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Volker Herres

Der Programmdirektor für das Erste, Volker Herres. - Foto: © dpa

Das Erste im Check

Kein Platz für Dokus im TV-Programm?

Sie laufen spät, sie laufen selten, sie werden im Sommerloch versenkt: Dokumentationen haben im Ersten keinen guten Stand.

Das moniert zumindest die AG Dok, der Berufsverband der unabhängigen deutschen Dokumentarfilmschaffenden. "Das Erste versucht, mit Unterhaltungsfilmen der Quote hinterherzuhecheln, obwohl es seine Aufgabe ist, ein vielfältiges Angebot zur gesellschaftlichen und politischen Willensbildung anzubieten", sagt deren Geschäftsführer Thomas Frickel. Bei der ARD klingt das ganz anders: "Dokumentationen und Reportagen gehören zu unserem Kernprogramm", behauptet Programmdirektor Volker Herres.


TV-Tipp

Mo., 3.8.: "Die Tierdiebe" - Reportage über Wilderer in Deutschland. Aus der Reihe "Exklusiv im Ersten", Das Erste, 22.00 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm)


Wie ist es um die Dokus im Ersten wirklich bestellt?

Der Streit beginnt schon damit, was eigentlich eine Doku ist. Die ARD rechnet in ihrer Sendestatistik etwa Ratgeberformate aus der "Check"-Reihe und den Jahresrückblick zur Kategorie Dokumentationen und Reportagen. "So werden Statistiken aufgehübscht", kritisiert Frickel. "Uns geht es um klassische Dokumentarfilme, etwa über geschichtliche Themen."

Die laufen natürlich auch im Ersten - allerdings nicht immer auf den Sendeplätzen, die sich die AG Dok wünscht: etwa im Sommerloch. "Es wäre schön, wenn man die Dokus nicht nur in die Zeit verlegt, in der die Leute im Biergarten sitzen und die Talkshow-Moderatoren im Urlaub sind", klagt Frickel.

Hinzu kommt: Oft zeigt die ARD Dokus erst nach 22 oder 23 Uhr - für viele Menschen zu spät. Herres entgegnet: "Die Bereitschaft der Zuschauer, sich mit schwierigen, harten Themen auseinanderzusetzen, ist am späteren Abend größer." Andere Dokus landeten im Nachmittagsprogramm am Wochenende: So musste die Reihe "Erlebnis Erde" im letzten Jahr ihren Montagstermin um 20.15 Uhr räumen. Erst nach Zuschauerprotesten reagierte die ARD und plant für 2016 eine Rückkehr auf den alten Sendeplatz. Das zeigt: Naturfilme sind im Hauptabendprogramm erwünscht.

Viel Unterhaltung, wenig Wissen

Insgesamt sieht sich der Sender im Dokubereich gut aufgestellt. "Der Doku-Anteil im Ersten ist so hoch wie bei keinem anderen großen Sender," so Herres. Nach eigenen Angaben strahlte Das Erste im Jahr 2014 in der Hauptsendezeit ab 20.15 Uhr insgesamt 127 Stunden lang Dokus und Reportagen aus. Das klingt viel, sind pro Abend aber nur knapp 21 Minuten. Reicht
das? Ja, findet Herres: "Was den Genremix angeht, haben wir ein sehr vernünftiges Verhältnis." Nein, meint dagegen die AG Dok. "Das ist zu wenig für einen Sender mit den Ansprüchen der ARD", erklärt Frickel. "Ein öffentlich finanzierter Sender sollte die Hauptsendezeit nicht hauptsächlich der Unterhaltung widmen."

Über den ganzen Tag betrachtet gibt es durchaus viele informative Dokus und Reportagen, aber das Angebot schrumpft seit drei Jahren kontinuierlich: Wie das Institut für empirische Medienforschung (IFEM) ermittelte, strahlte Das Erste 2012 pro Tag 145 Minuten aus diesem Bereich aus, 2014 waren es nur noch 122 Minuten. Im gleichen Zeitraum wurde der Anteil fiktionaler Formate wie Krimis und Comedy größer. So bleibt das richtige Verhältnis zwischen Unterhaltung und Dokumentation umstritten.

Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

"Wir setzen verstärkt auf eine Kombination von Spielfilm und Doku zu dem jeweiligen Thema", kündigt Herres an. Ein Beispiel: Im Anschluss an den Thriller "Meister des Todes" über die heimische Waffenindustrie (23. September, 20.15 Uhr im Ersten) läuft eine Doku, die das Thema "deutsche Waffenexporte" vertieft. Erst Unterhaltung, danach Information - an einem Abend. Klingt nach einer guten Lösung.

Autor: Manuel Opitz