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Der ehemalige und der neue "Wetten, dass ..?"-Moderator.

Der ehemalige "Wetten, dass ..?"-Moderator Thomas Gottschalk (links) und sein Nachfolger Markus Lanz. - Foto © picture alliance / dpa

Exklusiv-Interview

Markus Lanz über seine "Wetten, dass..?"-Premiere

Es ist das TV-Ereignis des Jahres: Mit Spannung wird die "Wetten, dass...?"-Premiere von Moderator Markus Lanz am 6. Oktober in Düsseldorf erwartet. Pikant: Sein Vorgänger Thomas Gottschalk wird als Juror der RTL-Show "Das Supertalent" zu seinem größten direkten Konkurrenten.

Im Interview mit HÖRZU spricht der Südtiroler zum ersten Mal ausführlich über seine Pläne bei "Wetten, dass ..?" und verrät, was er über Thomas Gottschalks Wechsel zu RTL denkt.

HÖRZU: In unserem ersten Interview nach Ihrem Wechsel zum ZDF 2008 fragte ich Sie, wofür Sie sich entscheiden würden, wenn man Ihnen "Wetten, dass ..?" oder das "heute-journal" anböte. Ihre Antwort war ohne zu zögern: "'heute-journal'. Ich bin Journalist."

Markus Lanz: Damals habe ich es genau so gesehen, aber das ZDF hat Claus Kleber. Und ich schaue dem wahnsinnig gern bei der Arbeit zu – insofern: alles gut! Mir fällt übrigens ein: Als ich meine allererste Sendung fürs ZDF machte, die Gala zum 80. Geburtstag von Karlheinz Böhm, da hatte Claus Kleber Dienst. Ich kam raus und sagte: "Beim ZDF läuft das so: Wer fünf Minuten überzieht, kriegt Ärger mit Claus Kleber. Und wer eine halbe Stunde überzieht, kriegt 'Wetten, dass ..?'." Offenbar haben wir sehr lange gesendet. Im Ernst: Ich freue mich, dass das ZDF mir das zutraut, bin aber demütig genug zu wissen, dass es auch schiefgehen kann.


Markus Lanz: Der Junge aus Südtirol

1969 kommt Lanz in Norditalien zur Welt, dort wächst er auch auf. Als er 14 Jahre alt ist, stirbt sein Vater an Leukämie.
1988 Wehrdienst. Nebenbei jobbt Markus Lanz bei einem Radiosender.
1993 Zweijähriges Volontariat bei Radio Hamburg.
1995 Moderator bei RTL. Erst Nachrichten, ab 1998 präsentiert er "Explosiv".
2008 Wechsel zum ZDF, eigene Talkshow. Nun übernimmt er "Wetten, dass ..?" und "Menschen 2012".


HÖRZU: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie jetzt an "Wetten, dass ..?" denken?

Markus Lanz: Mittlerweile sind die ersten Panikattacken einer großen Freude gewichen. Ich freue mich auf den Moment, am 6. Oktober auf die Bühne rauszugehen. Neulich schrieb mir Frank Plasberg sinngemäß, dieses ganze Gezerre um die Nachfolge sei im Nachhinein irgendwie seltsam gewesen, denn von dieser Sendung gehe noch immer ein großer Zauber aus. Ich finde, damit hat er recht.


Die Macher von "Wetten, dass ..?"

Moderator Markus Lanz (43) ist das neue Gesicht der ZDF-Show "Wetten, dass ..?". Im Hintergrund ziehen andere die Strippen: HÖRZU präsentiert die wichtigsten Köpfe hinter den Kulissen von Europas erfolgreichster Unterhaltungsshow:

Regisseur Volker Weicker (55) dirigierte die Kameras bisher schon bei "Markus Lanz", "DSDS", Kanzlerduellen oder bei Spielen der deutschen Fußball-Elf.
Der Studiodesigner Florian Wieder (44) entwirft die Bühne. Er ist Emmy-Preisträger, arbeitet unter anderem für "DSDS", RTL.
Der Produzent Markus Heidemanns (47) und Markus Lanz produzieren die Show gemeinsam mit ihrer Firma mhoch2.
Der Unterhaltungschef Oliver Fuchs (44) ist neuer ZDF-Unterhaltungschef. Zuvor war er Produzent (u. a. "Rachs Restaurantschule", RTL).
ZDF-Intendant Thomas Bellut (57) machte Markus Lanz zum Moderator von "Wetten, dass ..?".


HÖRZU: Wie weit sind die Vorbereitungen?

Markus Lanz: Wir arbeiten an vielen Ecken, beispielsweise auch an der Deko. Wir versuchen, die große Distanz, die es da immer gab, ein wenig zu brechen und näher an das Publikum heranzurücken – wenn Sie so wollen: mehr mittendrin statt nur dabei. Natürlich schauen wir uns auch laufend neue Wetten an und reden über Gäste. Das alles ist im Fluss.

HÖRZU: Wen möchten Sie auf dem neuen Sofa unbedingt begrüßen?

Markus Lanz: Gerhard Schröder. Ich finde, der fehlt im Moment.

HÖRZU: Werden Sie mit Ihren Gästen Musik machen? Immerhin haben Sie als Schüler damit Geld verdient.

Markus Lanz: Ich habe immer davon geträumt, mal mit Lionel Richie Musik zu machen. Das wäre ein Knaller! Aber so etwas muss sich ergeben. Will heißen: Er müsste einen sehr toleranten Tag haben.

HÖRZU: Lionel Richie würde singen, und Sie begleiten ihn am Klavier?

Markus Lanz: Das ist im Zweifel die bessere Variante. Denn noch schlechter als Klavier spielen kann ich singen. Wobei: Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken. Ich kann ein bisschen Noten lesen. Und ich hatte immer Freude am Singen. Die Frage ist nur, ob alle anderen die dann auch haben.

HÖRZU: Was während der Sendung passiert, haben Sie weitgehend in der Hand. Wie sieht es im Vorfeld aus? Wie groß ist Ihr Mitspracherecht bei den Neuerungen?

Markus Lanz: Das ist Teamarbeit. Wir sitzen in einer Runde von etwa zehn Leuten zusammen: die Kollegen aus der "Wetten, dass ..?"-Redaktion, der Fernsehproduzent Markus Heidemanns und auch der Regisseur Volker Weicker. Der Kreis ist nicht groß, aber sehr fein.

HÖRZU: Wird Frank Elstner, der Erfinder der Sendung, seine Show noch erkennen?

Markus Lanz: Ja, mit Sicherheit. Wir treffen uns demnächst mit ihm, um uns auszutauschen. Er drohte bereits mehrfach an, in seinen Keller zu gehen und von dort einen Sack Wetten zu holen. Wir alle schätzen ihn sehr. Ein Profi, ein feiner Mensch obendrein.

HÖRZU: Was ist größer: die Chance, zu gewinnen und das erfolgreichste Fernsehgesicht zu werden, oder das Risiko zu scheitern?

Markus Lanz: Beides gleichermaßen, wobei die Frage ist, wie man Erfolg genau definiert. In den Medien lese ich im Augenblick viel über Zahlen, über Quoten, über Marken, die man zu erreichen hat. Ich lese von sogenannten Kampfansagen anderer Sender, und dann denke ich jedes Mal: Man kann das alles unter diesem rein zahlentechnischen Aspekt sehen. Man kann es aber auch mal anders betrachten: Es geht doch darum, eine tolle Sendung zu machen, eine, die die Zuschauer begeistert, die die Gäste begeistert und die auch uns begeistert.

HÖRZU: Was wünschen Sie sich für die erste Sendung in Düsseldorf?

Markus Lanz: Dass wir neben allem Spaß auch mal ein bisschen Tiefgang an der einen oder anderen Stelle hinkriegen. Und dass wir zum Kern von "Wetten, dass ..?" zurückfinden: Da ist jemand, der irgendwo im Westerwald eine grandiose Idee hatte, und dann kriegt er fünfzehn Minuten für den Auftritt seines Lebens. Natürlich spielen die Gäste eine große Rolle: Wen kriegen wir? Wer passt zu wem? Wir können Menschen zusammenbringen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zusammenpassen, um dann etwas entstehen zu lassen, was man am Reißbrett nicht planen kann. Die Talkshow ist diesbezüglich durchaus eine Spielwiese, auf der wir vieles ausprobieren können.

HÖRZU: Gab es einen Glückwunsch zur Sendung, der Sie besonders gefreut hat?

Markus Lanz: Ja, abgesehen von Gratulationen aus dem privaten Umfeld gab es einen – da war ich baff. Kurz vor der Entscheidung war Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner in unserer Talkshow. Tage später kam plötzlich eine SMS mit den Worten: "Wetten, dass das gut wird?" Darüber habe ich mich wirklich gefreut.

HÖRZU: Hat Ihr Vorgänger Thomas Gottschalk Ihnen damals eigentlich auch einmal gratuliert?

Markus Lanz: Nicht direkt, aber indirekt. Er hat sich ja mehrfach öffentlich sehr wohlwollend geäußert. Das hätte er nicht tun müssen, und deshalb fand ich es gut. Dass er nicht angerufen hat, liegt schlicht daran, dass er meine Nummer nicht hat. Wir kennen uns wirklich nur sehr flüchtig. Trotzdem weiß ich zum Beispiel auch, dass er ab und an in unsere Talkshow reinschaut. Und ich tue jetzt einfach mal so, als sei das ein Kompliment.

HÖRZU: Wie sehr hat es Sie überrascht, dass Gottschalk in die Jury der Show "Das Supertalent" zu RTL wechselt?

Markus Lanz: Das hat jeden in der Branche überrascht. Bis dahin hatte ich das Gefühl, dass es für ihn bestimmte Leitplanken gab, zwischen denen er sich bewegte. Aber irgendwie haben wir da offenbar alle eine Ausfahrt übersehen.

HÖRZU: Was meinen Sie damit genau?

Markus Lanz: Die Leute haben bei ihm immer gespürt, dass er nicht nur ein Entertainer und Paradiesvogel war, sondern auch jemand, der für eine Form der Unterhaltung stand, die völlig frei war von Sarkasmus oder gar Zynismus. Bei ihm wusstest du: Egal wie dusselig du dich anstellst – hinterher gibt’s immer ein Gummibärchen.

HÖRZU: Gottschalk wird als "Supertalent"-Jurymitglied zu Ihrem direkten Konkurrenten. Setzt Sie das stärker unter Druck?

Markus Lanz: Ich zwinge mich, mir darüber keine größeren Gedanken zu machen. Und zwar deshalb nicht, weil es nichts ist, was ich auch nur ansatzweise beeinflussen könnte. Aber natürlich wird das schwer, und wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Zeiten, in denen die Konkurrenz "Wetten, dass ..?" richtiggehend ausgewichen ist, vorbei sind. Früher lief im Ersten parallel ein uralter James Bond. Da wurde nur gerührt. Heute wirst du geschüttelt.

HÖRZU: Vielen Dank, Markus Lanz, für das Interview.

Autor: Mirja Halbig