HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Die Häuser dicht gedrängt: So trotzte das Dorf Skara Brae den Stürmen.

TV-Doku ''Rätsel der Steinzeit'' auf 3sat - Die Häuser dicht gedrängt: So trotzte das Dorf Skara Brae den Stürmen. / Foto: © picture alliance / akg

Geheimnisvolle Spuren auf den Orkney-Inseln

TV-Doku ''Rätsel der Steinzeit'' auf 3sat

Ein Paradies sieht anders aus. Wenn der Sturm über die Orkney-Inseln fegt, zeigt sich nichts als raue Schönheit. Eine Landschaft, schmucklos und flach, geprägt von den Farben Grün und Gelb, durchzogen von Fjorden mit steilen, zerklüfteten Klippen. Und doch fanden Archäologen hier, in Sichtweite von Schottlands Nordküste, die Spuren einer geheimnisvollen Vergangenheit.

Fast 5000 Jahre schlummerte das Steinzeiterbe unter einem Dünenhügel namens Skerrebra – bis im Winter 1850 verheerende Stürme und Fluten die Grasnabe wegrissen und Steinmauern freilegten. Je weiter die Forscher gruben, umso mehr rätselhafte Ruinen kamen ans Licht. Auf 500 v. Chr. schätzten sie zunächst die Entstehungszeit der Gebäude. Ein Irrtum.

Erst die moderne Radiokarbonmethode enthüllte, dass die heute als Skara Brae bekannte Siedlung bereits zwischen 3200 und 2200 v. Chr. gebaut worden war. Unter schützendem Sand haben sich die acht runden Häuser so perfekt erhalten, als hätten ihre Bewohner sie gerade erst verlassen.

Der wichtigste Grund für diese Sensation: "Da es auf Orkney kaum Holz gibt, wurde alles aus flachen Sandsteinplatten erbaut", erklärt Ulrike Sommer, Archäologin am University College London. "Sogar das Mobiliar ist aus Stein." Kastenbetten, eine Feuerstelle in der Mitte, eine Schrankanrichte gegenüber dem Eingang, Vorratsnischen und Regale an den Seitenwänden – die älteste Inneneinrichtung Europas!

Die Steinzeitsiedlung Skara Brae

Die Häuser ließen sich mit Steinplatten verschließen. / Foto: © picture alliance/Arcaid

Ulrike Sommer: "So kann sich der Besucher das steinzeitliche Alltagsleben viel besser vorstellen als anhand von ein Paar Pfostenlöchern, in denen einst Holz steckte und die man in Originallage nicht konservieren kann."

Nur die Dächer als Schutz vor dem rauen Klima bestanden vermutlich einst aus Tierhäuten. Weil die Wälder des Orkney-Archipels der letzten Eiszeit nicht trotzen konnten, erleben wir heute ein Freilichtmuseum ganz aus Stein.

Daheim bei Familie Feuerstein

Jedes Haus folgt demselben Design und verfügte über eine bewegliche Steinplatte als Tür. Schmale Wege, ebenfalls mit Steinen bedeckt, verbanden die Gebäude, der gemeinsame Lagerplatz diente der Geselligkeit – eine frühe Reihenhaussiedlung, die rund 600 Jahre lang bewohnt wurde. Die Menschen der Jungsteinzeit lebten hier als Bauern, hielten Schafe und Ziegen, bauten Gerste an, gingen auf Fischfang. Das beweisen die Funde zwischen den Häusern – Knochen, Muschelschalen Werkzeuge.

Trotz aller Forschungen bleiben noch etliche Rätsel ungelöst. Warum etwa lässt sich die Tür von Haus sieben nur von außen öffnen? Wurden hier Menschen für magische Rituale eingesperrt? Diente es als Geburtshaus oder gar als Gefängnis?

Für den Zauber von Skara Brae sorgt nicht zuletzt die raue Umgebung. Archäologin Ulrike Sommer: "Schon bei meinem ersten Besuch im Jahr 1981 war ich fasziniert davon, dass hier, am Rande der bewohnten Welt, solche Siedlungen erbaut worden waren."

Der Grabhuegel Maes Howe

Der Eingang zum Grabhügel Maes / Foto: © picture alliance / akg

Das Steinzeitdorf ist nicht das einzige Mysterium von Orkney. "Großsteingräber wie Maes Howe wurden nach demselben Plan gebaut wie die Häuser von Skara Brae", sagt Ulrike Sommer. "Nur viel größer – als Häuser der Toten." Was von außen wirkt wie ein grüner Hügel, birgt eine raffinierte Konstruktion aus tonnenschweren geschichteten Steinplatten. Ein elf Meter langer Tunnel, präzise auf den Tag der Wintersonnenwende ausgerichtet, führt in die Hauptkammer mit ihren drei Nebenkammern. Strebepfeiler halten die Gewölbedecke. Die Gräber selbst jedoch sind leer. Wurden sie geplündert?

Darauf deuten verräterische Spuren: Runen. Eingeritzte Schriftzeichen der Wikinger! Die seefahrenden Nordmänner landeten gegen 800 n. Chr. auf den Inseln und prägten Orkney für rund sechs Jahrhunderte. Sie hinterließen die größte Runensammlung Nordeuropas. In Maes Howe finden sich Wikingergraffiti wie "Ingigerth ist die schönste aller Frauen" oder "Tryggr ritzte diese Runen". Was Graffiti betrifft, hat sich seit der Zeit der Wikinger offenbar nur wenig verändert.

Der Ring of Brodgar

Der Ring of Brodgar umfasst rund 8400 Quadratmeter. / Foto: © picture alliance/Mary Evans Picture Library

Spektakulärer dürfte da die Schatzsage sein. Ausführlich berichten Inschriften von einem Mann namens Hakon, der die Kostbarkeiten von Maes Howe fand, in dreitägiger Mühe aus dem Grab barg und in der Nähe versteckte. Viele haben schon danach gesucht. Bislang vergeblich. Ungeklärt bleibt außerdem, woraus dieser sagenhafte Schatz bestanden haben könnte und ob es ihn überhaupt jemals gab. Einige Forscher vermuten, dass ein Führer der Nordmänner im Steinzeithügel bestattet wurde – zusammen mit wertvollen Grabbeigaben.

Rätselhafte Steinriesen

Nicht einmal die magischen Steinkreise von Orkney blieben von Urzeitgraffiti verschont. Der Ring of Brodgar, so alt wie Ägyptens Pyramiden von Gizeh, diente einst als Versammlungsplatz. "Björn war hier", schrieb ein Wikinger mit seiner Axt in einen der tonnenschweren Blöcke. 60 Steine waren es früher, 27 stehen heute noch. Mit einem Durchmesser von 103,6 Metern ist der Kultplatz sogar größer als der legendäre Steinkreis von Stonehenge. Bis zu 4,7 Meter hoch ragen die Riesen in den Himmel.

Womit schon das nächste Rätsel auftaucht: Wie schafften es die Menschen vor über vier Jahrtausenden, die Blöcke zu transportieren, aufzurichten und für die Ewigkeit im Boden Orkneys zu verankern? Sie hatten dafür weder Bäume noch Materialien, aus denen sie Seile herstellen konnten. Und wozu diente der Ring of Brodgar? Welche Rituale wurden hier vollzogen? Die Suche nach Antworten geht weiter.


Sendehinweis: ''Rätsel der Steinzeit''

Dokumentation über geheimnisvolle Spuren auf den Orkney-Inseln
SO, 8.12., 3sat, 18.00 Uhr

Autor: Kai Riedemann