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Allein ihr Name garantiert einem Film Erfolg: die gefragtesten Stars

Jan Josef Liefers hat einen Quotendurchschnitt von 6,72 Milionen Zuschauern - Foto © picture alliance / dpa

Große HÖRZU-Analyse

Stars, die Quote machen

Allein ihr Name garantiert einem Film Erfolg: die gefragtesten Stars und das Geheimnis ihrer Karriere. Große HÖRZU-Analyse.

"Willkommen auf dem Land". Nein, das ist kein Gruß, sondern der Titel eines Films. Ebenso nett wie nichtssagend. Würden Sie einschalten? Wahrscheinlich nicht. Umso erstaunlicher, dass die ZDF-Komödie zu den erfolgreichsten TV-Filmen des Jahres 2013 zählte: 4,51 Millionen Zuschauer sahen sie. Wahrscheinlich wegen ihres Stars: Senta Berger.

Ein Jahr zuvor – ein ähnliches Phänomen: "Obendrüber, da schneit es" – so heißt ganz unscheinbar ein Werk, das 2012 unter den Top 20 landete. Und das, obwohl es die Kritiker in zwei Lager spaltet. Laut HÖRZU handelte es sich um ein "modernes Weihnachtsmärchen mit tollem Ensemble". Andere hingegen urteilten scharf: eine ebenso "platte wie rührselig-sentimentale Weihnachtsgeschichte". Wie auch immer: Dass der 90-Minüter mit 6,94 Millionen zum Erfolg wurde, lag wohl an der prominenten Besetzung mit Wotan Wilke Möhring und Diana Amft.

Entscheiden sich tatsächlich Millionen von Menschen nur deshalb für einen Fernsehfilm, weil beliebte Darsteller mitspielen? Und falls ja: Wer zählt zu den derzeit stärksten Quotengaranten? HÖRZU wollte es genau wissen und beauftragte das Marktforschungsunternehmen Media Control damit, die erfolgreichsten TV-Filme der Jahre 2011, 2012 und 2013 zu recherchieren. Bedingung: Sie durften zu keiner Reihe, etwa "Tatort" oder ZDF-Herzkino gehören.

So entstand ein Pool von Spitzenproduktionen, in dem etwa für 2013 die Hotelsaga "Das Adlon" (8,8 Millionen Zuschauer), das Kriegsdrama "Unsere Mütter, unsere Väter" (7,7 Mio.) und der Christine-Neubauer- Film "Die Holzbaronin" (7,4 Mio.) die Top 3 bildeten. Für 2012: das historische Drama "Die Rache der Wanderhure" (8,07 Mio.), der ARD-Zweiteiler "Der Turm" (7,59 Mio.) und die Komödie "Wir haben gar kein Auto" (7,52 Mio.).
Ganz vorn im Jahr 2011: "Schicksalsjahre" (8,48 Mio.), "Hindenburg" (7,98 Mio.) und "Familiengeheimnisse" (7,32 Mio.).


Filme für Millionen

Anschließend analysierte HÖRZU, welche Stars den jeweiligen Produktionen zum Erfolg verholfen hatte. Um die Anziehungskraft der einzelnen Darsteller aussagekräftig einzuordnen, errechnete HÖRZU den Quotendurchschnitt aus allen Erfolgsfilmen der jeweiligen Schauspieler.

Ein Beispiel: Wotan Wilke Möhring erreichte etwa mit "Das Adlon" (8,80 Mio.), "Obendrüber, da schneit es" (6,94 Mio.), "Hindenburg" (7,98 Mio.) und "Der letzte schöne Tag" (5,75 Mio.) insgesamt 29,44 Millionen Zuschauer – im Schnitt 7,36 Millionen. Ein Ergebnis, das ihn auf Platz eins der Hitliste aktueller TV-Lieblinge katapultiert.

Den Spitzenplatz unter den Schauspielerinnen belegt Christine Neubauer. Wie rasch sich eine solche Platzierung im schnelllebigen TV-Geschäft ändern kann, zeigt das Beispiel von Jan Josef Liefers: Würde man sich streng an den definierten Zeitraum 2011 bis 2013 halten, landete er auf einem hinteren Platz. Würde man jedoch den erst im Januar 2014 ausgestrahlten ZDF-Krimi "Die letzte Instanz" einrechnen, der eine Spitzenquote von 7,68 Millionen erreichte, schösse Liefers ein paar Plätze höher.

Im erlesenen Club der "Goldenen Zehn" befinden sich zudem Heino Ferch, Veronica Ferres, Alexandra Neldel, Iris Berben, Christine Neubauer und Götz George. Dass große Namen wie etwa jener von Maria Furtwängler oder Shootingstar Tom Schilling fehlen, hat einen einfachen Grund: Beide waren in den vergangenen drei Jahren weniger präsent am Bildschirm. Maria Furtwängler, die 2011 im ZDF-Zweiteiler "Schicksalsjahre" noch 8,48 Millionen begeisterte, legte in den Jahren 2012 und 2013 beispielsweise eine Drehpause ein, um sich auf eine neue, große Rolle vorzubereiten.

Fernsehproduzent Nico Hofmann, ein ausgewiesener Branchenkenner, bestätigt, dass die HÖRZU-Analyse die aktuellen Machtverhältnisse sehr gut abbildet: "Das Ranking ist realistisch. Auch wenn es natürlich immer nur eine momentane Bestandsaufnahme sein kann." Hofmann, der für Eventproduktionen wie "Die Sturmflut" (RTL) und "Dresden" (ZDF) verantwortlich war und stets auf der Suche nach zugkräftigen Namen und jungen Talenten ist, nennt zudem zwei Aspekte, die einen Darsteller im TV ganz groß machen können: zum einen die Präsenz in Großproduktionen, zum anderen ein Stammplatz in einer beliebten TV-Reihe. Er erläutert das am Beispiel von Jan Josef Liefers: "Dieser Star, der Millionen von Zuschauern anzieht, spielte in den letzten Jahren in Großproduktionen wie ‚Der Turm‘ oder ‚Nacht über Berlin‘, beide in der ARD, oder in den ZDF-Krimis ‚Das Kindermädchen‘ und ‚Die letzte Instanz‘ – alles große Publikumserfolge. Aber natürlich profitiert Liefers auch von seinem ‚Tatort‘-Image, das einen starken Abstrahlungseffekt hat!"


Das Stärken der Sieger

Besonders erfreulich findet Nico Hofmann den Spitzenplatz für Wotan Wilke Möhring: "Denn bei seiner Rollenauswahl hat er nicht nach hohen Quoten geschielt, sondern eine Entscheidung für das Programm und die Qualität getroffen." Auch Möhring selbst ist begeistert, dass er trotz teilweise kantiger, markanter Parts zum zugkräftigsten Star gekürt wurde: "Ich freue mich vor allem darüber, dass mein erster Platz durch so unterschiedliche Projekte zustande gekommen ist: durch eine historische Hotelsaga übers "Adlon", einen Weihnachtsfilm, ein Geschichts- und ein Suiziddrama. Dass die Zuschauer so verschiedene Genres annehmen und honorieren, macht Mut und gibt Zuversicht für die Zukunft.“

Für die Stars ist die Rechnung ganz einfach: Je mehr Marktanteil ihr TV-Film erreicht, desto mehr Macht wächst ihnen zu. Und desto mehr Geld können sie fordern. So bekommt das "Star-System" für die Sender auch Schattenseiten. Nicht jeder kann sich eine Produktion mit den größten Publikumslieblingen leisten. Produzent Hofmann schränkt ein: "Die Gagenunterschiede zwischen den erwähnten Darstellern sind gravierend." Die Tagessätze reichen etwa von 6000 Euro für eine "Vielspielerin" wie Christine Neubauer bis zu geschätzten 12.000 Euro für Iris Berben.


Große Stars, höhere Kosten

Produzent Nico Hofmann kennt auch einen weiteren Pferdefuß des Systems: "Große Stars machen auch am meisten Kopfzerbrechen hinter den Kulissen, denn sie brauchen eine ganz eigene Infrastruktur während der Produktion. All das muss zur reinen Gage addiert werden." Es können Flüge für den Ehepartner anfallen oder andere Sonderwünsche geäußert werden – Kosten, die einen Produzenten an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben.
Nico Hofmann weiß: "Fernsehsender schneiden ihre Filme tendenziell nicht mehr auf einen Star zu. Das findet höchstens noch alle drei bis vier Jahre statt. Der einzige Film, den ich momentan um eine Person aufbaue, ist ‚Leni Riefenstahl‘ mit Maria Furtwängler. Ansonsten mache ich das überhaupt nicht mehr. Der Stoffvorschlag kam hier übrigens von ihr selbst."


Veronica Ferres

Veronica Ferres gehört zu den "Goldenenen Zehn" der Publikumslieblinge - Foto © picture alliance / BREUEL-BILD


Damit benennt Hofmann ein drittes Phänomen der neuen TV-Landschaft: Erfolgreiche Stars versuchen, ihren Ruhm zu steigern und ihr Profil zu schärfen, indem sie sich Stoffe und Rollen auf den Leib schneidern lassen. Sie kaufen etwa die Rechte an einem Bestseller, suchen die Kooperation mit einem gut vernetzten Filmproduzenten und spielen selbst die Hauptrolle. Hofmann: "Auch Veronica Ferres hat mit uns gemeinsam in den letzten Jahren erfolgreich Projekte koproduziert, die sie selbst angeboten hatte – dazu gehörten etwa ‚Kein Himmel über Afrika‘, ‚Das Geheimnis der Wale‘ und der ‚Hafen der Düfte‘."

Der Trick, allein auf einen Darsteller zu bauen und weniger auf das Thema, den Titel und das Drehbuch eines Films, kann sich allerdings auch abnutzen – wenn man ihn allzu sehr strapaziert. Bestes Beispiel ist die omnipräsente Christine Neubauer. Allein 2009 sah man die Schauspielerin in unzähligen TV-Produktionen. Lange Zeit war sie allgegenwärtig, galt als Deutschlands erfolgreichster Star. Mal spielte sie die "Minensucherin", die in der Wüste Angolas die Relikte des Bürgerkriegs beseitigen sollte, mal eine Nonne als "Gottes mächtige Dienerin".

Bei diesem Zweiteiler, so räumte die ARD 2011 ein, hatte man ganz auf die Popularität der Schauspielerin gesetzt: "Solche Filme haben eine größere Erfolgschance", hieß es damals. Tatsächlich erreichte die Produktion 5,02 Millionen Zuschauer. Was auf der Strecke blieb, war das Profil der Schauspielerin, die zu jener Zeit alles "wegspielte", was ihr angeboten wurde. Und die Glaubwürdigkeit der Stoffe.

Prägnant zu bleiben, einen eigenen Stil zu entwickeln, sich selbst treu zu sein – auch das gehört für Branchenkenner Nico Hofmann zu den Karrieregeheimnissen der ganz Großen: "Dass Stars wie Iris Berben und Wotan Wilke Möhring hohe Quoten erzielen, hat mit Glaubwürdigkeit, Seriosität und Vielfalt zu tun und mit dem Mut zu unterschiedlichsten Rollen."

Für all diese Eigenschaften stehen fast alle der zehn Namen, die es ins Ranking von HÖRZU geschafft haben. Gilt für sie tatsächlich die einfache Formel "Top-Star gleich Top-Quote"? Wer so weise und so lange im Geschäft ist wie Iris Berben, muss da ein wenig relativieren: "Natürlich stehen gewisse Schauspieler für Qualität, für Popularität und für hohe Zuschauerzahlen. Trotzdem scheitern auch ihre Filme gelegentlich. Erfolg kann niemand garantieren – auch ich nicht."


Überblick Publikumslieblinge:

Wotan Wilke Möhring

QUOTENDURCHSCHNITT:
7,36 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG*:
5000 – 8000 Euro


Senta Berger

QUOTENDURCHSCHNITT:
5,6 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
8000 – 12.000 Euro


Jan Josef Liefers

QUOTENDURCHSCHNITT:
6,72 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
8000 – 12.000 Euro


Alexandra Neldel

QUOTENDURCHSCHNITT:
6,02 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
6000 – 8000 Euro


Christiane Hörbiger

QUOTENDURCHSCHNITT:
6,41 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
6000 – 8000 Euro


Christine Neubauer

QUOTENDURCHSCHNITT:
6,91 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
6000 – 8000 Euro


Iris Berben

QUOTENDURCHSCHNITT:
5,8 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
8000 – 12.000 Euro


Heino Ferch

QUOTENDURCHSCHNITT:
6,74 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
6000 – 8000 Euro


Veronica Ferres

QUOTENDURCHSCHNITT:
6,55 Millionen Zuschauer
GAGE PRO DREHTAG:
8000 – 12.000 Euro


Autor: Mike Powelz