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Joachim Fuchsberger mit seiner großen Liebe, Ehefrau Gundula (1967).

Joachim Fuchsberger mit seiner großen Liebe, Ehefrau Gundula beim Bal Paré (1967). - Foto © picture alliance / Roedel / Keys

TV-Legende

Joachim Fuchsberger in ''Die Spätzünder 2''

"Altwerden ist nichts für Feiglinge", hieß sein Buch. Gut, dass GOLDENE KAMERA-Preisträger Joachim "Blacky" Fuchsberger das Zeug zum Helden hat. Die TV-Legende ist heute Abend in dem Filmhit "Die Spätzünder 2" im Ersten zu sehen.

Der Mann wäre kein Entertainer, entließe er die Reporterin ohne eine deftige Schlusspointe. Also erzählt Joachim Fuchsberger schnell noch den Witz von dem alten Mann, der sich sehr ungehalten über das Geschenk seines Enkels äußert – einen Rollator mit eingebautem Navigationsgerät: "Immer wenn ich am Friedhof vorbeikomme, sagt die Stimme im Kastl: 'Sie haben Ihr Ziel erreicht!'" Dann lacht er herzhaft mit.

Schauspieler Joachim

Joachim Fuchsberger in "Lumpazivagabundus" (BRD 1956, Regie: Franz Antel). - Foto © picture alliance

Gleich wird er sehr langsam in die Küche gehen und das Mittagessen zubereiten. Der Herd ist das letzte Spielfeld, auf dem der einstige Macher noch nach seinem Gusto Zutaten zusammenrührt. "Altwerden ist nichts für Feiglinge", hieß treffend sein letztes Buch. Wer den jungen Fuchsberger erinnert, den Tausendsassa von Filmleinwand und Showbühne, den Regisseur und Produzenten, den Gesprächsleiter und Schlagertexter, dem nötigt die Haltung des 86-Jährigen Respekt ab. Tapferkeit vor dem Feind könnte man es nennen.

Fast triumphierend zählt er auf, was er in den vergangenen Jahren alles aufgeben musste: den Führerschein, die Fluglizenz, die Kraft für Fernreisen, zuletzt die Beweglichkeit: "Hundert Meter schaffe ich gerade noch. Treppen gehen gar nicht mehr." Auch unter die Schauspielerei wird er jetzt einen Schlusspunkt setzen. Der Film "Die Spätzünder 2" (siehe TV-Tipp rechts) ist sein Abschied. "Ich habe gemerkt, dass ich den Anforderungen einer Hauptrolle nicht mehr gewachsen bin. Es sei denn, sie spielt im Bett oder hinterm Schreibtisch. Bevor ich mich da durchquäle oder eine Produktion dazu nötige, mich als Legende durchzufüttern, höre ich lieber auf!"

"Die Spätzünder 2" mit Joachim Fuchsberger

Ein Schritt zurück, aber ein selbstbestimmter, das ist ihm wichtig. Im Eigensinn sieht er in der Rückschau seine Stärke. "Ich hatte das große Glück, mit meiner Sturheit durchzukommen. Ich habe darauf bestanden, dass nur der Regisseur, mein engster Mitarbeiter und ich bestimmen, wie eine Sendung aussieht. Wenn die Redaktion es anders wollte, habe ich gesagt: 'Nur über meine Leiche.'"

Schauspieler Joachim

Joachim Fuchsberger erhält 2010 die GOLDENE KAMERA von HÖRZU für sein Lebenswerk. 1981 wurde er ebenfalls ausgezeichnet. - Foto © picture alliance / dpa

Auch der Altersheimkomödie über "Die Spätzünder" wollte er allzu gern seinen Stempel aufdrücken. Der Titel stört ihn: „Ich wollte 'Life is live'! Spätzünder wird doch mit langer Leitung übersetzt!" Auch seine Rolle hätte er gern aggressiver gestaltet – vergeblich. "Nun bin ich der, der zuguckt." Dabei war er zeitlebens ein Macher, ein Kreativer mit ungebremstem Elan. Als deutsche Fernsehshows noch zwischen Volksmusik und Fernsehballett dümpeln, will Blacky internationale Stars in seine Sendung holen. Aber wie? "Ich habe Product-Placement durchgesetzt, bei mir durften die ihre aktuellen Produkte bewerben."

Joachim Fuchsberger glüht vor Pioniergeist

Und schon kommen die Größten nach Deutschland, eine Barbra Streisand, ein Robert De Niro. Er hat alles im Griff, auch die Situation bei den Olympischen Spielen 1972 in München, als er als Stadionsprecher die Nachricht erhält, ein unbekanntes Flugzeug halte Kurs auf die Menge. Blacky entscheidet innerhalb von Sekunden, Ruhe zu bewahren – und verhindert eine Panik. Kaltblütig wie früher im Krieg, als er als Pimpf zu den Fallschirmjägern geht und nach Kriegsende von den Russen gefangen genommen wird. Später arbeitet er im Bergwerk, 1000 Meter tief. Aus dieser Zeit stammt die Klaustrophobie, in Fahrstuhlkabinen leidet er unter Atemnot.

Aber sonst? Joachim Fuchsberger erobert sämtliche Felder des Showgeschäfts. In seiner Talkshow "Heut' abend" sitzt alles, was Rang und Namen hat. Und als später ein junger Regisseur anruft und ihn für eine Persiflage der Edgar-Wallace-Filme gewinnen will, sagt er zu. Das Befremden über den anzüglichen Titel "Der Wixxer" ist das eine, die reizvolle Zusammenarbeit mit einer jungen Generation das andere. Ein Fuchsberger glüht vor Pioniergeist, er will dabei sein.

"Auf los geht’s los": Aufruhr ums Nachthemd

Dabei wäre Blacky nicht Blacky, würde er den Zuhörer nur mit Heldensagen langweilen. Nein, es gab auch einen Absturz, als er sich mit Immobiliengeschäften verspekulierte. Da war er der Loser, seine Frau Gundula die Heldin. "Die sagte zu mir: Ich verhandle mit den Banken, geh du zurück in deinen Beruf, das kannst du."

Schauspieler Joachim
Foto © picture-alliance / dpa

Der Macher stürmt wieder los, landet 1977 seine Erfolgssendung "Auf los geht’s los". Unvergessen die Ausgabe vom Oktober 1983, als Fuchsberger wegen einer verlorenen Wette im wadenlangen Nachthemd moderiert. Die Nation nimmt übel, die Kritiker ätzen. Hat er völlig vergessen, dass Showmaster Vorbilder sein sollen, die die Zuschauer solide in den Feierabend geleiten?

Die Aufregung kann er bis heute nicht verstehen. "Auf der Couch saßen damals Patrick Duffy und Audrey Landers von 'Dallas'. Als ich denen den Hintergrund erklärte, sagten sie nur: 'Great idea!' Super Idee!" Wie viel entspannter ging es doch in seiner Wahlheimat Australien zu, wo er ein Haus erwarb, TV-Dokumentationen drehte und selbst die Ureinwohner derart um den Finger wickelte, dass sie seinem Team erlaubten, sehr nah am heiligen Ayers Rock zu drehen. Vor sieben Jahren war er zuletzt dort, ein weiterer Abschied. "Die langen Flüge schaffe ich nicht mehr."

Zurück zu seinem aktuellen TV-Film. Im zweiten Teil der "Spätzünder" werden die Bewohner mit Yoga, Klangschalen und pürierten Schnitzeln umhegt. Würde er selbst in so ein Heim gehen? "Niemals in meinem Leben möchte ich da landen. Wenn es denn so weit ist, möchte ich in meinem Zuhause den Löffel abgeben.“ Joachim Fuchsberger erzählt von seinem Haus in Grünwald bei München, in dem sein verstorbener Sohn Thomas aufwuchs, dieses Haus, das dem Rastlosen immer Refugium war.

Er beschreibt die Bäume im Garten, die ihn an das Gleichnis von Philemon und Baucis aus der griechischen Mythologie erinnern – ein gnädiger Gott verwandelt die beiden Alten in Bäume, damit sie auf ewig vereint sind. "Ich bin die Buche", sagt Fuchsberger. "Gundel ist die Birke." Manchmal umarmt er seinen Baum. Blacky Fuchsberger, dem es immer so wichtig war, alles im Griff zu haben, übt sich im Loslassen. "Zielgerade" heißt das Buch, an dem er gerade arbeitet. Ein Abgesang auf die Wirtschaft, die Werte, die Kirchen. Traurig? "Ich denke nicht, dass es traurig ist. Es ist realistisch."

Autor: Angela Meyer-Barg