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Sport-Moderatorin Monica Lierhaus spricht mit HÖRZU über ihr neues Leben.

Sport-Moderatorin Monica Lierhaus spricht mit HÖRZU über ihr neues Leben. / Fotos: © Quirin Leppert für HÖRZU

Über ihren persönlichen Kampf zurück ins Leben

Sport-Moderatorin Monica Lierhaus im Interview

Treffpunkt Bad Dürrheim, ein Kurort im Schwarzwald. Hier unterzieht sich Monica Lierhaus (40) einer Bewegungstherapie, einer von vielen auf ihrem langen Weg zurück. Am Arm ihres Lebensgefährten Rolf Hellgardt (42) kommt sie in die Hotellobby, sorgfältig geschminkt, in Erdtöne gekleidet, die ihrem Typ schmeicheln. Sie kennt den unbestechlichen Blick der Kamera, aus ihrem ersten Leben als erfolgreiche Sportreporterin hat sie nichts vergessen.

Der Weg zurück begann im Frühjahr 2009, nachdem bei einer Aneurysma-Operation Komplikationen aufgetreten waren, sie wochenlang im Koma gelegen hatte. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende, und jeder Schritt nach vorn zählt. Monica Lierhaus durchquert die Lobby, die plötzlich sehr weitläufig scheint, und sucht sich einen Stuhl. Es geht voran, das sieht man. Es soll vorangehen, das macht diese Frau mit ihrer ganzen Haltung deutlich.

Lebenspartner Rolf Hellgardt, ihr "Held", dem sie während der Verleihung der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU auf offener Bühne einen spontanen Heiratsantrag machte, greift nur in das Gespräch ein, wenn ihm Ergänzungen wichtig scheinen.

HÖRZU: Frau Lierhaus, wie geht es Ihnen heute?

Monica Lierhaus: Es könnte noch besser sein. Ich wünsche mir, dass ich besser laufen könnte und dass die Stimme besser wird. Das sind die Hauptpunkte.

HÖRZU: Wie wird Ihnen hier geholfen?

Monica Lierhaus: Der Therapieansatz geht davon aus, dass alle Bewegungsimpulse vom Gehirn aus gesteuert werden. Deshalb wird das Gehen im Liegen trainiert. Die Therapeuten dehnen mich ein bisschen, ich führe kleinste Bewegungen aus, ähnlich wie beim Feldenkrais.

HÖRZU: Machen Sie auch Gruppentherapien?

Monica Lierhaus: Nein, ich möchte nicht angestarrt werden, weil ich bekannt bin.

HÖRZU: Wie sieht ein ganz normaler Tagesablauf jetzt bei Ihnen aus?

Monica Lierhaus: Ich stehe früh auf, meistens zu früh. Ich hasse frühes Aufstehen. Gott sei Dank bin ich hier ein bisschen flexibler und mache nur nachmittags Therapien. Zu Hause in Hamburg bekomme ich Ergotherapie, Physio- und Sprachtherapie. Nur fünf Minuten von meinem Haus entfernt ist ein Rehazentrum. Da gehe ich täglich hin und trainiere.

HÖRZU: An welchen Geräten?

Monica Lierhaus: Zum Beispiel auf dem Laufband. Das geht erstaunlich gut. Sechs Kilo habe ich durch Sport schon wieder abgenommen. Ich esse doch so gern Süßigkeiten!

HÖRZU: Wie verbringen Sie die Abende?

Monica Lierhaus: Ganz ruhig. Wir essen eine Kleinigkeit, schauen fern. Manchmal lese ich auch ein Buch, derzeit "Wilde Schafsjagd" von Haruki Murakami. Und einmal in der Woche gehe ich Eis essen. Darauf bestehe ich!

HÖRZU: Erinnern Sie sich noch an das erste Wort, das Sie nach Ihrem Erwachen aus dem Koma gesprochen haben?

Monica Lierhaus: Wahrscheinlich war das "Lucy", der Name meines Hundes, oder?

Rolf Hellgardt: Beim Sprechen gab es anfangs eine große Hemmschwelle. Monica hatte noch einen Luftröhrenschnitt, konnte nur mithilfe eines zusätzlichen Aufsatzes Worte formulieren. Das Foto unserer Dalmatinerhündin hing an der Wand. Der Arzt hat dann zu einer kleinen List gegriffen. Er verwickelte Monica in ein Gespräch und fragte: "Sagen Sie mal, wie heißt noch mal ihr Hund?" Mit dem Wort "Lucy" war der Bann gebrochen. Da hat sie nicht nachgedacht, das Wort war einfach draußen.

HÖRZU: Frau Lierhaus, auch ihr Sehvermögen soll anfangs beeinträchtigt gewesen sein. Wie genau?

Monica Lierhaus: Anfangs sah ich kaum etwas, später lange nur Doppelbilder. Das ist durch mehrere Operationen behoben worden.

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Wer Monica Lierhaus interviewt, ertappt sich dabei, dass er unwillkürlich langsam spricht. Was in einer Unterhaltung sonst unbewusst abläuft, der Wechsel aus Fragen, Antworten, Bemerkungen und Anekdoten, findet plötzlich auf einer kontrollierten Ebene statt. Wer Monica Lierhaus länger gegenübersitzt, bekommt eine vage Ahnung von der unendlichen Anstrengung, die es bedeuten muss, in das komplexe Regelwerk von Sprache und Bewegung zurückzufinden. Was noch fehlt nach den langen Wochen im Koma, welche Verbindungen neu geknüpft wurden müssen, kann keiner sagen.

Niemand wagt eine Prognose, ob sie je völlig genesen wird. Auch kein Arzt. "Die halten sich vornehm zurück", sagt Monica Lierhaus. Nur eines ist sicher: Was diese Frau, die zweimal klinisch tot war, bis heute geschafft hat, grenzt an ein Wunder. "Am Anfang haben uns die Ärzte wenig Hoffnung gemacht", sagt Hellgardt. Aber Monica Lierhaus, die die ersten Monate nach dem Erwachen in einer Klinik für Neurologie am Bodensee verbrachte, gab nicht auf. Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Gehwagen schob sie wieder in die Ecke. Ihr Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben. In ihrem früheren Leben, daran muss sie nur in seltenen Momenten erinnert werden, hat sie noch jedes Ziel erreicht.

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HÖRZU: Bis zum 9. Januar 2009, dem Tag der Operation, waren Sie als Sportreporterin auf der Seite der Leistungsträger. Diese Welt ging für sie verloren. Gibt es etwas, das sie auf der anderen Seite, der der Verletzten, gewonnen haben?

Monica Lierhaus: Nein, das wüsste ich jetzt nicht.

HÖRZU: Möglicherweise eine kreative Quelle? Malen? Singen?

Monica Lierhaus: Wenn meine Therapeutin mit mir Sprechübungen macht, möchte sie mich immer zum Singen verleiten. Ich bin darin leider furchtbar unbegabt. Auch im Malen. Was mir vielleicht liegt, ist Inneneinrichtung. Unser Haus in Hamburg habe ich selbst gestaltet. Schlicht, aber in warmen Tönen. Bis hin zum Kamin aus Sandstein, den ich selbst entworfen habe. Dieses Haus liebe ich, dafür kämpfe ich.

HÖRZU: Dieses Refugium scheint Ihnen wichtig zu sein. Was macht es so wertvoll?

Monica Lierhaus: Meine Schwester Eva wohnt gleich nebenan. Sie kommt auch oft zu uns herüber. Fast täglich. Zum Leidwesen meines Mannes. Rolf geht das ein bisschen auf die Nerven, glaube ich, oder? (Rolf Hellgardt schüttelt lachend den Kopf.)

Autor: Angela Meyer-Barg