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 Die Welt der Ritter - Foto © ZDF und Jiri Skupien

Eine TV-Doku lässt die Helden des Mittelalters auferstehen. HÖRZU
erlebte die Dreharbeiten. - Foto © ZDF und Jiri Skupien

TV-Doku

Terra X - Die Welt der Ritter

Krachend zersplittert beim Turnier das Lanzenholz, einer der beiden Recken stürzt spektakulär in den Staub, das von Kaiser Maximilian geladene Publikum jubelt begeistert über das große Spektakel. Für den Beobachter am Set sah die Actionszene grandios aus. Doch hat die Kamera sie wirklich eingefangen?

Die "Terra X"-Crew hat damit ihre liebe Not: Auf einem ehemaligen sowjetischen Militärgelände in der Nähe von Prag treffen die Stunt-Pferde selten dort aufeinander, wo der Kameramann sie gern hätte. Stunt-Profi Michal Bednar, der an diesem Drehtag öfter mal aus dem Sattel gehoben wird, schwitzt unter seiner Filmrüstung aus Aluminium, gibt sich aber lässig: "Herunterfallen ist ganz einfach", lacht er – für den Ritter, den er heute spielt, endet das Turnier jedoch tödlich.

Die neue Doku-Reihe "Terra X – Die Welt der Ritter" (ab 27.4., 19.30 Uhr, ZDF ) zeigt, wie Kaiser Maximilian I. (1459–1519) den Aufwand bei Ritterturnieren auf die Spitze trieb. Und obwohl zu seiner Zeit die tödlichen Lanzenspitzen, die durch Panzer stachen, durch stumpfe Krönchen ersetzt wurden und zudem Sollbruchstellen hinzugefügt wurden, damit Lanzen zerbarsten und nicht mit voller Wucht trafen, rammte Maximilian so manchen Gegner zu Tode.

Geschick und Koordination

Geschick und Koordination wurden den Helden des Mittelalters abverlangt, um auf dem Rücken eines galoppierenden Pferdes Schild und Lanze zu halten und auf den Gegner auszurichten. Das brauchte Übung: Bereits 14-jährige Knappen übten das Stechen an einer hölzernen Ritterattrappe, die mit Schild und Keule versehen war. Schaffte der Junge es nicht, sie umzustoßen, drehte sich die Attrappe, und ihre Keule traf ihn mit voller Wucht. Auch erwachsene Ritter mussten, selbst wenn sie nicht starben, einiges aushalten. "Knochenbrüche und Knieverletzungen kamen beim Turnier relativ häufig vor", sagt Historiker Jan Keupp, Professor an der Universität Münster und Koautor des Buches "Die Ritter", zu HÖRZU. "Die Knie waren besonders exponiert, wenn die Duellanten aneinander vorbeiritten."

Richtig gewalttätig ging es bei einer früheren Form des Spektakels zu, den Massenturnieren des 11. und 12. Jahrhunderts. Hier traten mehrere Hundert bewaffnete Krieger wie in einer Schlacht gegeneinander an. Ihr Körperschutz, der bis zum 12. Jahrhundert aus Kettenhemd, einigen Eisenplatten und einem Topfhelm bestand, verhinderte nur die schlimmsten Verletzungen. Ziel des Spiels war es, den Gegner gefangen zu nehmen. Dazu schlug man so lange auf dessen Schädel ein, bis er die Besinnung verlor – Gehirnerschütterungen gehörten zu den typischen Ritterverletzungen. "Ein Chronist beschreibt das ganz gut: Wenn man unter seinem Helm eingehüllt sei im eigenen Schweiß und Blut, dann sei dies das hohe Bad der Ehre", sagt Keupp.

Können beweisen

Die meisten Ritter bewiesen ihr Können übrigens weit öfter auf dem Turnierplatz als auf dem Schlachtfeld: "Ein Ritter ritt sicherlich zehnmal häufiger ins Turnier als in die Schlacht", sagt Jan Keupp, der diesen Vergleich anhand überlieferter Biografien berechnete. Wer sich im Turnier ruhmreich schlug, dem öffneten sich Türen: Könige und Fürsten verschafften sich dort einen Überblick über die Leistungen ihrer Ritter – und Edelfrauen warfen ein Auge auf sie. Wäre es nach Kaiser Maximilian gegangen, hätte es nur noch ritterliche Duelle gegeben: So forderte er, statt einen Krieg zu führen, etwa Frankreichs König zum Zweikampf heraus. Schade, dass diese brillante Idee sich nicht dauerhaft durchsetzte.

Autor: Dirk Oetjen