HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Martina Gedeck Das Ende der Geduld

Martina Gedeck spielt die Richterin, die im Film Corinna Kleist heißt.
Foto: © BR/CWP-Film/Oliver Vaccaro

Nach einem wahren Fall

TV-Film "Das Ende der Geduld"

TV-Film "Das Ende der Geduld" über Jugendgewalt und den mutigen Einsatz einer Richterin. Nach einem wahren Fall.

Es war diese Vermisstenmeldung in der Zeitung, die für Regisseur Christian Wagner im Sommer 2010 den Anstoß gab. Im Zug hatte er gelesen, dass die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, bekannt für ihre Härte, verschwunden war. Ermordet? Die Polizei hatte noch keine Antwort. Heisigs Auto stand verlassen am Waldrand. Wagner begann, mehr über diese Frau zu lesen, und war fasziniert von ihrem Engagement im Kampf gegen Jugendkriminalität. Wagner war schnell klar: Aus diesem Leben mache ich einen Film! Entstanden ist "Das Ende der Geduld" (siehe TV-Tipp) mit einer brillanten Martina Gedeck in der Hauptrolle.


TV-Tipp

Mi., 19.11.: "Das Ende der Geduld", Das Erste, 20.15 Uhr. Im Anschluss (21.45 Uhr) Thema bei "Anne Will" (s. auch TV-Tipps rechts)


Noch während Wagners Anfangsrecherche kam die traurige Nachricht: Kirsten Heisig ist tot. Suizid, erhängt an einem Baum. Wer war diese Frau, die nur 49 Jahre alt wurde, zwei Kinder hatte und von ihrem Mann getrennt lebte? Sie arbeitete immer am Limit – eine sichere Kandidatin für Burn-out. Sie fühlte sich da wohl, wo die Probleme am größten sind: Im Berliner Brennpunktviertel Neukölln engagierte sie sich als Jugendrichterin für eine schnellere Verurteilung der Straftäter – so wollte sie auch eine gewisse Erziehung leisten. Für sie war die Arbeit nicht mit den Urteilen abgeschlossen, sie suchte nach den Ursachen, traf nach Dienstschluss arabische und türkische Familien, Polizisten und Bewährungshelfer und ging in viele Talkshows.

Martina Gedeck als Richterin

Schauspielerin Martina Gedeck ist in die Welt der Kirsten Heisig eingetaucht, hat mit Kollegen gesprochen und über 20 Gerichtsverhandlungen erlebt. "Der Abgrund, der sich da auftut, wenn man plötzlich die andere Seite sieht, ist sehr bedrückend", sagt Gedeck. "Die Jugendlichen haben kaum eine Chance, aus der Spirale der Gewalt herauszukommen. Richter sind oft die Einzigen, die wirklich Tacheles mit den Kids reden und versuchen, ihnen klarzumachen, dass es nicht der richtige Weg ist."

Kirsten Heisig heißt in dem Film Corinna Kleist und legt sich mit einem libanesischen Clanboss an, der seinen 13-jährigen Bruder Rafiq als Drogenkurier benutzt. Kleist will ihm einen Denkzettel verpassen und tritt damit eine Welle der Gewalt los. Regisseur Christian Wagner hat sich für einen fiktionalen Film entschieden, um zeigen zu können, welche Brutalität in dieser Parallelwelt unserer Gesellschaft herrscht und wie machtlos die Justiz oft ist. Bei einer Reportage wäre die Kamera im Gerichtssaal aus Datenschutzgründen tabu gewesen.

Bundesweite Diskussion

Die wichtigste Vorlage für die Filmemacher und alle Schauspieler war das Buch "Das Ende der Geduld", das Kirsten Heisig kurz vor ihrem Tod schrieb und das posthum zum Bestseller wurde – überraschenderweise. Damit hat Kirsten Heisig eine bundesweite Diskussion losgetreten. Der Film kann das erneut schaffen.

Autor: Mirja Halbig