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Peter Alexander

TV-Legende Peter Alexander aufgenommen im August 1987. - Foto: © dpa

TV-Legende

Peter Alexander

Samtweich die Stimme, verheißungsvoll der Blick, aber die Filmküsse so unverbindlich, dass es seine Ehefrau hinter den Kulissen garantiert nicht störte – das war Peter der Große. Als das Showgeschäft noch zwischen Conferenciers, Sängern und Schauspielern unterschied, schüttelte Peter Alexander Neumayer, der sich als Künstler Alexander nannte, alle Talente gleichzeitig aus dem Ärmel.

Er war der Erste, der singen, spielen, parodieren und sein Publikum mitreißen konnte – ein Entertainer von Format. Seine Tourneen waren ausverkauft, eine seiner Shows kam mit 79 Prozent Einschaltquote ins "Guinnessbuch der Rekorde". Ein Künstler im Glück, verwöhnt von der Liebe des Publikums.

Peter Alexander privat

Die andere, die private Seite zeigt einen charmanten Träumer, der schon als Schüler bunte Abende organisiert. Einen häuslichen Menschen mit Hang zu Filzpantoffeln, der sich daheim in Wien mit seiner Spielzeugeisenbahn beschäftigt. Einen Hochbegabten, der einen Antreiber braucht. Dieser Mensch wird Hildegard Hagen, seine Frau.

Hilde und Peter Alexander
Peter Alexander mit seiner Ehefrau Hilde auf dem Wiener Opernball am 1. März 1962. - Foto: © dpa - Bildarchiv

Es gibt eine Szene von der Berliner Funkausstellung, als beide hinter dem Vorhang stehen, Hilde und ihr Peter. Der Ansager kündigt ihn an, Hilde legt die Hand auf den Rücken ihres Mannes, wartet den Beifall ab und schiebt ihn dann entschieden nach vorn: "Jetzt reiten wir ein." Und Alexander geht auf die Bühne, die sein Leben ist.

Hilde interveniert, als der Beau mit den braunen Augen als Partner der damals populären Caterina Valente aufgebaut wird. "Du bist kein Teil eines Duos", sagt sie, "du wirst auch allein ein Star."

Hilde handelt die höchsten Gagen aus, von denen sich das Paar unter anderem eine Villa in Wien und Bilder alter Meister kauft. Hilde besteht auf Qualität. Wenn eine Show zu Weihnachten ausgestrahlt wird, beginnen schon im Februar die Vorbereitungen. Das Leichte ist bis zum i-Tüpfelchen geplant.

Wo Hilde als Managerin den Motor anwirft, steht auf der anderen Seite sein Produzent Wolfgang Rademann, "Traumschiff"-Erfinder und längst selbst eine Fernsehlegende. Eine "ziemlich dicke Freundschaft" habe die beiden verbunden, bekennt der nüchterne Berliner. Der eine ist nichts ohne den anderen.

Rademann schickt dem damals noch unbekannten Alexander den Mitschnitt eines Dean-Martin-Auftritts. So lässig, so charmant wie den Amerikaner sieht er seinen Schützling auch. Mehr als 20 Jahre lang werden die beiden zusammenarbeiten und den Zuschauern Sternstunden schenken: 1990 "Ein Herz für Berlin", die erste Sendung aus dem Friedrichstadtpalast im früheren Ostberlin.

Oder eine große Krebsgala unter Schirmherrschaft von Mildred Scheel, wo für 3000 DM Einheitsgage alle auftreten, die seinerzeit Rang und Namen haben: Theo Lingen, Elisabeth Flickenschildt, Hans Söhnker. Leitstern des Abends: Peter Alexander, der Junge aus der Sechsschimmelgasse in Wien, der frühere Klassenclown, der Mädchenschwarm, der Tingeltangelkünstler, der 1951 erstmals mit dem Schlager "Das machen nur die Beine von Dolores" auffällt. Ein Lied, das alles vereint, was ihn ausmacht: Können, Schmelz, Lausbubencharme.

Mildred Scheel und Peter Alexander
Juni 1975: Peter Alexander und Bundespräsidenten-Gattin Mildred Scheel unterhalten sich nach der Aufzeichnung der Fernsehshow "Treffpunkt Herz". - Foto: © dpa - Report

Beschützt von seiner Frau, unterstützt von seinem Produzenten, lässt er in Filmen und Sketchen seiner Spielfreude freien Lauf. Keiner beobachtet so genau, keiner nimmt sein Metier so augenzwinkernd auf die Schippe. Er parodiert das ganze Rateteam von "Was bin ich?", gibt den schmallippigen Zoodirektor Grzimek und die britische Königsfamilie inklusive einer angesäuselten Queen Mum. Er ist der König der Unterhaltung.

Die Krise kommt mit dem Tod seiner Frau 2003, der endgültige Rückzug nach dem Unfalltod seiner Tocher Susanne sechs Jahre später. Als sein Weggefährte Rademann zum 70. Geburtstag 2004 im Fernsehen geehrt wird, schickt der acht Jahre Ältere eine Videobotschaft, am Schreibtisch sitzend, aus dem verdunkelten Zimmer heraus.

Er erinnert an alte Zeiten, erzählt, wie er seinem Freund das Schwimmen beibrachte, zitiert aus einem Brief Rademanns an ihn, den Star: "Einen Besseren hätte ich nicht finden können." Zum Schluss ein leises: "Servus, Wolfgang." Im Saal wischen sie sich die Tränen ab.

Wolfgang Rademann wird einer der Letzten sein, der den völlig zurückgezogen lebenden Alexander vor seinem Tod 2011 noch in Wien besucht. Haushälterin Eva wird den Freunden Schweinebraten mit Klößen servieren. Rademann: "Bis um sechs Uhr konnte man mit Peter reden, dann wurde er unruhig. Um sieben Uhr wurde gegessen. Wir sind Kriegskinder – Essen war uns beiden heilig."

Lebensstationen von Peter Alexander

• 1926: Kindheit
Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer wird in Wien geboren. Vater Anton ist Bankangestellter, Mutter Berta Hausfrau. Der Junge interessiert sich früh für Musik, schwärmt später für Wagner-Opern.

• 1955: "Liebe, Tanz und 1000 Schlager"
In diesem Musikfilm spielt Alexander mit Caterina Valente. Die beiden sollen als Traumpaar aufgebaut werden, doch Alexanders Ehefrau Hilde ist dagegen.

Caterina Valente und Peter Alexander
Caterina Valente und Peter Alexander in dem deutschen Spielfilm "Liebe, Tanz und 1000 Schlager". - Foto: © picture alliance/Keystone

• 1958: Perfektes Team
Peter Alexander mit seiner Frau Hilde und seiner Tochter Susanne, die gerade 24 Stunden alt ist, im Rudolfiner-Krankenhaus, Wien, 29.08.1958.

Hilde und Peter Alexander
Foto: © picture alliance/Keystone

• 1960: "Im weißen Rössl"
Peter Alexander will Schauspieler werden und absolviert das renommierte Max Reinhardt Seminar in Wien "mit Auszeichnung". Er spielt in zahlreichen Komödien mit, hier in "Im weißen Rössl" mit Waltraut Haas. Als Oberkellner Leopold gibt er eindrucksvolle Kostproben seines komischen Talents.

• 1961: "Die Abenteuerdes Grafen Bobby"
Peter Alexander steppt als Bobby mit Freund Mucki (Gunther Philipp). Als der Perfektionist eine Szene wiederholen will, mault Regisseur Géza von Cziffra: "Mach's nicht zu gut, sonst passt es nicht zum Rest."

• 1963: "Charleys Tante"
Der Plot ist ihm auf den Leib geschrieben: Seinem Freund zuliebe schlüpft der Diplomat Dr. Otto Wilder (Peter Alexander) in die Rolle der reichen Erbtante. Die Verwicklungen sind programmiert.

Peter Alexander in Charleys Tante
Maria Sebaldt und Peter Alexander in dem deutschen Spielfilm "Charleys Tante". - Foto: © picture alliance/Keystone

• 1969 - 1978: "Peter Alexander präsentiert Spezialitäten"
Von 1969 bis 1978 beweist Peter Alexander im ZDF, dass er ein Publikumsmagnet ist. Der Entertainer holt berühmte Kollegen in seine Show – und natürlich müssen sie alle mit ihm singen.

Peter Alexander präsentiert Spezialitäten
Anneliese Rothenberger mit dem Gastgeber Peter Alexander während der Aufzeichnung der Show "Peter präsentiert Spezialitäten" am 22.10.1970 in Hamburg. - Foto: © picture-alliance / Dieter Klar

In diese Zeit fällt auch einer seiner größten Hits: "Die kleine Kneipe in unserer Straße". Der Entertainer bekennt sich stets zum bürgerlichen Leben. Dass er ein leidenschaftlicher Jazzpianist und - sänger ist und Angebote aus den USA hat, bleibt sein Geheimnis.

• 1975: Hobby
Der große Entertainer, der auf der Bühne nur so vor Temperament sprüht, ist privat eher introvertiert und scheu. Sein liebstes Hobby: Fliegenfischen. Zum Angeln reist Peter Alexander trotz seiner ausgeprägten Flugangst bis nach Kanada.

Peter Alexander beim Angeln
Anglerglück: Stolz zeigt Peter Alexander den kapitalen Hecht, den er an Land gezogen hat. Undatierte Aufnahme. - Foto: © dpa - Bildarchiv

• 1980: GOLDENE KAMERA
Allein dreimal erhält Peter Alexander die GOLDENE KAMERA von HÖRZU, hier in einer XXL-Ausgabe: Die Leser der Zeitschrift hatten ihn zum "größten Fernsehstar aller Zeiten" gewählt.

Peter Alexander mit der Goldenen Kamera
Peter Alexander mit der Goldenen Kamera als "Superstar" am 22.02.1980 in Berlin. . - Foto: © picture-alliance / Chris Hoffmann

• bis 1987: "Die Peter Alexander Show"
Federleichte Eleganz und eine bis dato unbekannte Vielseitigkeit zeichnen den Entertainer aus. "Die Peter Alexander Show" mit vielen Stargästen läuft ab 1963 im WDR und von 1969 bis 1987 dann im ZDF.

Autor: Angela Meyer-Barg