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Prinz Charles und Camilla

Prinz Charles und Duchess Camilla. - Foto: © dpa

Rolf Seelmann-Eggebert exklusiv in HÖRZU

Prinz Charles wird 65

Bei seiner Geburt am 14. November 1948 im Buckingham Palace ahnte wohl niemand, dass Charles einmal länger als jeder andere den Titel Thronfolger tragen würde. In Großbritannien gibt es zudem keine Aufgabenbeschreibung für einen Thronfolger. Die Versuchung, bloß den Mann von Welt zu spielen, bis einen das höchste Staatsamt ruft, ist groß, denn die Einkommensverhältnisse eines Prince of Wales sind sehr komfortabel. Er lebt von den Einkünften der Duchy of Cornwall, 1337 von Edward III. für seinen Sohn errichtet und dazu bestimmt, alle künftigen Thronfolger entsprechend zu alimentieren.

Charles erbte die 54.521 Hektar, als die Queen 1952 den Thron bestieg und er der 24. Herzog von Cornwall wurde. Heute fließt ein beträchtlicher Anteil seines Einkommens wohltätigen Zwecken zu. Charles hat als Thronfolger eine Karriere gewählt, die im Vergleich der Königshäuser gestern und heute ohne Vorbild ist. Er hat sich engagiert, ob es um traditionelle Architektur geht, alternative Medizin, Jugendarbeitslosigkeit, ökologischen Landbau oder globale Umweltprobleme. Die Liste der Themen ist so lang, dass Charles selbst sagt, er habe immer Angst, sich zu verzetteln.

Thronfolger Prinz Charles
Foto: © picture alliance / Photoshot

Unglaublich, aber wahr: Mit den mehr als 100 Millionen Pfund, die jährlich in seine Projekte fließen, ist der Prince’s Trust mit den ihm zugeordneten Stiftungen eine der größten Wohlfahrtsinstitutionen des Vereinigten Königreiches. Man muss vor dem "Caring Prince", wie er früher oft genannt wurde, den Hut ziehen. Für die Ökoszene unserer Welt ist er heute vielleicht der einflussreichste Repräsentant.

Charles oder lieber William?

Einer, der sein Leben lang aus seinen Ansichten keinen Hehl gemacht hat, wird Schwierigkeiten haben, eines Tages zu verstummen. Das aber werden viele Briten von Charles verlangen, wenn er seiner Mutter auf den Thron folgt. Ihr Sinnen und Trachten ist, unter keinen Umständen in eine politische Kontroverse hineingezogen zu werden. Charles’ Weg ist offensiver. So hat er mit Blick auf die multikulturelle Gesellschaft Großbritanniens darauf hingewiesen, dass ein künftiger König nicht allein von der anglikanischen Kirche in Anspruch genommen werden dürfe. Auch Katholiken, Juden, Muslime, Buddhisten und Angehörige anderer Religionen hätten Anspruch darauf, dass der Monarch ihre Glaubensüberzeugungen schützt. Mit anderen Worten: Es wird Veränderungen geben. Auch die Monarchie muss mit der Zeit gehen, wenn sie nicht nur noch als alter Zopf wahrgenommen werden möchte.

Als der Prince of Wales am 9. April 2005 seine Jugendfreundin Camilla Parker Bowles vor dem Standesamt in Windsor zu Ihrer Königlichen Hoheit, der Herzogin von Cornwall erhob, blieben viele Fragen offen. Würde das nach dem Tode Dianas völlig zerrüttete Ansehen des Prinzen wiederherzustellen sein? Würde man Camilla als künftige Königin akzeptieren? Und wie würden sich die Prinzen William und Harry mit den Hochzeitern vertragen?

Thronfolger Prinz Charles, sein Sohn William und dessen Frau Catherine
Prinz Charles mit seinem Sohn Prinz William und Herzogin Catherine. - Foto: © picture alliance / empics

Acht Jahre danach, zum 65. Geburtstag des Thronfolgers, wird man feststellen dürfen: Der Ehekrieg von Charles und Diana ist insofern Geschichte, als der Thronfolger heute nach gänzlich anderen Kriterien beurteilt wird. Von Camilla sagen die Briten: "Sie redet wie eine Herzogin, sieht aus und benimmt sich wie eine Herzogin – was spricht dagegen, dass sie eines Tages auch Queen wird?" Was William und Harry angeht, hat sich Charles nach Trennung, Scheidung und Tod von Diana so intensiv um die Söhne gekümmert, dass er gar nicht erst in den Ruf kam, ein schlechter Vater zu sein.

Richtig ist wohl, dass viele Briten Prinz William und Prinzessin Catherine lieber in der direkten Nachfolge der Queen sähen als Charles und Camilla. Der Charme der Jugend ist in dieser Beziehung unbarmherzig. Andererseits weiß William, wie sehr die eigenen Großeltern darunter gelitten haben, dass sie so bald nach ihrer Hochzeit 1947 an die Stelle George VI. nachrücken mussten.

Prinz William ahnt, dass die Nachfolge sein eigenes Leben und das der Familie total verändern wird. Kein Wunder, dass er bereits bekundete, es komme für ihn mit Sicherheit nicht infrage, den Vater zu "überspringen".

Autor: Rolf Seelmann-Eggebert