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10 Forderungen, damit Fernsehen wieder Spaß macht - und Spannung weckt

10 Forderungen, damit Fernsehen wieder Spaß macht - und Spannung weckt - Foto © picture alliance / dpa Themendie

10 Forderungen

Plan für besseres Fernsehen

Keine neuen Ideen, ewig das Gleiche: So wirkt TV heute. Hier unsere 10 Forderungen an die deutschen Sender, damit Fernsehen wieder Spaß macht – und Spannung weckt


1. Mehr Geld für echte Qualität!
Für den Einkauf teurer Sportübertragungen ist stets genug Geld da. Bei Filmen und Serien spart man. "Seit zehn Jahren gibt es etwa beim ,Tatort‘ pro Filmminute keinen Cent mehr – sondern weniger. Gleichzeitig sind die Kosten erheblich gestiegen. Diese Mangelbudgets sieht man den Programmen inzwischen auch an. Die Grenze des Machbaren ist erreicht", sagt Alexander Thies ("Luther", "Klemperer"), Berliner Produzent und Vorstand der Produzenten-Allianz.

Die Folge: Fast-Food-Fernsehen siegt. Das ödet uns an! Viel lieber wollen wir mehr Serien wie "Weissensee", die ein Risiko eingehen. Die daran glauben, dass die Leute bewusst für etwas einschalten, statt stumpf zu konsumieren. Das kann sicher auch schiefgehen. Na und? Bei sieben Milliarden Euro TV-Gebühren darf man auch mal experimentieren.


Weissensee
Edelreihe "Weissensee" Schicksalsträchtiger DDR-Alltag - Foto © ARD / Julia Terjung

2. Öfter neue Gesichter in Film und Show!
Pilawa in der ARD, Pilawa im ZDF, Pilawa wieder in der ARD. Kerner bei Sat.1, Kerner beim ZDF, Kerner wieder bei Sat.1, Kerner wieder beim ZDF – es kann doch nicht wahr sein, dass es nicht mehr sympathische Moderatoren geben soll. Also: dem Nachwuchs eine Chance! Und: Habt Geduld mit ihm! Das gilt natürlich auch für Schauspieler. Matthias Brandt kann nicht alles spielen. Es gibt in Deutschland 25.000 ausgebildete Schauspieler. Da muss doch öfter mal ein neues Talent mit Ausstrahlung drunter sein.


3. Mehr Macht den Autoren!
Sie schreiben tolle Bücher, haben starke Ideen. Aber wenn es um die Umsetzung geht, sind sie außen vor. Wer die Rollen bekommt, wer Regie führt – das entscheidet dann der Redakteur des auftraggebenden Senders. Ganz anders zum Beispiel in den USA: Bei allen hochgelobten Serien, etwa dem 60er-Jahre-Hit "Mad Men", hat der Ideengeber auch das Sagen während der gesamten Produktion. Einer der wenigen, der durchgesetzt hat, wie diese "Showrunner" zu arbeiten, ist Ralf Husmann. Der Erfinder der preisgekrönten Serie "Stromberg" wollte als Büroekel in der Titelrolle von Anfang an Christoph Maria Herbst: "Es ist für mich beim Schreiben einfacher, zu wissen, wer’s am Ende spielt. Man kann sich auf die Sprache der Schauspieler einlassen, es mundgerecht machen. Das hilft enorm. Jürgen Klopp kann auch nur eine gute Taktik entwickeln, wenn er weiß, wer spielt. Genauso ist es beim Schreiben." Es wird Zeit für eine neue Kultur, die den Kreativen mehr Macht überlässt. Wir sind sicher: Die Filme und Serien erhalten neuen Glanz – und endlich öfter international Anschluss.

Mad Men
Vorbild "Mad Men" Im perfekten 60er-Jahre-Stil: Serie um eine New Yorker Werbeagentur - Foto © ZDF / Ron Jaffe


4. Abwechslung bei Talkshows!
Nirgends wird mehr im Fernsehen geredet als in Deutschland. Problem: Es sind immer dieselben Themen, die von denselben "Experten" durchgekaut werden. Spitzenreiter 2013: Jürgen Trittin, Peter Altmaier, Sahra Wagenknecht. Alle drei sind auch spitze darin, auf Fragen ausweichend floskelhaft zu antworten. Schluss mit dieser Zeitvergeudung und Zuschauerverdummung! Wir wollen weniger Gefühlsduselei, mehr hartnäckige Journalistenfragen und mehr Politiker, die sich trauen, Wahrheiten zu sagen.


5. Mehr neue Showideen!
Und noch eine Castingshow, und noch ein Quiz. Die Wege in der Unterhaltungsbranche scheinen ausgereizt. In der ARD wird am 1. März das Dinoformat "EWG – Einer wird gewinnen" mit Jörg Pilawa neu aufgelegt. Innovative Showideen? Derzeit wohl das schwierigste TV-Geschäft. Ute Biernat, Deutschlands erfolgreichste Showproduzentin (Ufa Show & Factual) gibt zu: "Natürlich sind wir alle auf der Suche nach dem nächsten großen Ding. Nonsens, Überraschung, Leichtigkeit – davon brauchen wir mehr im deutschen Fernsehen. Vor allem dürfen wir uns selbst nicht ganz so ernst nehmen. Die aktuelle Staffel "Deutschland sucht den Superstar" ist auch deswegen so erfolgreich, weil wir selbstironischer geworden sind. Der Spaß darf in unserem Geschäft nicht verloren gehen." Da halten wir mit: Her mit den neuen Konzepten, denn wir, die Zuschauer, verstehen Spaß!


6. Mehr Geduld!
Serien oder Shows werden oft über Monate und Jahre entwickelt – doch sobald die Quote hinkt, werden sie gleich wieder aus dem Programm gekippt oder in die Nacht verbannt. Wir haben so viele Sender – warum findet sich nicht mehr Platz für Stücke abseits des Mainstreams? "Im Angesicht des Verbrechens" ist so ein Beispiel. Der hoch spannende, aber düstere Mehrteiler von Dominik Graf wurde im Ersten so oft verschoben, dass kein Zuschauer mehr hinterherkam. Graf will trotzdem nicht lockerlassen: "Unsere eigentliche Aufgabe besteht darin, eben genau den Mainstream so innovativ und avantgardistisch wie möglich und gleichzeitig spannend und unterhaltsam zu gestalten. Die Formate zur Primetime werden sich dafür auch verändern müssen." Um Sehgewohnheiten zu ändern, braucht es Geduld. Bitte mehr davon! Der Zuschauer wird es danken, wie der Erfolg des dänischen Geheimtipps "Borgen – Gefährliche Seilschaften" beweist. Auf Arte versteckt, hat er heute eine Millionenfangemeinde, die süchtig nach Fortsetzung lechzt.


7. Weniger Kopien!
Die Öffentlich-Rechtlichen kupfern bei den Privaten ab und umgekehrt. Im Grundsatz stammt eh fast alles aus den USA, England oder Skandinavien. Und wenn etwas gut läuft wie "CSI", "Dr. House" oder "Navy CIS", dann wird’s auf Teufel komm raus gesendet. Kreuz und quer auf mehreren Kanälen, egal ob neue oder alte Staffel. Total verwirrend! Klar, populäre Serien finden immer Zuschauer. Aber welche Wahl haben wir, wenn alle das Gleiche machen?


8. Weg mit den Einspielern!
Das Quiz von morgen, der Krimi von übermorgen oder einfach ein Telefongewinnspiel. Ständig hoppelt am Bildrand irgendetwas durch die Ausstrahlung. Das wollen wir nicht mehr! Es lenkt ab und nervt enorm. Viel lieber hätten wir stattdessen einen Abspann in einer Geschwindigkeit, die nicht nur der Roboter Nummer 5 lesen kann. Wir interessieren uns nämlich für die Menschen hinter dem TV-Stück.


Tatort
Überdosis "Tatort": Jeder Tag ist Krimitag. Gute Sendeplätze für Dramen und Komödien sind rar - Foto © SWR / Krause-Burberg

9. Weniger Morde!
Krimi ist wichtig, Krimi ist spannend, Krimi mögen wir sehr. Hohe Einschaltquoten sind hier ein Selbstgänger, und deshalb läuft auch fast nichts anderes mehr. Dabei können gerade ARD und ZDF auch so schön Dramen erzählen, in denen das Messer in der Tasche bleibt. Wir möchten mehr Filme ohne Krimideckmantel, mit prallen Geschichten aus dem Leben. Gern dürfte es öfter auch eine gute Komödie sein!


10. Vergesst die Älteren nicht!
"Landarzt" weg, "Forsthaus Falkenau" weg, dafür Twitter- und Facebook-Einblendungen. Das ZDF war 2013 das meistgesehene Programm und stolz auf die Marktführerschaft. Durchschnittsalter der ZDF-Gucker: 61 Jahre. Auch die RTL-Zuschauer sind keine reinen Jungspunde. Durchschnittsalter: 47 Jahre. Wir haben Verständnis für frische Konzepte – aber die älteren Zuschauer dürfen nicht abgehängt werden. Niemand schaut mehr Fernsehen als sie!

Autor: Sabine Goertz-Ulrich