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Starfighter der Film

Peter Klöppel berichtet exklusiv

Todesfalle Starfighter

Der Starfighter war Millionen teuer - und kostete über 100 Piloten das Leben. Der Film "Starfighter: Sie wollten den Himmel erobern" und die Doku "Mein Mann war Nummer 57" rollen den Skandal der 60er auf. Hier berichtet RTL-Journalist Peter Kloeppel exklusiv vorab.

Trailer "Starfighter: Sie wollten den Himmel erobern"

Der Starfighter war in den 60er-Jahren das Nonplusultra der Düsenflugzeuge. Ein Kampfjet mit zweifacher Schallgeschwindigkeit und extremen Steigmöglichkeiten - ein Abfangjäger, wie ihn sich Deutschland immer gewünscht hatte.

Wer sich bei der Bundeswehr für den Fliegerischen Dienst verpflichtete, wollte unbedingt in diesem Ding sitzen. Und wer alle Tests bestanden, das harte Training absolviert und es tatsächlich geschafft hatte, in einem Geschwader aufgenommen zu sein, der hat an dieses Flugzeug vom Typ F-104 geglaubt und ließ sich auch dann nicht davon abbringen, wenn Kollegen abstürzten.

Das war zwar tragisch, aber so gut wie alle Piloten waren überzeugt: Mir passiert so etwas nicht. Die Männer sind weitergeflogen. So habe ich es auch erlebt, als ich Ende der 70er-Jahre meinen Wehrdienst im Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" in Nörvenich absolvierte - dort, wo auch Starfighter abgehoben sind.

116 Kampfpiloten sterben

Zu der Zeit nahm ich auch bei einer Trauerfeier am Fliegerhorst Abschied von einem verunglückten Piloten. Zwischen 1962 und 1984 verloren 116 von ihnen das Leben. Fast ein Drittel der 916 Maschinen, die der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß Ende der 1950er-Jahre für die noch junge Bundeswehr bestellt hatte, stürzte ab.

RTL hat nun diese tragische Episode der deutschen Nachkriegszeit verfilmt ("Starfighter: Sie wollten den Himmel erobern", Do., 12.11., RTL, 20.15 Uhr). In der anschließenden Doku "Mein Mann war Nummer 57" (Do., 12.11., RTL, 22.45 Uhr ) spreche ich mit Piloten und Angehörigen der Todesopfer. Die Bundeswehr unterstützte uns kaum bei der Suche nach Witwen und Verwandten der Starfighter-Piloten, aber wir konnten sie ausfindig machen.

Zum Beispiel Barbara von Stürmer, deren Schwager 1962 verunglückte. Wolfgang von Stürmer war einer der vier Piloten, die bei den ersten Einsätzen des Starfighters starben: Eine Viererstaffel sollte im Rahmen der Indienststellung des Kampfjets auf dem Fliegerhorst Nörvenich Kunstflugformationen fliegen, doch bei der Generalprobe geriet eine Maschine wahrscheinlich wegen schlechter Sicht in einer Wolke außer Kontrolle und riss die anderen mit - alle Piloten starben. Barbara von Stürmer macht den damaligen Verantwortlichen bei Militär und Politik bis heute den Vorwurf, weitere Flüge nicht gestoppt und so Tests am lebenden Subjekt durchgeführt zu haben.

Unfallserie ohne Ende

Ziel der Bundeswehr war es damals, vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs einen wichtigen militärischen Beitrag zu leisten und Nato-Verpflichtungen wahrzunehmen. Dafür nahm man, das ist das Tragische, auch in Kauf, dass Maschinen abstürzten und Menschen ihr Leben verloren.

1966 schmetterte der damalige Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel jede Kritik gegen den Starfighter ab. Ausgerechnet er musste vier Jahre später den eigenen Sohn zu Grabe tragen: Am 10. März 1970 stürzt Oberleutnant Joachim von Hassel mit 28 Jahren bei Flensburg in den Tod. Er war die Nummer 57, nach der wir unsere Dokumentation benannt haben.

Von Hassels Witwe erzählte mir, wie sie aus dem Radio vom Tod ihres Mannes erfuhr. Konkrete Informationen über die näheren Umstände erhielt sie kaum, jahrzehntelang blieb die Unfallakte verschlossen.

Plötzlicher Schubverlust, Triebwerksausfälle, ein Schleudersitz, der sich als tödliche Falle entpuppte: Die Unfallserie schien kein Ende zu nehmen. Oft erhielten die Witwen der Piloten die dürftige Mitteilung, ein Pilotenfehler sei die Absturzursache gewesen und nicht etwa ein technischer Mangel. Militär und Politik wollten möglichst wenig Fehler eingestehen.

Auch nach Meinung von Gerlinde Lantzberg, einer weiteren Witwe, mit der wir sprachen, hat die Luftwaffe alles getan, um die Absturzursachen zu verschleiern. Sie wollte genau wissen, was mit ihrem Mann geschehen war. Eine Journalistin gab ihr damals den Hinweis, in den USA gerichtlich gegen den Starfighter-Hersteller Lockheed vorzugehen.

Die Bundeswehr schweigt

Der erfolgreiche Anwalt Melvin Belli, der auch Hollywood-Stars vertrat, riet zu einer Sammelklage mehrerer Witwen, die mit einigen Anstrengungen auch zustande kam. Sogar Elke von Hassel schloss sich der Klage an. Doch anstelle eines Urteils kam es zu einem außergerichtlichen Vergleich: Die klagenden Witwen erhielten zusammen eine Entschädigungssumme von drei Millionen Mark - halb so viel, wie einer der Starfighter gekostet hatte.

Für die Hinterbliebenen ging es aber viel mehr um eine Klärung der Fälle und der Schuldfrage als um das Geld. 1991 hob der letzte Starfighter von deutschem Boden ab. Bis heute hat es kein Schuldeingeständnis für die Todesserie gegeben.

Autor: Peter Kloeppel