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TV-Doku Im Visier der Hacker

Tödlich vernetzt? Ein mysterioser Autounfall in Los Angeles, womöglich von einem
Hacker verursacht. Foto: © NDR/Loudlabs News

Terror aus dem Netz

TV-Doku "Im Visier der Hacker"

Spionage, Sabotage, Mord: Die Angriffe krimineller Hacker werden immer bedrohlicher. Die exzellent recherchierte TV-Doku "Im Visier der Hacker" klärt auf.

Eine Straße in Los Angeles im Juni 2013: Mitten in der Nacht rast ein Auto mit Höchstgeschwindigkeit am Hancock Park vorbei. Plötzlich bricht es aus, kracht gegen einen Baum, geht in Flammen auf. In dem Wrack stirbt der US-Journalist Michael Hastings. Sein Tod gibt Rätsel auf, schnell wird der Verdacht laut, er sei Opfer von Hackern, die die Elektronik des Wagens manipulierten. Denn Hastings, dessen letzte große Geschichte einen Elitegeneral die Karriere kostete, plante neue Enthüllungen. Und er fühlte sich vom FBI verfolgt.

Für seine TV-Doku "Im Visier der Hacker" recherchierte ARD-Reporter Klaus Scherer im Fall Hastings. Er fragte etwa bei Technikspezialisten nach: Lassen sich Autos wirklich hacken? Und wie ist das mit Flugzeugen oder Schiffen?


TV-Tipp

Mo., 14.07.: "Im Visier der Hacker - Wie gefährlich wird das Netzt?", Report von Klaus Scherer, Rudolph Herzog; Das Erste, 22.35 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Scherer verriet HÖRZU: "Mich beeindruckte, was uns Richard Clarke im Exklusivinterview sagte. Der langjährige US-Sicherheitskoordinator im Weißen Haus, einer der führenden Geheimdienst- und Cyberexperten, meint, der Unfall sei sehr ungewöhnlich gewesen: jene Art Unfall, die man durch Hackerangriffe auslösen kann. Dass die Ermittler keine Hinweise auf Fremdeinwirkung fanden, kommentierte Clarke geradezu zynisch: 'Aus der Sicht von Kriminellen und Geheimdiensten ist es gerade das Schöne an Autohacks. Es gibt später keine Beweise.'" Auf die Frage, wer solche Angriffe denn ausführen könne, erhielt Scherer eine verblüffende Antwort: "Clarke verriet uns, dass die fähigsten staatlichen Geheimdienste so was können, etwa Spezialisten des Militärs."

Kein Computersystem auf der Welt bietet 100 Prozent Sicherheit. Das haben Größen der Hackerszene wie Christopher Doyon und Kevin Mitnik bereits bewiesen. Heute nutzen Hacker immer öfter Rechner normaler Bürger für ihre Zwecke. Beispiel: Kürzlich erhielten Millionen Facebook-Nutzer dieselbe scheinbar private Nachricht. Absender: ein ihnen tatsächlich bekannter Freund. Inhalt: "Moin! Kaum zu glauben, was für schöne Fotos von dir auf deinem Profil." Die Neugier besiegte jeden Argwohn: Hunderttausende aktivierten sofort den angehängten Link.

Schadprogramme

Durch das Aufrufen der Verbindung wurden PCs, Laptops, Tablets und Smartphones mit einem Schadprogramm infiziert, einem Superwurm. Dieser verbindet die infizierten Geräte zu einem unsichtbaren Supernetz, einem Botnet. "Bot" steht dabei für Roboter, denn die Hacker können das Netz ohne Wissen der Computerbesitzer steuern. So verfügen sie über eine Waffe, mit der sie die Websites großer Institutionen lahmlegen können, etwa der städtischen Verkehrsbetriebe, der Deutschen Bahn oder gar des Weißen Hauses.

"Ein privater PC hat derzeit eine Infektionswahrscheinlichkeit von circa 1:100 innerhalb eines Jahres", erklärt IT-Fachmann Martin Seeger von der Firma NetUse, der Kunden in Sicherheitsfragen berät. Wer Millionen Rechner wie Drohnen für sich arbeiten lässt, kann ihnen befehlen, gleichzeitig die Homepage einer Regierung, Klinik oder Fluggesellschaft aufzurufen – die dann unter dem Ansturm kollabiert. In diesem Chaos können Angriffe auf andere Systeme erfolgen. Der Attacke von Millionen PCs, sogenannten DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service), hält kaum eine Website stand. Im Netz werden komplette Botnets vermietet, die stärksten verknüpfen bis zu 4,5 Millionen Rechner und sind laut Experten quasi unzerstörbar.

Längst hat auch die Politik die Möglichkeiten des Hackens entdeckt: US-Experten verschafften sich 2012 Zugang zu Internetseiten der Terrorgruppe al-Qaida und "korrigierten" dort Propaganda. US-Präsident Barack Obama soll viel durch den Angriff auf seinen Twitter-Account gelernt haben – und zwar mithilfe von Hackern. Die Vereinigten Staaten stehen ebenso wie Israel unter Verdacht, das Atomprogramm des Iran manipuliert zu haben – durch einen Wurm namens Stuxnet. Cybersabotage auf allerhöchster Ebene.

Autor: Mike Powelz