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Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) messen sich live im Fernsehen. / Foto: © dpa

Das große Kanzlerduell im TV

''Merkel gegen Steinbrück''

Kanzlerin gegen Kandidat, CDU gegen SPD, Frau gegen Mann: Am 1. September ist es so weit. Zur besten Sendezeit um 20.30 Uhr übertragen vier Kanäle (Das Erste, ZDF, RTL und ProSieben) zeitgleich das TV-Duell zwischen Amtsinhaberin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück. HÖRZU hat bereits im Vorfeld wichtige Details erfahren.


Sendehinweis: ''Merkel gegen Steinbrück''

Live auf vier Sendern
SO 1.9., Das Erste, ZDF, RTL , PROSIEBEN , 20.30 Uhr


1. Wie groß ist das Publikumsinteresse?
Eine Exklusiv-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid für HÖRZU ergab: 52 Prozent der Zuschauer wollen einschalten, wenn Steinbrück gegen Merkel antritt. Das ist ein Spitzenwert.

2. Warum gibt es wieder nur ein TV-Duell?
TV DIGITAL fragte Merkels Wahlkampfteam, warum die Kanzlerin seit 2005 "aus Zeitgründen" ihre Teilnahme an zwei TV-Duellen ablehnt, andererseits aber für Sendungen wie Peter Kloeppels Format "Meine Wahl: An einem Tisch mit Angela Merkel" am 25. August zur Verfügung steht.

Die Antwort von Dr. Elke Ramlow vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: "Die Bundeskanzlerin ist überzeugt, dass ein TV-Duell den geeigneten Raum bieten wird, über alle Fragen und Themen zu debattieren. Sie sah deshalb keinen Grund, von der Tradition der Bundestagswahlen 2005 und 2009 abzuweichen." Fakt ist aber: Merkels Vorgänger nahmen sich Zeit für zwei Duelle, die "Tradition" hat Merkel selbst eingeführt.

Jo Groebel
Medienexperte Dr. Jo Groebel (Foto: © picture alliance/Eventpress)

3. Was ist dann der wahre Grund?
Medienexperte Dr. Jo Groebel meint: "Merkels Entscheidung ist absolut richtig – aus ihrer Sicht. Je weniger Raum sie dem Kontrahenten bietet, desto weniger wird er als gleichwertig angesehen. Taktisch ist es aber genauso richtig, dass die Opposition zwei Duelle fordert."

4. Welcher Moderator bringt die Politiker am besten aus dem Phrasen-Takt?
Für die ARD fragt Anne Will, fürs ZDF Maybrit Illner. RTL wird von Peter Kloeppel vertreten, ProSieben schickt Stefan Raab ins Rennen. Medienforscher Groebel bewertet die Moderatoren so: "Stefan Raab sehe ich sehr kritisch, weil die Gefahr sehr groß ist, dass man mehr über ihn als über die Kanzlerkandidaten spricht. Mit seinen Polittalks hat er keinen Erfolg gehabt, für mich ist Raab daher suboptimal. Maybrit Illner hat großes Potenzial, Phrasen zu sprengen. Generell finde ich es nicht gut, wenn mehr über die Performance und den Show-Effekt des Kanzlerduells gesprochen wird als über Parteiprogramme."

5. Wie bereiten sich die Moderatoren vor?
Peter Kloeppel erklärt HÖRZU: "Natürlich setzen wir uns in den Teams zusammen. Wir vier Moderatoren bilden zwei Unterteams: Maybrit Illner und ich sowie Anne Will und Stefan Raab. In diesen Teams tauschen wir uns zwei bis drei Wochen vor dem Duell intensiver aus und überlegen uns Fragen. Aber wir schauen auch, wo wir Unterschiede herausarbeiten können zwischen den beiden Kanzlerkandidaten. Es ist ja das Entscheidende des Duells, dass sich die Zuschauer ein Bild machen können von Merkels und Steinbrücks Positionen. Unsere Aufgabe ist es, diese Unterschiede aufzuzeigen."

Die Moderatoren des Kanzlerduells
Stefan Raab, Anne Will, Maybrit Illner und Peter Kloeppel moderieren das große Duell. (Foto: © picture alliance/Eventpress)

6. Welche Fragen bringen die Duellanten wirklich ins Schwitzen?
Jung, Guttenberg, Brüderle, Roettgen, Schavan – die Kanzlerin musste etliche Minister, teils wegen peinlicher Affären, ersetzen. Jo Groebel meint deshalb: "Merkel könnte die Frage nach all den Ministern, zu denen sie ‚vollstes Vertrauen‘ hatte und die dennoch ihren Hut nehmen mussten, aus der Ruhe bringen. Ebenfalls weniger willkommen sind Fragen zur NSA und warum Merkel nicht zu wissen scheint, was die deutschen Geheimdienste machen. Steinbrück würde die Frage nach der Beherrschung seines Temperaments ein bisschen Mühe bereiten – und wie er das mit politischer Diplomatie verbinden will."

7. Welche Herausforderungen warten auf den Regisseur?
Volker Weicker verantwortet die Kandidatenduelle schon seit 2002. Er sagt: "Keinen Fehler zu machen. Würde ein Mikrofon ausfallen, würden die Journalisten sofort mit Kaffeesatzleserei beginnen und daraus Intentionen ableiten. Aber ich bin mir sicher, die Technik wird funktionieren. Uns werden da keine Fehler unterlaufen."

8. Wie viele Kameras sind im Einsatz?
Regisseur Volker Weicker: "Die finale Produktionsbesprechung steht derzeit noch aus. Momentan rechne ich mit acht bis neun Kameras."

9. Wie viele Zuschauer sind im Studio dabei?
Gar keine. Volker Weicker erklärt, warum das so ist: "Wir haben uns gegen ein Studiopublikum entschieden. Darauf haben sich alle Beteiligten 2002 festgelegt. Meiner Meinung nach könnte das Duell etwas lockerer über die Bühne gehen – aber man hat sich nun mal auf gewisse Regeln verständigt."


Die große HÖRZU-Umfrage zum Kanzler-Duell:

HOERZU-Umfrage


10. Welche Regeln gelten ansonsten?
Die Regie verzichtet auf Großaufnahmen – wie etwa Zooms auf aufgerissene Augen oder verschwitzte Gesichter – , um die Duellanten nicht schlecht aussehen zu lassen. Weicker sieht sich selbst als Dokumentator, der die Zuschauer nicht manipulieren will. Während des TV-Duells sind Merkels und Steinbrücks Berater nicht im Studio dabei. Und sogar die Raumtemperatur ist geregelt: "Es herrscht eine Wohlfühltemperatur für alle agierenden Personen", so der Regisseur. Dazu zählen übrigens neben Kandidaten und Moderatoren die Kameramänner, ein Maskenbildner, ein Aufnahmeleiter, Kabelhilfen, ein Assistent, der Wasser nachschenkt – insgesamt 20 bis 25 Personen.

Für die Duellanten gibt es festgelegte Redezeitkonten, die ausgewogen bleiben müssen. Angela Merkel, die kleiner ist als ihr Herausforderer, wird mit einem für die Zuschauer nicht sichtbaren Podest auf Augenhöhe gebracht. Wer im Bild rechts oder links steht, wer den Auftakt macht und wer am Ende des Duells das letzte Wort hat – darüber müssen sich Parteien und Sender noch einigen.

11. Warum wird dieses Duell So spannend?
Medienexperte Groebel meint: "Weil aus mehreren Gründen mit harten Attacken zu rechnen ist. 2009 standen sich mit Merkel und Steinmeier zwei Kontrahenten gegenüber, die am liebsten zusammen die nächste Regierung gebildet hätten. Das TV-Duell 2009 war ein ‚höfliches Gespräch‘. Das ist diesmal anders. Steinbrück hat sich vom Thema ‚Große Koalition‘ verabschiedet, was nicht heißt, dass sie nicht gebildet werden könnte. Er hat sich klar als ‚Alles oder nichts‘-Kandidat positioniert und fährt einen Macho-Kurs. Insofern erwartet die TV-Zuschauer eine toughe Auseinandersetzung."

12. Wer entscheidet, wer Sieger ist?
"Sehr stark die Presse", sagt Jo Groebel. "Diesmal werden wir einen ‚Second Screen‘-Wahlkampf haben, eine parallel laufende, audiovisuelle Geschichte auf Facebook, Twitter und Youtube. Ebenso wichtig werden die Bewertungen in den Anschlusssendungen der TV-Sender sein – und das, was die News-Ticker vermelden. Das können jene Faktoren sein, die über ein bis zwei Prozent der Wählerstimmen entscheiden."


Die Wahl 2013: So berichtet das Fensehen

Am 22. September wird gewählt – im TV aber läuft der Vorwahlkampf schon auf Hochtouren. Wo sind die besten Hintergrundberichte, Interviews und Gesprächsrunden zu finden? HÖRZU hat die Vielfalt für Sie vorsortiert – und fünf bereits jetzt feststehende Formate ausgewählt.

Übrigens: Allen Unentschlossenen empfiehlt HÖRZU den Wahl-O-Mat im Internet: www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat. Dort kann man ab 29. August Fragen aus allen Gesellschaftsbereichen beantworten. Der Wahl-O-Mat verrät dann, mit welcher Partei die persönlichen Präferenzen am ehesten deckungsgleich sind. Eine gute Orientierung für die Stimmabgabe.

''Günther Jauch'' (SO, 1.9., ARD, 22.00 Uhr)
In Jauchs Polittalk wird intensiv über das TV-Duell diskutiert.

''Wie geht’s, Deutschland?'' (DI, 3.9., ZDF, 20.15 Uhr)
Spitzenpolitiker diskutieren mit Marietta Slomka.

''Precht : Politik ohne Plan – Wer denkt an die Zukunft?'' (SO, 8.9., ZDF, 0.05 Uhr)
Mit Richard David Precht

''Wahl 2013: Die Runde der Spitzenkandidaten'' ( DO, 19.9., ARD, ZDF 20.15 Uhr)
Die wichtige "Elefantenrunde"

''Tag der Entscheidung – Deutschland wählt'' (SO, 22.9., n-tv, 12.00 Uhr)
Live aus den Wahlkreisen

Autor: Mike Powelz