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Dschungelkind Sabine Kuegler (38) wuchs im Urwald von West-Papua auf.

Dschungelkind Sabine Kuegler (38) wuchs im Urwald von West-Papua auf. / Foto: © dpa - Report

Ein Leben zwischen zwei Welten

Sabine Kuegler - das echte Dschungelkind

Mit fünf zog Sabine Kuegler in den Urwald

Urwälder unterscheiden sich im Geruch, findet Sabine Kuegler. "Der Dschungel von Malaysia riecht jünger. Der von West-Papua kühler, schwerer und viel älter. Da stehst du vor einem Baum und bist ganz klein.“ Fünf Jahre alt war sie, als ihre Eltern ein Holzhaus im Dschungel bauten, 17, als sie es verließ.

Heute wohnt die vierfache Mutter (38) mit ihren jüngeren Kindern Julian (9) und Vanessa (10) in der Nähe von München. Ein bürgerliches Leben zwischen Schule und Supermarkt. Nur sie selbst weiß, dass ihre Instinkte bis heute anders funktionieren als die der Großstädter. "Wenn ich einen Menschen treffe, fühle ich seine Schwingungen, spüre etwa, ob er gerade Schweres erlebt hat."

Sabine Kuegler war ein "Dschungelkind". Eigentlich ist sie es immer noch. Jetzt kommt ihre Geschichte in die Kinos (Kinostart: 17. Februar), verfilmt nach ihrem gleichnamigen Bestseller. Da es unmöglich war, an den Originalschauplätzen in West-Papua zu drehen, arbeitete das Filmteam in Malaysia.
Lesen Sie auch unsere Kinokritik zu "Dschungelkind".

Elf Jahre lebte Sabine Kuegler im Paradies

Sabine Kuegler begleitete die Film-Crew und tauchte noch mal ein in ihr früheres Leben – elf Jahre im Regenwald beim Stamm der Fayu. Vater Klaus studierte die Sprache der Urwaldbewohner, Mutter Doris unterrichtete ihre Kinder – und half mit Arznei aus, wenn Fayu-Krieger sich beim Jagen verletzten.

Für Sabine und ihre Geschwister Judith und Christian war es eine Kindheit wie im Paradies: Sie kletterten in die Urwaldriesen, badeten im Fluss, sammelten Insekten. Unbeschwert lebten sie unter den Fayu, die dem Gesetz der Blutrache folgen und ihre Toten in den Hütten verwesen lassen.

Großstadtdschungel machte Sabine Kuegler Angst

1989 gingen die Eltern zurück nach Deutschland, Sabine kam auf ein Internat in der Schweiz. Ein gewaltiger Kulturschock: "In der Zivilisation bekam ich zum ersten Mal Angst. Bis heute empfinde ich das Leben hier als viel aggressiver." Sie brauchte einige Umwege, um in der neuen Welt Fuß zu fassen, schrieb darüber zwei weitere Bücher: "Ruf des Dschungels" und "Jägerin und Gejagte".

Heute sagt sie: "Ich lebe zwei Leben: eines in Deutschland und eines im Urwald." Immer wieder reist sie nach Papua-Neuguinea, erzählt in Schulen und Jugendtreffs ihre Geschichte. Im Süden des Landes plant sie eine Schule, in der die Kinder neben Lesen, Schreiben und Rechnen alles über ihre Kultur lernen sollen. "Sie sollen wissen, woher sie kommen." Damit sie Wurzeln schlagen können – wie ein Urwaldbaum.

Autor: Angela Meyer-Barg