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TV-Doku ''Jung trifft alt'': Lydia Neurohr und Enya Brommond auf Mallorca

TV-Doku ''Jung trifft alt'': Lydia Neurohr (links) und Enya Brommond genießen ihren gemeinsamen Mallorca-Urlaub. / Foto: © SWR/TOWER Productions GmbH

Das Wohn-Experiment

''Jung trifft alt'' - Zweiteilige Doku im Ersten

Was wissen sie vom Leben der anderen? Kennen junge Menschen die Sorgen der Älteren? Und umgekehrt: Haben Senioren eine Ahnung, wie die Jugend tickt? Fakt ist: Nie waren die Lebenswelten jüngerer und älterer Menschen so weit voneinander entfernt wie heutzutage. Während die Jugendlichen ihren Alltag häufig nach technischen Trends ausrichten, leben immer mehr Senioren in Altersresidenzen.

Was passiert, wenn man die beiden Generationen ganz nah zusammenbringt? Das Erste ist dieser Frage mit einem gesellschaftlichen Experiment nachgegangen – und schickte drei Menschen unter 30 Jahren und sechs Menschen, die älter sind als 70 Jahre, auf eine gemeinsame Reise. Herausgekommen ist die zweiteilige Dokumentation "Jung trifft Alt" (MO, 23.07., 22.55 Uhr und Mo, 30.07., 22.40 Uhr, Das Erste).

Noch vor 50 Jahren hätte man sich über ein solches Fernsehprojekt gewundert: Was soll daran so besonders sein? Damals war es selbstverständlich, dass drei Generationen unter einem Dach lebten. Und heute? Ist es eine Seltenheit. Weil der Nachwuchs für den Beruf wegzieht, Familien sich gezwungenermaßen voneinander entfernen.

Hinzu kommt, dass es immer mehr ältere Menschen gibt: Die Zahl der über 85-Jährigen in Deutschland hat sich innerhalb von 50 Jahren mehr als verdreifacht. "Es gibt nur wenige Orte, wo die Generationen aufeinandertreffen, sich austauschen und voneinander lernen", sagt Mark Land, Produzent der Dokumentation. "Wir wollen sie wieder zueinanderbringen und auch die Zuschauer dafür sensibilisieren."

Die Kluft scheint es nicht nur in Deutschland zu geben: Das TV-Projekt ist nach einem britischen Vorbild der BBC ("The Generation Gap") entstanden. Für die deutsche Ausgabe hat ein Team des Südwestrundfunks (SWR) die Protagonisten drei Wochen lang begleitet. "Die jungen Teilnehmer haben wir über Facebook und Aufrufe an Unis und Berufsschulen gefunden, die Älteren kommen alle aus einer Senioreneinrichtung in Schwäbisch Hall – eines von insgesamt 30 Häusern, die wir uns angeschaut haben. Überrascht hat uns, dass es in beiden Altersgruppen viele Begeisterte gab", sagt Land.

Für beide Seiten war es wie ein Sprung ins kalte Wasser: Enya Brommond (22) aus Heidelberg, Pascal Wagner (20) aus Mainz und Friedrich Meyer zu Schwabedissen (20) aus Neckargemünd haben eine Woche im Pflegestift Teurershof in Schwäbisch Hall verbracht, einige Bewohner auch gewaschen und gefüttert. Danach ging es für die neun Teilnehmer dieses Projekts auf eine Finca auf der Ferieninsel Mallorca. Zum Abschluss zogen drei Senioren bei den Familien der Jungen ein.

Sie haben vieles gemeinsam erlebt: Paragliding-Flüge, Einkaufsbummel, Kart-Fahren. Es gab Diskussionen über Fleiß, Ordnung, Werte und den Wandel der Liebe im Lauf der Jahrzehnte. Sex vor der Ehe? Da können viele der Älteren nur den Kopf schütteln. Für das Gros der Jüngeren wirken solche Ansichten wie aus der Steinzeit – und doch ist es beeindruckend, wie das Verständnis füreinander mit jedem Gespräch wächst. Besonders wenn man bedenkt, dass eine ältere Protagonistin vor der Dokumentation zugab, dass ihr "letztes Gespräch mit Jugendlichen 30 Jahre her ist".

Das Fazit: Diese Dokumentation zeigt, wie wertvoll es ist, im Gespräch zu bleiben und mit Vorurteilen aufzuräumen. Bis heute hat Friedrich Meyer zu Schwabedissen Kontakt zu Ruth Hübner (85), die ein paar Tage bei seiner Familie wohnte. Meyer: "Meine Erkenntnis aus dieser Zeit: Wenn man sich bemüht und auf die Eigenheiten eingeht, bekommt man sehr viel zurück."

Produzent Mark Land ist begeistert, wie sich jede der beiden Generationen mit der anderen auseinandergesetzt hat – ernsthaft und auf Augenhöhe. "Wenn wir damit einen Anstoß geben können, dass auch nur ein paar mehr Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen, wäre das ein großer Erfolg."

Autor: Mirja Halbig