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Iris Berben

Im Film "Die Neue" spielt Iris Berben die weltoffene Lehrerin Eva.
Foto: © ZDF / Christian Schulz

Interview zum ZDF-Film "Die Neue" mit Iris Berben

"Raus aus der Komfortzone"

Der Film "Die Neue" mit Iris Berben dreht sich um Toleranz. Eine Herausforderung - so wie Iris Berben sie liebt.

Diese Rolle scheint ihr auf den Leib geschrieben: Im Film "Die Neue" (Mo., 19.10. ZDF, 20.15 Uhr) spielt Iris Berben eine weltoffene Lehrerin, die den Kulturwandel durch den Zuzug muslimischer Menschen begrüßt. Als eine junge Türkin ihre Klasse gegen sich aufbringt, indem sie Kopftuch trägt und ihre Religiosität über alles stellt, droht der Traum von der Multikultigesellschaft jedoch zu platzen.

Beim Exklusivgespräch mit HÖRZU hat Iris Berben, im edlen schwarzen Anzug und auf High Heels ganz Grande Dame des deutschen Films, spürbar Gefallen an der Aktualität des Themas. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sagt sie ganz offen, wo sie Chancen und wo sie Gefahren sieht.

Interview mit Iris Berben

HÖRZU: Frau Berben, hat die Realität Ihren neuen Film eingeholt?

Iris Berben: Die Debatte um Integration war auch vor eineinhalb Jahren schon heftig, als wir den Film drehten. Durch die Flüchtlingswelle hat sie traurige Aktualität bekommen. Ich rede jetzt nicht von den vielen Menschen, die sich wirklich vorbildlich verhalten, sondern von denen, die sich gestört fühlen, alles verhindern, mit Beleidigungen und Verletzungen reagieren - und den Tod von Menschen in nehmen.

HÖRZU: In "Die Neue" spielen Sie eine liberale Lehrerin. Es sind die Mitschüler, die sich von dem Kopftuchmädchen provoziert fühlen. Wer ist da intoleranter?

Iris Berben: Genau darum dreht sich der Film: Von wem wird Toleranz gefordert? Von beiden Seiten! Dieses Mädchen sucht seine Identität. Es fordert eine ganze Schulklasse und vor allem die sehr liberale Lehrerin heraus. Eine, die offen ist und bereit, die Integration mitzutragen, ihre Schüler für das andere, für das Fremde zu öffnen. Dieses Mädchen testet seine Grenzen aus. Das ist spannend.

HÖRZU: Im Kern geht es um den Rückzug in einen starken Glauben. Können Sie das nachvollziehen?

Iris Berben: Für viele Menschen ja. Das ist ein Halt, eine Sicherheit, die viele vermissen. Das Einzige, was mich bei jeder Religion skeptisch macht, ist deren Missbrauch. Wie viele Kriege wurden im Namen der Religion geführt - und zwar im Namen jeder Religion! Da kann sich keiner ausreden. Aber dass Menschen im Zwiegespräch mit Gott Halt finden, kann ich verstehen. Erst recht, weil so viele orientierungslos sind. Unsere Gesellschaft wird sich verändern - und zwar raus aus der Komfortzone.

HÖRZU: Die Aussicht scheint Ihnen zu gefallen.

Iris Berben: Natürlich gefällt mir das! Ich finde, wir Menschen können gar nicht genug gefordert werden. Wir müssen selbst denken, uns selbst prüfen. Das Leben ist nicht so, dass es für alles vorgefertigte Antworten gibt. Nicht mal in Filmen.

HÖRZU: Können Sie verstehen, dass sich jemand so verhüllen möchte wie dieses Mädchen, um zu sich selbst zu finden?

Iris Berben: Ja, wobei es mir schwerfällt. Ich gehöre zu denen, die noch für die Frauenrechte, für Selbstbestimmung und Selbstwahrnehmung auf die Straße gegangen sind. Aber ich muss es respektieren, denn ich habe sehr gescheite, gebildete und selbstbestimmte türkische Frauen kennengelernt, die Kopftuch tragen. Manche haben zuvor ganz westlich gelebt und fühlten sich trotzdem immer ausgegrenzt.

HÖRZU: Im Film behauptet das Mädchen: "Ich bewahre mich auf für den einen Mann, und der wird mich dann entdecken."

Iris Berben: Das ist in der katholischen Kirche nicht anders. Ich bin im Kloster groß geworden, im Hamburger Sacré-Coeur. Gott ist der Mann, mit dem die Nonnen verheiratet sind. Sie tragen sogar einen Ehering. Also, wir müssen nicht so tun, als sei das ganz weit von uns entfernt.

HÖRZU: Sind Sie eigentlich noch Kirchenmitglied?

Iris Berben: Nein. Ich bin vor langer Zeit ausgetreten.

HÖRZU: Sie selbst werden immer als starke Frau wahrgenommen. Haben Sie dieses Image stets so gewollt?

Iris Berben: Ich empfinde mich nicht so. Ich habe genauso meine Schwächen, meine Unsicherheiten, meine Verletzungen. Die Zuschauer verwechseln öfter Rollen und Schauspieler. Das passiert. Vielleicht besitze ich Selbstbewusstsein. Ich gehöre zur 68er-Generation und habe gelernt, dass man den Mund aufmacht, wenn man Unrecht sieht. So bin ich groß geworden. Das hat wenig mit Stärke zu tun, sondern viel mehr mit Empathie und Offenheit in der Wahrnehmung.

HÖRZU: Ist man als Prominenter heute verpflichtet, sich politisch zu engagieren?

Iris Berben: Das muss jeder für sich selbst wissen. Ich kenne viele Prominente, die das nicht tun. Die helfen eher im Stillen, ganz leise, ungesehen. Und es gibt welche, die gar nichts machen. Ich melde mich dann zu Wort, wenn ich das Gefühl habe, ich kann etwas einbringen. Wenn ich Gefahren sehe - wie ich es jetzt aus der rechten Ecke tue. Aber eigentlich hat es eher etwas mit mir als Privatperson zu tun. Ich bin eine Bürgerin dieses Landes und setzte ganz pragmatisch meine Popularität ein.

HÖRZU: Ähnlich agiert Til Schweiger, der für seine Flüchtlingsinitiativen auch auf seinen Promibonus gesetzt hat und dafür eine Menge mediale Schelte einstecken musste.

Iris Berben: Ich finde es absolut positiv, dass jemand ein Signal setzt. Und ich wünsche Til die richtigen Leute, die es mit ihm umsetzen können. Die ihn so unterstützen, wie er es verdient. Denn von ihm aus ist das eine absolut ehrlich gemeinte Haltung.

HÖRZU: Bevorzugen Sie heute öfter bewusst politische Filme?

Iris Berben: Nein! Ich habe gerade drei Komödien gedreht. Es ist wie immer: Wenn mich ein Drehbuch überzeugt, dann mache ich es.

HÖRZU: Viele Filme haben Sie auch mit Ihrem Sohn Oliver gedreht, der inzwischen ein bekannter Produzent ist. Wie trifft man sich da auf der Arbeitsebene?

Iris Berben: Es ist wie mit jedem, er ist ein Profi. Ich arbeite mit ihm auf derselben Ebene wie mit jedem anderen professionellen Produzenten. Er bietet mir was an oder ich ihm. Man kommt zusammen oder nicht. Der einzige Unterschied ist, dass ich zu ihm am Telefon schneller durchkomme.

HÖRZU: Ihr Sohn hat geheiratet. Hat sich dadurch auch Ihr Leben verändert?

Iris Berben: Nein, es ist schön. Da ist einfach nur Freude, dass noch ein wunderbarer Mensch zur Familie dazugekommen ist.

HÖRZU: Sie haben einen enormen Bekanntenkreis. Wer sind die engsten Vertrauten?

Iris Berben: Das ist sicherlich meine Familie. Und ich habe drei sehr gute Freunde, die mich seit vielen Jahren begleiten. Je älter man wird, desto mehr merkt man, wie wichtig diese Menschen sind. Weil sie einfach viel gehalten haben, weil sie mitgereist sind in diesem Stück Leben, was ja aufregend und spannend und anstrengend ist - und immer anstrengender wird. Die Welt ist gerade auf sehr, sehr dünnem Eis. Und wir befinden uns in einer großen Veränderung. Da finde ich es wunderbar, dass man Menschen hat, mit denen man darüber reden kann. Dazu gehört mit Sicherheit meine Assistentin. Aus der Branche sind Carmen-Maja Antoni und Thomas Thieme die mir Vertrautesten. Ich bin ich sehr glücklich, sie zu kennen.

HÖRZU: Glauben Sie, dass sich die Menschen in Deutschland verändert haben?

Iris Berben: Ich glaube, dass sie per se große Empathie haben und sehr friedlich gestimmt sind. Das erkennt man am Empfang der Flüchtlinge. Daran ist nicht zu rütteln. Worüber ich aber nachdenke, ist Folgendes: Wie wird der Alltag sein, wenn die Euphorie vorbei ist, wenn wir mit der neuen Situation umgehen müssen? Ich setze da auf den gesunden Menschenverstand. Ich glaube, viele wissen: Der Reichtum und die starke Stellung dieses Landes sind auch dadurch entstanden, dass man auch uns nach dem Krieg geholfen hat.

HÖRZU: Sie blicken also optimistisch in die Zukunft?

Iris Berben: Hoffnungsvoll optimistisch. Es gibt eine neue, weltoffene Generation. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Autor: Sabine Ulrich