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Weltstar Mario Adorf spricht kurz vor seinem 80. Geburtstag mit HÖRZU.

Weltstar Mario Adorf spricht kurz vor seinem 80. Geburtstag mit HÖRZU. / Foto: © picture-alliance / ZB / Foto Flashbühne: © picture-alliance / dpa

Zum 80. Geburtstag

Mario Adorf im Interview

Er ist einer der wenigen deutschen Weltstars. Und er begeht am 8. September seinen 80. Geburtstag. Zwei Tage später wird sein neuer Film "Der letzte Patriarch" zu sehen sein. HÖRZU traf GOLDENE-KAMERA-Preisträger Mario Adorf zu einem Exklusiv-Gespräch über wichtige Ereignisse und Erkenntnisse seines Lebens – von A bis Z.

HÖRZU: Ist das Alter eine Plage?

Mario Adorf: Noch hat – wie Shakespeare sagt – das Alter mit dem "schleichenden Schritt" mich nicht gepackt mit der Faust. Weshalb ich mich nicht beklage. Aber ich würde sagen, dass die Aussicht auf das zunehmende Alter keine gute ist. In diesem Zusammenhang fällt mir meine Mutter ein. Als ich ihr einmal sagte: "Mama, du wirst noch 20 Jahre älter!" – was dann auch stimmte –, antwortete sie: "20 Jahre älter interessiert mich nicht! 20 Jahre jünger, das wäre was!" Wenn es auf ein immer absehbareres Ende zugeht, ist das nicht berauschend.

HÖRZU: Sie haben oft den Bösewicht gespielt. Warum eigentlich?

Mario Adorf: Ich komme vom Theater. Dort sind die bösen Rollen immer die guten: In Schillers "Die Räuber" ist der berechnende Franz Mohr besser zu spielen als Karl Mohr, in Shakespeares "Othello" der intrigante Jago. Das Böse fasziniert die Menschen mehr als das Gute.

HÖRZU: Welche Charaktereigenschaft schätzen Sie an sich nicht so sehr?

Mario Adorf: Erst mal zu den guten Eigenschaften: Ich mag an mir, dass ich kein "Lunatiker" bin – kein Mensch, der nach dem Mond geht, kein schwankender Charakter. Das ist mir zuwider. Was ich nicht an mir mag? Jähzorn. Er ist manchmal in mir, ich habe ihn immer bekämpft. Aber mitunter werde ich laut und böse. Das hasse ich an mir. Es ist eine Schwäche, die ich möglichst im Griff haben will.

HÖRZU: Sie haben einmal Kokain probiert. Wie ist Ihre Haltung gegenüber Drogen?

Mario Adorf: Unkontrollierter Rausch ist mir fremd – da bin ich zu sehr "rationaler Italiener". Drogen habe ich mal ausprobiert, in Peru, gemeinsam mit Mick Jagger von den Rolling Stones. Es gab mir nichts. Joints habe ich nie geraucht.

HÖRZU: Ihre schönsten Erinnerungen?

Mario Adorf: Die 60er-Jahre in Rom: Dolce vita pur! Es war eine leichte, sorglose Zeit, in der man sich nur ausleben und das Leben genießen konnte.

HÖRZU: Ihr denkwürdigster Film?

Mario Adorf: "Die Blechtrommel", wegen der Bedeutung.

HÖRZU: IWie wichtig ist Ihnen Geld?

Mario Adorf: Es hat für mich keinen Eigenwert. Geld war für mich nie dazu da, vermehrt zu werden, sondern allein dazu, Dinge zu beschaffen, die ich zu einem angenehmen Leben brauche. Es ist zum Ausgeben da, nicht zum Sparen.

HÖRZU: Sie waren in der Hitlerjugend – im Fähnlein Widukind. Wie war das damals?

Mario Adorf: Anfänglich genoss ich diese Zeit, war Mitglied einer Gruppe, in der harmlose Spiele veranstaltet wurden – auch wenn es Kriegsspiele waren. Außerdem war ich in einem Musikkorps, in einem Fanfarenzug. Nach Kriegsende hatte ich das Gefühl, an etwas Falsches geglaubt zu haben. Letztlich war ich nie ein fanatischer Hitler-Verehrer. Ich mochte Hitler nicht – wegen seiner Stimme, weil er so schrie. Andererseits war ich ein folgsamer Pimpf. Beim letzten Einsatz des Volkssturms gab man mir zwei Panzerfäuste, um damit auf US-Panzer zu schießen. Ich hätte es gemacht. Gott sei Dank war da ein Unteroffizier, der sagte: "Das war’s, der Krieg ist zu Ende. Waffen weg, ab nach Hause zu Mutti!"

HÖRZU: Geben Sie gern Interviews?

Mario Adorf: Zum Teil genieße ich sie. Sie zwingen mich, über mich nachzudenken, mich spontan zu äußern. Insofern sind sie auch nützlich.

HÖRZU: Warum ist Jazz Ihre Lieblingsmusik?

Mario Adorf: Jazz gehörte zu meiner Jugend und war die Musik, die ich liebte. Später wurde die Begeisterung durch Popmusik wie die der Beatles abgelöst. Die heutige rhythmische Musik greift meinen Magen an, weil sie so hämmert. Daher bin ich zur italienischen Oper zurückgekommen – und vor allem zu Mozart.

HÖRZU: Die größte Krise in Ihrem Leben?

Mario Adorf: Ich hatte keine. Das ist die Wahrheit.

Autor: Mike Powelz