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TV-Koch Tim Mälzer ist Pate der ARD-Themenwoche "Essen ist Leben".

TV-Koch Tim Mälzer ist Pate der ARD-Themenwoche "Essen ist Leben". / Foto: © picture alliance / Jazz Archiv / Foto Startseite: © ARD/Sebastian Hänel

"Kochen ist keine Kunst"

TV-Koch Tim Mälzer

Einfach, schnell und trotzdem gesund: Das ist das Rezept, mit dem TV-Koch Tim Mälzer schon seit Jahren erfolgreich ist. Doch Erfolg allein reicht ihm nicht, der Mann hat auch eine Mission – er möchte sein Publikum öfter an den Herd locken, die Leidenschaft fürs Kochen wecken und das Gespür für Lebensmittel verfeinern.

Das alles macht ihn zum idealen Paten für die ARD-Themenwoche "Essen ist Leben", die ab 23. Oktober vielfältige Programmschwerpunkte rund um Lebensmittel und Ernährung bei allen Sendern der ARD bietet. Warum so viele Menschen nur noch selten kochen, was er von Fertiggerichten hält und wie er selbst sich ernährt, verrät Tim Mälzer im großen Interview mit HÖRZU.

HÖRZU: Herr Mälzer, was heißt für Sie gesunde Ernährung?

Tim Mälzer: Gesunde Ernährung bedeutet für mich nur Ausgewogenheit. Regelmäßig, abwechslungsreich – fertig!

HÖRZU: Und was hält uns davon ab, so zu essen?

Tim Mälzer: Den normalen Menschen halten zwei Faktoren vom Kochen ab: Zeit und Geld. Wir verbringen immer weniger Zeit zu Hause und haben das Gefühl, wir könnten frisches Essen dort nicht so preisgünstig herstellen wie ein Fertiggericht. Dabei mache ich in meiner Sendung nichts anderes als das.

HÖRZU: Warum hält sich dieses Vorurteil trotzdem so hartnäckig?

Tim Mälzer: Der Punkt ist: Was man nicht kann, ist immer aufwendig. Wer noch nie ein Puzzle zusammengesetzt hat, braucht beim ersten Mal vielleicht drei Jahre dafür. Dann hat er das System erkannt, schafft das nächste Puzzle in eineinhalb Jahren, und dann geht es bald richtig fix. Das ist bei allem so, was wir lernen, auch beim Kochen.

HÖRZU: Welche Irrtümer sind noch verbreitet?

Tim Mälzer: Dass es den absoluten Geschmack gibt. Nichts ist schlimmer als ein Gastgeber, der sich vor dem Essen erst mal eine halbe Stunde lang dafür entschuldigt, dass das Essen nicht so gut sei. Das ist Blödsinn. Wenn es jemandem schmeckt, dann schmeckt es, und wenn es mir nicht schmeckt, dann ist das nur mein Problem und nicht seines.

HÖRZU: Hat man als Gastgeber nicht einfach einen besonders großen Ehrgeiz?

Tim Mälzer: Es ist auch ein Irrtum, dass Kochen immer Kunst sein muss. Es ist richtig, dass es Kochkunst gibt, und die Sterneküche ist auch wichtig. Aber Kochen an sich ist keine Kunst, für mich ist es eher Emotion. Ein gut gedeckter Abendbrottisch ist bei mir schon Kochen. Ein lecker gemachter Tomatensalat ist großartig, genauso Omas Gurkensalat.

HÖRZU: Aber Salat macht ja nicht satt, oder?

Tim Mälzer: Natürlich macht er satt. Für eine Doku habe ich meine Ernährung eine Woche lang nur auf Salat umgestellt. Und die ersten drei Tage waren die Hölle. Nicht weil ich hungrig war, sondern weil ich Geschmack vermisst habe. Das war wie Entzug. Aber dann habe ich mir verschiedene Rezepte überlegt, und nach drei Tagen war es fast normal für mich, mein Körper hatte sich darauf eingestellt.

HÖRZU: Und wie ging es Ihnen nach der Salatwoche?

Tim Mälzer: Ich bin normalerweise ein Essen-Narkoleptiker: Nach dem Essen schreit das Sofa nach mir. Diese Müdigkeit war komplett weg. Völlegefühl und Blähbauch hatte ich auch nicht mehr, weil ich kleinere Portionen gegessen habe – und dafür regelmäßiger.

HÖRZU: Aber jetzt ernähren Sie sich wieder so wie vor dem Experiment?

Tim Mälzer: Ich esse alles, auch Pommes und andere fettige Sachen. Aber auf die kleinen Zwischenmahlzeiten wie das Sandwich oder den Schokoriegel versuche ich weiterhin zu verzichten. Und das fällt mir sehr schwer, muss ich ehrlich gestehen.

HÖRZU: Anderen Menschen fällt es schwer, auf Fertigprodukte zu verzichten. Warum?

Tim Mälzer: Was die Industrie so anbietet, schmeckt ja auch. Nicht fein, nicht differenziert, aber die primären Geschmackserlebnisse sind da: süß, salzig, ein bisschen säuerlich. Wer sagt, Fertigpizza schmecke schlecht, ist für mich ein Lügner. Außerdem ist eine Fertigpizza eben sehr schnell fertig, und man wird davon auch prima satt.

HÖRZU: Essen sollte man sie dennoch nicht?

Tim Mälzer: Wenn sich das eine oder andere Fertigprodukt mal als kleine Kochhilfe einschleicht, finde ich das nicht so schlimm.

HÖRZU: Was meinen Sie mit Kochhilfe?

Tim Mälzer: Zum Beispiel gekörnte Brühe, Tiefkühlgemüse oder Fertigkroketten. Danach hört es für mich aber auch schon auf. Neulich habe ich beispielsweise Fertig-Gratinsauce gesehen, zu der man nur noch Sahne hinzufügen sollte. Entschuldigung, aber Gratinsauce ist Sahne. Ein bisschen Salz, ein bisschen Pfeffer, mit Muskat wäre es schon raffiniert – wozu braucht man da noch ein Pulver für 99 Cent? Das ist doch affig.

HÖRZU: Kann es sein, dass viele junge Leute das Rezept einfach nicht mehr kennen?

Tim Mälzer: Und daran wären die Kochsendungen ein bisschen mit schuld. Eigentlich sollten wir immer nur dieselben zehn Rezepte rauf und runter kochen: Mehlschwitze, Salzkartoffeln, Braten, Backen, Schmoren. Keine wilden Kombinationen mit Mango oder Avocado. Am Anfang meiner Kochausbildung habe ich ja auch nur Bratkartoffeln gemacht. Und zwar ganze sechs Wochen lang.

HÖRZU: Aber möchte man nicht auch mal etwas Besonderes auf den Teller zaubern?

Tim Mälzer: Wir tun uns beim Kochen sicher auch deshalb so schwer, weil wir immer eine Leistung erfüllen wollen. Das Essen muss gesund sein, aber auch schnell gehen und trotzdem so gut sein wie vom Sternekoch. Damit begibt man sich doch in den unmittelbaren Wettbewerb mit Restaurants. Das finde ich doof.

Autor: Melanie Schirmann