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Johannes B. Kerner  - Foto © ZDF und marcus höhn

Wer sind Deutschlands Beste? Dieser spannenden Frage geht Johannes B. Kerner in
zwei großen Liveshows am 2. und 3. Juli im ZDF nach. HÖRZU traf ihn zum Interview.
- Foto © ZDF und Marcus Höhn

Interview

Johannes B. Kerner über "Deutschlands Beste"

Das gewisse Etwas haben sie alle. Aber wer hat das Zeug zum Sieg? Wer ist hierzulande das größte lebende Vorbild, der Kanzler der Herzen, die ungekrönte Königin? Dieser spannenden Frage geht Johannes B. Kerner (49) in zwei großen Liveshows am 2. und 3. Juli im ZDF nach. Damit knüpft er mit "Deutschlands Beste!" an seine ZDFReihe "Unsere Besten" (2003 – 2008) an, die die jeweils besten in Kategorien wie Buch, Sport oder größter Deutscher kürte. HÖRZU traf den sympathischen Hamburger zum Interview.

HÖRZU: Chartshows boomen. Brauchen wir noch eine Rankingshow?
Kerner: Es handelt sich ja um die Mutter aller Rankingshows! Mit der Reihe "Unsere Besten" haben wir vor einigen Jahren den Grundstein gelegt und viele Kategorien abgefragt. Außerdem geht es diesmal nur um lebende Personen, was die Show zu einem perfekten Zeitgeistspiegel macht, zu einer Momentaufnahme unserer Gesellschaft.

HÖRZU: Worin liegt der spezielle Reiz?
Kerner: In dem bunten Mix: Eine Angela Merkel im Umfeld von Martina Hill und Maria Höfl-Riesch unter den Top 10 wäre eine interessante mögliche Kombination. Aber wir wissen es eben nicht: Es ist einfach spannend, zu sehen, ob jemand, den man selbst vorn sieht, es dann auch schafft. Beim englischen Vorbild gewann Winston Churchill, 2003 lag bei "Unsere Besten" Konrad Adenauer vorn.

HÖRZU: Nun sind nur lebende Personen dabei: Werden die Politiker wieder so abräumen?
Kerner: Tatsächlich werden politische Lebensleistungen stärker in einem historischen Kontext wahrgenommen. In unserem Ranking spielt womöglich der Zeitgeist eine größere Rolle: jede Form von Popkultur, Medien, Musik, Film, Wirtschaft, Sport. Aber noch mal zur Politik: Ich glaube, dass das Ansehen der Politiker schlechter ist als ihre Leistung. Ich habe eher Vertrauen in Politiker, obwohl man das kaum noch zugeben darf.

HÖRZU: Wen hätten Sie denn bei einer Umfrage als größte Deutsche genannt?
Kerner: Bei den Sportlerinnen wäre Steffi Graf meine Nummer eins. Bei den Männern wäre es Franz Beckenbauer, weil er mich auch menschlich sehr beeinflusst hat.

HÖRZU: Wie genau hat er Sie beeindruckt?
Kerner: Ich habe selten einen größeren Menschenfreund erlebt. Für Franz Beckenbauer gibt es keinen Menschen, der ihm egal ist. Er nähert sich einem Fan auf der Straße mit der gleichen Empathie wie jemandem, der gesellschaftlich gesehen über ihm steht. Auch Helmut Kohl hat mich beim Treffen erstaunt und sehr positiv überrascht, er war freundlich, offen und klar. Aber das ist nur meine Meinung, die Rangfolge der 50 Besten wählen Leser und Zuschauer.

HÖRZU: Es sind einige gefallene Größen in den Top 100: Margot Käßmann, Annette Schavan, Karl-Theodor zu Guttenberg, Uli Hoeneß, Lothar Matthäus. Dürfen Lieblinge auch Schrammen haben?
Kerner: Schrammen gehören zum Leben. Ich glaube nicht, dass total geradlinige Karrieren nachahmenswert sind. In der Formel 1 sagt man, wer überholen will, muss die Ideallinie mal verlassen. Die Leute mögen echte, glaubhafte Typen. Zwar gibt es nicht wenige, die sagen, dass ein Lothar Matthäus mit dem Hintern einreißt, was er mit den Händen aufgebaut hat, aber dieser Mann war Weltfußballer des Jahres, Rekordnationalspieler und Weltmeister. Diese großartige Lebensleistung wertschätzen viele Leute, und das finde ich auch gut.

HÖRZU: Gut die Hälfte der Top 100 stammt aus der Unterhaltung, dann folgen die Bereiche Sport und Politik. Nur eine Biologin und ein Chemiker sind dabei. Ist das nicht etwas dürftig für den Wissenschaftsstandort Deutschland?
Kerner: Dass man mit Halbwissen weit kommen kann, zeigt die Nominierung von Thilo Sarrazin. Im Ernst: Es ist sicher ungerecht, dass Wissenschaftlern die große Aufmerksamkeit verwehrt bleibt. Was mich dabei friedlich stimmt: In der Regel sind dies ernsthafte, zurückgezogene Menschen, die ein solches Ranking nur amüsiert zur Kenntnis nehmen würden.

HÖRZU: Wer fehlt Ihnen?
Kerner: Mich stört, dass mit Nazan Eckes, Sibel Kekilli und Xavier Naidoo nur sehr wenige mit Migrationshintergrund dabei sind.

HÖRZU: Für die besten Frauen gibt’s eine Extrashow. Kämen die sonst zu kurz?
Kerner: Glaub ich nicht. Wir wollten zwei ausgewogene Shows machen. Das Geschlecht bietet sich da als natürliche Unterscheidung an.

HÖRZU: Öffentliche Vorbilder sind das eine. Wen bewundern Sie privat?
Kerner: Meine Frau. Sie hat den Übergang von der Sportlerkarriere als Hockeynationalspielerin in das Leben danach wunderbar gemeistert. Für Leistungssportler ist das der schwierigste Schritt überhaupt.

Autor: Dagmar Weychardt