 1931 als viertes Kind einer Artistenfamilie in Paris geboren. Mutter Maria ist Musikclown und berühmt – die kleine Caterina bleibt jahrelang das Gitarre und Flöte spielende Anhängsel im Familienkonzert. Im Krieg verschlägt es den Clan bis nach Odessa, wo die Russisch sprechende Mutter alle mit ihrem Theaterspiel durchbringt. Anfang der 50er-Jahre treten die Valentes im Hamburger Hansa-Theater auf. Dort lernt Caterina den Jongleur Erik van Aro kennen, den sie 21-jährig heiratet.

Stimme mit Strahlkraft

Van Aro wird das Regiment der Mutter übernehmen: Er bestimmt den Kurs, sie führt aus, was gewünscht wird. Mit "Ganz Paris träumt von der Liebe" oder "Wo meine Sonne scheint" erobert sie das deutsche Publikum. Mit ihren dunklen Locken und den braunen Augen ist diese koboldhafte Frau gerade so exotisch, dass sie die Sehnsucht der Deutschen nach dem Süden bedient, dabei so adrett und diszipliniert, dass keiner fremdelt. Caterina Valente steigt zum größten Star des Wirtschaftswunders auf, und wie sie es als Artistenkind gelernt hat, bedient sie stets die Erwartungen.

Weltstar Caterina Valente

1973: Peter Alexander verströmt seinen Charme, Caterina macht Faxen. Die beiden sollen als Paar aufgebaut werden, machen aber lieber jeder für sich Karriere. - Foto © picture alliance / dpa

Im Film "Schneewittchen und die sieben Gaukler" von 1962 fährt sie im Sportwagen durch verschneite Berge, auf dem Beifahrersitz ein silbergrauer Königspudel. Die Valente singt: "Ist das nicht ein wunderschönes Leben, Herr Schmidt?", der Pudel "Schmidt" bellt im Takt. Ein harmloser Streifen, doch selbst im künstlerischen Zwergenland blitzt ihr Können auf: Sie tanzt, singt, lockt in der Schlussszene die Hotelgäste vom geheizten Foyer hinaus ins Zirkuszelt: "Unsere Welt ist die Manege, sie wird niemals untergehen!" Die Strahlkraft ihrer Stimme steigt hinauf in die Kuppel, und ihre Mitspieler Walter Giller und Hanne Wieder schrumpfen unweigerlich zu Statisten.

Siegeszug in den USA

Während Deutschland sie noch als "Schlager-Kathrin" feiert, die nach ihren Tourneen in den Bungalow nach Südeutschland zurückkehrt, beginnt in den USA eine beispiellose Karriere. Nachdem sie sich 1955 mit "Malagueña" und "The Breeze And I" an die Spitze der US-Charts katapultiert hat, nutzt sie klug ihre Chancen. Caterina Valente wird die Partnerin von Perry Como, Dean Martin, Bing Cosby und singt im Duett mit Ella Fitzgerald. Mit ihrer wöchentlichen Fernsehshow "The Entertainers" heimst sie Preise ein, in Las Vegas tritt sie auf, selbst im fernen Japan führt sie die Hitparaden an und füllt dort die Hallen.

Sie erinnert sich: "Die Japaner klatschen nicht. Bei meinem ersten Auftritt in Tokio haben nach der ersten Nummer nur drei Leute applaudiert. Zum Schluss haben sie mich nicht mehr von der Bühne gelassen. So was muss man wissen." Anfang der 70er-Jahre ist sie auf der Höhe ihres Könnens: 1971 singt sie im Londoner Talk Of The Town, ein Jahr später im Olympia in Paris, vielleicht die größte Herausforderung ihrer Karriere. Hier fing alles an, hier wird sie 40 Jahre später gefeiert – eine Entertainerin, die den Swing im Blut hat und zum Schluss an der Rampe sitzt und von Melancholie singt, denn auch das gehört zu ihrem Leben.

Caterina Valente heiratet 1976 Musiker Roy Budd

Die Ehe mit dem viel jüngeren Musiker Roy Budd sollte ein Befreiungsschlag sein. Endlich will sie so leben, wie es ihr gefällt. 1974 bringt sie mit 43 Jahren ihr sehnlich erwünschtes zweites Kind zur Welt, Alexander. Die sparsame Künstlerin, die ihre Gagen stets auf die Bank trug und dort vergaß, verwöhnt ihren Mann. Sie mietet ein Penthouse in London, kauft einen Rolls-Royce, später ein Haus in den USA. Vergebens. 1980 wird die Ehe geschieden.

Die Diva konzentriert sich wieder auf ihre Karriere in Deutschland, ist Stargast in Shows wie "Musik ist Trumpf". Ihr langjähriger Manager Rainer Ritter erinnert eine Künstlerin, die auf der Bühne glamourös und privat ganz anders ist. Die nach einem umjubelten Konzert in die Trainingshose steigt, die Mütze in die Stirn zieht und an der Rezeption des feinen Hotels nach dem Zimmerschlüssel fragt. Der Manager mimt dann zum Schein den Empörten: "Wollen sie dieser Frau etwa den Schlüssel der Valente aushändigen?" Über solche Streiche können sich beide ausschütten vor Lachen.

In späteren Jahren besinnt sich Caterina Valente auf ihren Clan, holt ihren Bruder Silvio mit auf die Bühne, 1996 findet ihr letzter gemeinsamer Auftritt im Leipziger Opernhaus statt. 2002 nimmt sie aus der Hand von Lothar Späth noch einen Preis für ihr Lebenswerk entgegen, seitdem lebt sie zurückgezogen in ihrer Wohnung in Lugano oder ihrem Haus in Kalifornien. Die Valente hat endgültig den Vorhang fallen lassen – ihr Leben gehört nur noch ihr selbst.

Autor: Angela Meyer-Barg