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Luis Trenker und Leni Riefenstahl

Luis Trenker (Tobias Morett) und Leni Riefenstahl (Brigitte Hobmeier).
Foto: © BR/Roxy Film/Christian Hartmann

Luis Trenker

Legende im Zwielicht

Er war Schauspieler, Regisseur - und Intrigant? Der TV-Film "Luis Trenker: Der schmale Grat der Wahrheit" zeigt die düstere Seite des Bergfilmstars.

Die Schreibmaschine klappert. Der Autor ist offensichtlich sehr von sich begeistert. Mit hochrotem Kopf vollendet er sein Werk - und klatscht, als sein dickes Manuskript endlich fertig ist, enthusiastisch in die Hände. Dann trimmt er das blütenweiße Papier mit Schweineschmalz und Staub auf alt - und freut sich über seine raffinierte Fälschung mit dem Titel "Das geheime Tagebuch der Eva Braun".

Luis Trenkers düsteres Geheimnis

Später wird der Mann aus dieser Filmszene die getürkte Autobiografie von Hitlers Ehefrau einem mächtigen Hollywoodproduzenten anbieten - um endlich in der ganzen Welt berühmt zu werden. Doch der Mann, der hier gezeigt wird, ist kein unbekannter Fälscher - sondern ein großer Star der 30er-Jahre. Es handelt sich um den Südtiroler Leinwandhelden Luis Trenker (1892 - 1990), der mit Filmen wie "Der Berg ruft" die Zuschauer begeisterte.

Der Mann mit dem wettergegerbten Gesicht ist auch 25 Jahre nach seinem Tod immer noch im Gedächtnis vieler Menschen - als Schauspieler, Regisseur und Bergsteigerlegende. Doch er hütete auch ein düsteres Geheimnis, das jetzt im TV-Film "Luis Trenker: Der schmale Grat der Wahrheit" (Mi., 18.11., 20.15 Uhr, Das Erste) enthüllt wird. Denn der renommierte Drehbuchautor Peter Probst ("Die Hebamme: Auf Leben und Tod") beleuchtet Trenkers Karrieresucht und seine Amour fou mit Leni Riefenstahl (1902 - 2003). Das Paar verband Leidenschaft und Sex, aber auch Opportunismus und Rache.

War Riefenstahl Hitlers Geliebte?

Die Story des Films ist schnell erzählt: 1948 reist Luis Trenker (Tobias Moretti, "Das Zeugenhaus") nach Venedig. Bei den Filmfestspielen bietet er Hollywood Eva Brauns gefälschte Tagebücher an. Gleichzeitig ziehen Brauns Eltern in München vor Gericht, um gegen das Buch zu klagen. Dabei tritt auch Leni Riefenstahl (Brigitte Hobmeier, "Marias letzte Reise") als Nebenklägerin auf. Sie widerspricht "Eva Brauns Behauptung", Hitlers Geliebte gewesen zu sein. Nach und nach wird daraufhin Trenkers Motiv für die Lügen aufgedeckt - und der Zuschauer erfährt, dass er sich an Riefenstahl rächen wollte, weil sie ihn zuvor als Karrieresprungbrett benutzt hatte.

Wahrheit und Fiktion

Doch haben sich all diese Ereignisse wirklich so zugetragen? Historisch belegt ist, dass Trenker 1948 tatsächlich ein 96-seitiges Manuskript veröffentlicht, das er als Tagebuch Eva Brauns anpreist. Als die Zeitung "Wochenend" daraus Auszüge druckt, erheben Brauns Eltern Klage vor dem Landgericht München. Riefenstahl schließt sich als Nebenklägerin an. Doch das Urteil vom
10.9.1948 bezweifelt Trenkers Fälschung: Die Richter befinden, dass das Tagebuch "aus der Feder eines unbekannten Autors" stamme - von Eva Braun sei es jedenfalls nicht geschrieben worden.

Inzwischen, so der Drehbuchautor Peter Probst, sei die Sachlage klar: "Luis Trenker stellte sich als Paradefall eines opportunistischen Künstlers heraus. Seine aus den Erfolgen in der Anfangszeit des NS-Regimes entstandene Hybris musste er erst ganz am Ende der zwölf Jahre büßen. Nach dem Krieg hatte er die Chuzpe, ein eilig gefälschtes Tagebuch Eva Brauns an die Öffentlichkeit zu bringen. Später hat er das als Jux abgetan. Das finde ich mehr als befremdlich." Und was sagt Tobias Moretti? "Trenkers Filme empfand ich früher schon als absurd - aber dennoch faszinierend in ihrem dramatischen Anspruch."

Autor: Mike Powelz