HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
"Die Astro-Show" (1981 – 1983) mit Elizabeth Teissier.

"Die Astro-Show" (1981 – 1983): Elizabeth Teissier, Co-Moderator Hans Peter Heinzl mit Stargast Curd Jürgens (Sternzeichen Schütze). - Foto © picture-alliance

Porträt

Starastrologin Elizabeth Teissier

HÖRZU-Chefreporterin Angela Meyer-Barg zu Besuch bei Starastrologin Elizabeth Teissier, die den weltweiten Siegeszug der Astrologie vorantreibt.

Es gibt Menschen, denen ist Aufmerksamkeit gewiss, wo immer sie erscheinen. So ein Mensch ist Elizabeth Teissier, die Sterndeuterin vom Genfer See. Pünktlich auf die Minute setzt sie ihre langen Beine auf den Kiesweg des Restaurants "Perle du Lac", elegant im engen Kostüm und auf hohen Louboutins kommt sie daher, schließlich ist sie Französin mit schweizerischem Aszendenten.

Das Gespräch gerät schnell zu einem charmanten Pingpong mit ihrem österreichischen Ehemann Gerhard Hynek (Sternzeichen Schütze), der gelegentlich aus Übersetzungsgründen zurate gezogen wird. "Ça s’appelle comment?", fragt sie dann, was eher kokett ist, denn neben der Landessprache Französisch spricht sie fließend Deutsch, Englisch sowieso.


Die Sterne der Kanzlerin

Angela Merkel wurde am 17.7.1954 um 17.44 Uhr in Hamburg geboren. Ihr Sternzeichen ist Krebs, Aszendent Schütze. Elizabeth Teissier: "Der Krebs ist vorsichtig, der Schütze hat ein Ideal und kann auch Risiken eingehen. Die beiden Komponenten ergänzen sich gut und machen sie zu einer pragmatischen, aber dennoch inspirierten Frau. Mich wundert, dass sie nicht Sozialistin ist." Teissiers Prognose: Von 2013 bis 2014 kann Merkel eine Brücke zur Opposition schlagen. 2016 greift das Duo Uranus/Pluto ihren Status an, sie wird eine neue Richtung einschlagen oder sich zurückziehen. Quelle: "Weltkrise und Neubeginn", erschienen 2011.


Das Schweizer Fernsehen dreht gerade ein Porträt, das neue astrologische Liebesbrevier (siehe Buchtipp rechts) liegt in den Regalen – Grund genug für einen Besuch bei jener Frau, die vor 30 Jahren im deutschen Fernsehen die "Astro-Show" moderierte und immer noch als Sternenkämpferin unterwegs ist. Wie die heilige Jeanne d’Arc (Sternzeichen Steinbock) fühle sie sich manchmal, seufzt Madame und verweist auf die glanzvolle Geschichte ihrer Wissenschaft.

Bis ins 17. Jahrhundert wurde Astrologie an der Sorbonne unterrichtet, bis 1815 gab es einen Lehrstuhl in Würzburg. Der Mathematiker Johannes Kepler interpretierte die Sterne, der große Nostradamus sagte anhand der Planetenkonstellationen die Zukunft voraus, nur sie werde bis heute angefeindet und müsse um Anerkennung ringen. Im Jahr 2001 wagte sie beherzt die Flucht nach vorn und veröffentlichte ihre Doktorarbeit in Soziologie über die widersprüchliche Rezeption der Astrologie. Worum es ihr dabei geht? Ganz einfach: Die meisten Menschen sind skeptisch, was den Einfluss der Sterne angeht, aber lesen heimlich Horoskope oder richten ihren Hauskauf nach den Sternen.

Elizabeth Teissier deutet die Sterne von König Juan Carlos von Spanien

Sie kennt dieses Missverhältnis aus der eigenen Familie. "Fahr heute nicht mit dem Rad", hat sie ihrer kleinen Tochter früher geraten, die Sterne stehen ungünstig. Aber wie Kinder so sind, radelte die kleine Marianne los und fiel prompt auf die Nase. So geht es vielen, es sei denn, sie lassen sich von ihr beraten. Wer heute zu ihren prominenten Klienten zählt? "Das sage ich nicht, das wäre indiskret."

Einige ihrer berühmten Kunden sind trotzdem bekannt geworden. König Juan Carlos von Spanien etwa, der sie viermal im Jahr telefonisch konsultiert. "Ein skeptischer Steinbock", lächelt Madame. Sie erinnert an den Februar 1981, als der Monarch von Mallorca aus mit ihr telefonierte. Plötzlich wurde das Gespräch von einer Eilmeldung unterbrochen. "Ich rufe zurück", versprach Juan Carlos, war dann allerdings beschäftigt – im Parlament wurde gerade vom Militär geputscht, genau wie Teissier es vorausgesagt hatte, und der König musste die Demokratie retten.

Eine Nachfrage sei gestattet: Juan Carlos geriet durch eine Großwildjagd in die Schlagzeilen, bei der er sich die Hüfte brach. Konnten Sie ihn nicht vor diesem Fauxpas bewahren, Frau Teissier? "Ich habe ihn vor Gesundheitsproblemen im Ausland gewarnt. Astrologie ist nicht Wahrsagerei. Ich mache eine pauschale Analyse und sende ihm die jedes Jahr zu." Voilà.

Die Kritiker sind nicht ganz so diskret. Gegen ihre Doktorarbeit liefen sogar Nobelpreisträger Sturm, allerdings ohne Erfolg. Dr. Elizabeth Teissier wurde promoviert und gönnt sich hier und heute den Triumph einer Auflistung stimmiger Voraussagen (nachzulesen in ihrem Buch "2012 – 2016: Weltkrise und Neubeginn", das 2011 erschien).

1. Der Sturz des Kommunismus "Geboren" am 9.11.1917 und nach 72 Jahren "Lebensdauer", nach zwei Neptun-Saturn-Zyklen, gescheitert – genau im November 1989, als in einer Vollmondnacht die Mauer fiel und der Eiserne Vorhang Risse bekam.

2. Der Golfkrieg Teissiers Vorhersage: Im Zusammenhang mit dem Vollmond vom 6.8.1990 kommt es zu einer großen Krise.

3. Der Giftgasangriff in Syrien Auf Seite 132 ihres Buches schreibt Teissier von einer destabilisierenden Phase um den 21.8.2013, die für einen militärischen Konflikt stehen kann. Ein Datum, das laut ihren Berechnungen in Resonanz steht mit der Kriegserklärung Deutschlands von 1939.

Ihre Erfolge sind mühsam erkämpft, aber vorzeigbar: "Ich bin die einzige Astrologin, deren Bücher ins Chinesische übersetzt wurden." Ein wahres Husarenstück, denn die Astrologie ist im kommunistischen Riesenreich eigentlich verboten. Aber ein chinesischer Verehrer im diplomatischen Dienst machte sich an die Übersetzung und ersetzte das verpönte Wort "Astrologie" durch Sternenkunde – schon fanden ihre Werke den Weg in die chinesischen Haushalte.

So grenzenlos wie der Himmel ist längst auch ihre internationale Strahlkraft. Demnächst wird sie nach Japan reisen und auf dem Weltkongress der Soziologen über die Umwälzungen der Welt referieren. Große Probleme sieht die Pythia vom Genfer See zwischen den Ethnien – die wiederkehrenden Flüchtlingsdramen vor der Mittelmeerinsel Lampedusa geben ihr jetzt schon recht.

Wir wandern am Ufer des Genfer Sees entlang, der Fotograf (Sternzeichen Wassermann) sucht nach Motiven. Elizabeth Teissier, einst Schauspielerin und Mannequin bei Coco Chanel, macht ihn auf Ausblicke aufmerksam und setzt die Beine so fotogen nebeneinander, wie man es aus dem Fernsehen erinnert. Sprechen wir über ihren Alltag. Längst hat Elizabeth Teissier eine Internetadresse (www.eteissier.com) und berät Ratsuchende von fern.

Sie lässt sich durch ein Computerprogramm unterstützen, aber die Auswertung der Konstellationen bleibt ihre ganz eigene Kunst. Es ist nicht immer leicht, die Anfragen zu beantworten, die oft mit Lebensgeschichten verbunden sind: "Manchmal komme ich mir vor wie eine Psychotherapeutin." Und das eigene Leben? Wo bleibt die Unbefangenheit, wenn Wohl und Wehe an den Gestirnen hängt? Da muss sie lachen. Stimmt: Jede Verabredung wird astrologisch bewertet und abgewogen. Einen Auftritt bei Alfred Biolek sagte sie einst ab, einen Besuch bei Sandra Maischberger ebenso. Die Sterne standen dagegen.

Madame ist Steinbock – das kommt noch erschwerend hinzu: "Man ist gewissenhaft und skrupulös. Die meisten Menschen schieben Schuld auf andere, der Steinbock nicht, der sucht die Schuld bei sich." Dann schiebt sie eine Mappe mit dem Horoskop der Reporterin (ebenfalls Steinbock) über den Tisch. Bis zum Jahresende Stabilität, dann drohende Überarbeitung mit Schwindelanfällen. Im März 2014 plötzliche Veränderungen, in Freundschaften kann es kriseln. "Liebe Angela, viel Glück", schreibt sie auf die Mappe – das lässt hoffen.

Freude an vier Enkelkindern

Das Leben der Sterndeuterin heute: Prognosen per Internet, Beratung von Prominenten, vor allem aber Familienleben mit den beiden Töchtern und vier Enkelkindern. "Ich habe 40 Bücher geschrieben und eine Doktorarbeit von 900 Seiten. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles geschafft habe. Jetzt will ich das Leben genießen." Nur die ewige Verwechslung mit einer Wahrsagerin muss sie noch einmal geraderücken. "Astrologie ist keine Weltanschauung und keine Religion, sondern eine Wissenschaft, die sich selbst genügt." Madame verdreht die onyxfarbenen Augen: "Gib mir eine Glaskugel, und ich sehe nichts."

Autor: Angela Meyer-Barg