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Thomas Roth vor dem Hintergrund der Brooklyn Bridge über den East River

Thomas Roth vor dem Hintergrund der Brooklyn Bridge über den East River / Foto: © WDR/Bernd Obermann

Der Journalist im Interview

Thomas Roth wird ''Tagesthemen''-Moderator

Die weißen Haare und der Schnauzbart sind sein Markenzeichen: Optisch passt Thomas Roth perfekt in die Riege der seriösen Herren von Hanns Joachim Friedrichs bis Tom Buhrow, die abends im Ersten die Welt erklärten. Was den 61-Jährigen auszeichnet, ist eine weltläufige Reporterkarriere. Roth war Studioleiter in Berlin, berichtete aus Moskau und Johannesburg. Nach fünf Jahren New York packt er nun die Koffer.

HÖRZU: Herr Roth, freuen Sie sich über Ihre Berufung, oder bedauern Sie insgeheim den Abschied vom Reporterleben?

Thomas Roth: Der neue Job wird mich zu 100 Prozent fordern, und diese 100 Prozent will ich geben – wenn ich kann, noch etwas mehr. Deshalb empfinde ich keinerlei Bedauern. Ich habe so viele Reportagen machen dürfen, das bringe ich als Erfahrung mit ein.

HÖRZU: Früher waren die Nachrichten ein Fixpunkt des Tages, heute wechseln viele Nutzer ins Internet. Wie kann man die Zuschauer an die ''Tagesthemen'' binden?

Thomas Roth: Ich werde dem Team aus der Ferne keine Ratschläge geben. Aber natürlich werden wir die Sendung gemeinsam da oder dort weiterentwickeln. Auf diesen Prozess freue ich mich.

HÖRZU: Was haben die Fernsehnachrichten dem Internet überhaupt noch voraus?

Thomas Roth: Wir versuchen, nach hohen journalistischen Maßstäben den Tag zu ordnen und wichtige Entwicklungen zu beschreiben. Das Netz ist dagegen riesig und chaotisch. Welche Quelle stimmt, welche nicht – der Laie ist damit überfordert. ''Tagesschau'' und ''Tagesthemen'' liefern nach wie vor eine fundierte Orientierung.

HÖRZU: Was macht das Fernsehen in den Vereinigten Staaten besser?

Thomas Roth: Wenn es irgendwo Krisen gibt, sind alle großen Sender mit einer enormen Präsenz vor Ort. Diese Dynamik ist schon beeindruckend. Andererseits: Wir berichte beständiger, gucken kontinuierlicher über den Tellerrand.

HÖRZU: Was läuft in den US-News schlechter?

Thomas Roth: In den USA gibt es zunehmend ein Richtungsfernsehen – ein Sender bedient das rechte, ein anderer das linke Spektrum. Auch die Werbeunterbrechungen sind lästig.

HÖRZU: Sie haben einige historische Momente miterlebt. Ihre größte Story?

Thomas Roth: Ich stand vor dem Gefängnis, als Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft entlassen wurde, und erlebte seine erste Rede. Ein Satz daraus wird mir unvergesslich sein: "Ich bin ein bescheidener Diener von euch, dem Volk." Beeindruckend fand ich auch Boris Jelzin. Als in Moskau geputscht wurde, stand ich fünf Meter von ihm entfernt, als er auf den Panzer stieg und das Volk zum Widerstand gegen das Militär aufrief. Eine große Stärke, unter Bedrohung durch Maschinengewehre diesen Aufruf zu machen.

HÖRZU: Ihr gefährlichster Einsatz?

Thomas Roth: Das war im Tschetschenienkrieg, aber auch in Afghanistan. Aus Tadschikistan kommend folgte ich mit meinem Kamerateam der zurückweichenden Nordfront der Taliban. Da wusste man nie, ob versprengte Taliban noch die eine oder andere Stellung halten.

HÖRZU: Sie starten hier mitten in der heißen Wahlkampfphase. Gibt es einen Trick, um Politikerfloskeln aufzubrechen?

Thomas Roth: Gute Vorbereitung, große Wachsamkeit – und dann muss man aufpassen, dass man die Schwachstelle erkennt.

HÖRZU: Bringen Sie ein Souvenir aus New York mit nach Hamburg?

Thomas Roth: Mit Sicherheit eine kleine Freiheitsstatue!

Autor: Angela Meyer-Barg