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Bundespräsident Joachim Gauck ist beim Volk sehr beliebt.

Bundespräsident Joachim Gauck ist beim Volk sehr beliebt. / Foto: © dpa

Darum lieben ihn die Menschen

Joachim Gauck - TV-Porträt über den Bundespräsidenten

Er ist der Präsident, den sich viele Deutsche schon vor zwei Jahren gewünscht hatten: Joachim Gauck – eloquent, emotional, freiheitsliebend und gelegentlich auch ein bisschen eitel. Seit März 2012 ist Gauck der elfte Bundespräsident Deutschlands – und der erste, der aus Ostdeutschland kommt. Die ZDF-Reporterinnen Dorthe Ferber und Ines Trams haben ihn seit Amtsantritt auf vielen seiner Reisen begleitet. In HÖRZU schreiben sie exklusiv über Begegnungen hinter den Kulissen und versuchen zu erklären, was das Geheimnis seines Erfolgs ist.


Videos über Joachim Gauck:


Die kleine Backsteinkirche in Altenkirchen auf Rügen. An einem Mittwochabend im August stehen Einheimische und Touristen in Schlangen vor den Eingängen: Sie wollen Joachim Gauck, den Bundespräsidenten, aus seiner Autobiografie lesen hören. Die Plätze im Kirchenschiff reichen nicht aus, zusätzlich werden draußen auf dem alten Friedhof Bierbänke und Lautsprecher aufgestellt: sozusagen "Public Listening" für die Fans des Präsidenten.

Gauck hat seinen Urlaub an der Ostsee unterbrochen, um als Privatmann dies als endgültig letzten Termin seiner Lesungsreihe wahrzunehmen. Er trägt aus seinen Erinnerungen vor, seinem Leben in der DDR, er erzählt vom Schmerz bei der Ausreise seiner Kinder und berichtet, wie emotional aufreibend es für ihn war, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Diese Offenheit, diese warme Stimme, diese große Nähe – das alles kommt an. Die Menschen danken Joachim Gauck mit glänzenden Augen, in der Kirche spenden sie ihm stehend tosenden Applaus.

Gauck ist nun seit einem guten halben Jahr Staatsoberhaupt, und die meisten Deutschen sind mit ihrem Wunschpräsidenten sehr zufrieden. Er ist ein Präsident, der sich nahbar zeigt. Einer, der seine Gefühle nicht verbirgt. Ob bei seiner Rede zum Tag der Befreiung im holländischen Breda oder beim Staatsbesuch in Israel: Gauck ist offen gerührt, er ringt immer wieder um Fassung. Tränen und Emotionen – das ist ungewöhnlich für einen Bundespräsidenten, ungewöhnlich für einen Spitzenpolitiker. Und es kommt gut an bei den Menschen.

Wenn Gauck durchs Land reist, sehen sie nicht nur das Staatsoberhaupt, sondern auch den Bürger Gauck, den Menschen, der authentisch wirkt: Da gibt es "Joachim"!-Rufe, da werden Kinder nach vorn geschoben, da lassen sich ältere Damen seine Bücher signieren.

Antrittsbesuch in Rheinland-Pfalz, ein Tag randvoll mit Terminen: Gauck diskutiert mit Jugendlichen, er wird in der Staatskanzlei empfangen, redet im Landtag, beantwortet Reporterfragen auf einem Weingut, schippert mit Lokalprominenz zur Loreley, besichtigt ein mittelständisches Unternehmen, lädt Bürger ins Museum – am Ende des Tages ist die Reporterin ziemlich platt, der 72-jährige Bundespräsident aber wirkt recht aufgeräumt.

Vielleicht liegt es daran, dass er auch an diesem Tag viel Zuspruch bekommt. Zuspruch dafür, dass er meist den richtigen Ton trifft. Gauck lobt die Freiheit, mahnt zu mehr Verantwortung und Engagement. Vieles ist nicht neu, manches haben auch schon andere vor ihm gesagt. Aber eben nicht so schön wie Gauck. So kann dieser Präsident auch unbequeme Wahrheiten aussprechen, gegen den Trend schwimmen. Dafür mögen ihn die Menschen, seine Ecken und Kanten, seine Unabhängigkeit. Und die klaren Worte, die auch mal verstören können.

Oft kommt Gauck als "Anti-Politiker" an, obwohl er ein durch und durch politischer Mensch ist. Doch er ist eben anders als andere, die an den Schalthebeln der Macht sitzen. Er weiß, er muss sich nun auch ins diplomatische Korsett dieses Amtes fügen, doch er hofft, so viel Gauck wie möglich in diesem Bundespräsidenten zu erhalten. Er nennt das einen "Selbstversuch mit offenem Ausgang".

Beschreibung

Daniela Schadt und Joachim Gauck sind ein eigespieltes Team. / Foto: © dpa

Rückflug vom Staatsbesuch in Israel. Joachim Gauck hat diese große Herausforderung glänzend gemeistert. Glücklich und erleichtert verabschiedet er sich von den mitreisenden Journalisten. Er kommt ins Erzählen. Mit fast naivem Staunen wundert er sich über präsidiale Insignien, etwa über seine neuen Manschettenknöpfe, auf denen der Bundesadler prangt. "Ich habe zwei Paar davon, die einen mit silbernem, die anderen mit goldenem Rand." Als müsste er sich selbst noch kneifen, um zu begreifen, dass er nun Bundespräsident ist.

Doch sein großes Selbstbewusstsein scheint ebenso durch. Stolz wirkt er, so, als denke er: "Ich bin schon ganz richtig in diesem Job." Gut, dass es Menschen in seiner Umgebung gibt, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen holen, wenn sein Ego mit ihm durchzugehen droht. Seine Lebensgefährtin Daniela Schadt erdet ihn, fängt ihn mit ihrem trockenen Humor immer wieder ein.

Beim Besuch in Den Haag will Joachim Gauck etwa in kleiner Presserunde mit Pathos herausstellen, dass die Niederlande ihn schon früh beeinflusst hätten: "Sie müssen sich den 13-jährigen Gauck vorstellen, wie er abends im Bett seinen ,Egmont‘ las." Egmont, der niederländische Graf, der gegen die spanischen Besatzer opponierte. "Ich habe überhaupt viel Schiller gelesen", sagt Gauck. Daniela Schadt irritiert: "Jochen, der ,Egmont‘ ist aber von Goethe, nicht von Schiller." Der Präsident wird verlegen. "Goethe und Schiller", sagt er. "Ach, es geht doch um Freiheitsbilder."

Sechs Monate lang waren wir mit der Kamera dabei, haben mit Weggefährten von Gauck gesprochen, mit Kritikern und Angehörigen – und eben mit ihm selbst. Entstanden ist das Porträt des neuen Bundespräsidenten, für den nach wie vor gilt: Das elfte deutsche Staatsoberhaupt Joachim Gauck ist der gewünschte Präsident


Sendehinweis: ''Joachim Gauck – der gewünschte Präsident''

Ein Film von Dorthe Ferber & Ines Trams
So 30.9., ZDF, 23.35 Uhr

Autor: Dorthe Ferber / Ines Trams