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Thomas Gottschalk ist mit ''Gottschalk Live'' im Vorabendprogramm gescheitert.

Thomas Gottschalk ist mit ''Gottschalk Live'' im Vorabendprogramm der ARD gescheitert. / Foto: © ARD/Frank Zauritz

Das wünschen sich die Zuschauer

Schleudersitz Vorabend-Programm

Die ARD hat ein Problem – und zwar immer montags bis freitags von 18 bis 20 Uhr: Am sogenannten Vorabend schalten zu wenig Zuschauer ein. Egal ob der Sender Entertainment, Talk, Krimi oder Quiz ausstrahlt, egal ob er neue Talente, Kultstars oder erfahrene Haudegen ins Feld schickt. In Branchenkreisen hat der komplizierte Sendeplatz inzwischen schon einen Spitznamen: die ARD-Todeszone.

Unter Bergsteigern bezeichnet der Begriff eine Zone, deren Lebensbedingungen einen dauerhaften Aufenthalt unmöglich machen. Und sind TV-Macher nicht eigentlich alle ambitionierte Aufsteiger, ständig im Sturm auf den nächsten (Quoten-)Gipfel? Schon einige von ihnen fanden in der Todeszone ein plötzliches, unerwartetes Ende, unter ihnen große Namen und hoch bezahlte Spitzenkräfte. Jüngstes Beispiel ist Thomas Gottschalk, der für ''Gottschalk Live'' zwar extra von Malibu nach Berlin zog, aber in der ARD kaum Zuschauer fand. Am 7. Juni darf er nun zum letzten Mal mit seinem gescheiterten Talkformat auf Sendung gehen.


Aus für ''Gottschalk Live'':


Dabei wusste der ehemalige Gastgeber von ''Wetten, dass...?'' sehr wohl, welch gefährliches Terrain er mit seiner täglichen Talkshow betrat. Trotzdem gab er sich vor der Premiere am 23. Januar 2012 wagemutig: "Mich reizt die Todeszone!" Gottschalk zitierte sogar aus Schillers Drama "Wilhelm Tell“: "‚Und neues Leben blüht aus den Ruinen‘, wenn ich da einmarschiere." Ein großspuriges Versprechen – gebrochen von der Realität: Zwar schalteten bei Gottschalks Debüt noch 4,34 Millionen Zuschauer ein, doch im Mai hat sich die Quote bei rund 790.000 Stammsehern eingependelt. Es ist die TV-Katastrophe des Jahres.

Das Problem mit dem Vorabend plagt seltsamerweise nur die ARD. Beim ZDF sorgen die "SOKO"-Krimis seit Jahren für tolle Quoten, RTL verzeichnet mit Serien wie "GZSZ" überdurchschnittlich gute Ergebnisse. Dabei hat die ARD in den vergangenen Jahren sehr viel experimentiert und den Zuschauern immer wieder neue Programme geboten.

Doch weder die Rateshow "Pssst ..." mit Harald Schmidt noch das Familienquiz "Drei bei Kai" mit Kai Pflaume konnten überzeugen. Nicht einmal die neue Regionalkrimireihe "Heiter bis tödlich", die im Herbst 2011 startete. Medienexperten vermuten, dass es vermutlich genau die zahlreichen Experimente waren, die viele Zuschauer vergraulten. ZDF und RTL blieben sich treu – als Dank dafür hielt ihnen das Publikum die Treue.

Beispiel für misslungene Experimentierfreude im Ersten ist die Serie "Verbotene Liebe": Jahrelang lief sie gut, bekam nach der Einstellung vom "Marienhof" sogar mehr Sendezeit. Für ''Gottschalk Live'' musste sie auf einen neuen Sendeplatz weichen, wurde wieder gekürzt – und ist nun Problemkind. Zu viele Innovationen, zu wenig Verlässlichkeit also.

Doch es gibt einen weiteren Quotenkiller: fehlende Analyse. HÖRZU hat aus diesem Grund das Umfrageinstitut TNS Emnid damit beauftragt, herauszufinden, was sich die Zuschauer für den Vorabend wünschen würden. Das Ergebnis ist eindeutig: Egal ob jung oder alt, weiblich oder männlich, aus dem Westen oder aus dem Osten Deutschlands – die Mehrheit (77 Prozent) möchte Nachrichten und Informationssendungen sehen. Nur 37 Prozent wünschen sich Krimireihen, lediglich 23 Prozent Quizsendungen. Noch schlechter schneiden Shows (18 Prozent), tägliche Serien (17 Prozent) und Talkshows (16 Prozent) ab.

Tatsächlich wäre die ARD gut beraten, sich dem Wunsch der Zuschauer zu beugen. Erstens liefen Info-Formate am Vorabend außer Konkurrenz, denn kein anderer Sender setzt dann auf dieses Genre. Zweitens stößt es auch unter Produzenten auf Gefallen. Deutschlands Doku-Filmer haben ARD-Programmdirektor Volker Herres bereits angeboten, den Vorabend zu beleben: "Wenn der Sender uns beauftragt, lassen wir die ARD in der Todeszone nicht allein", so die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm. "Wir sind sicher, dass sich Thomas Gottschalks Marktanteil mit unseren hochwertigen Dokumentarfilmen bequem übertreffen lässt."

Jetzt ist die ARD am Zug. Die Kreativen wären startklar, das Publikum hat sein Votum abgegeben. Und gilt nicht auch im TV: Der Kunde ist König? Im Fernsehen sind das die Gebührenzahler.

Autor: Mike Powelz