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Iris Berben und und Edgar Selge in der Komödie "Miss Sixty".

Iris Berben und und Edgar Selge als reife Singles mit Torschlusspanik in der Komödie "Miss Sixty". - Foto © SENATOR

Ein verrücktes Paar

Iris Berben und Edgar Selge im Interview

Im Kino brillieren Die GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Iris Berben und Der GOLDENE KAMERA-Preisträger Edgar Selge als reife Singles mit Torschlusspanik. Ein Gespräch über die Liebe, das Alter und den Film "Miss Sixty".

Sie trifft ihn, verliebt sich und möchte ein Kind. Eine alte Geschichte – wäre "sie" in diesem Fall nicht über 60. Und die Beziehung eine Liebe auf den dritten Blick. Klingt verrückt. Und genauso ist die Handlung des Kinofilms "Miss Sixty" auch: Iris Berben (63) spielt die verklemmte, preisgekrönte Molekularbiologin Luise, Edgar Selge (66) den Galeristen Frans, der in der Midlife-Crisis steckt. HÖRZU traf die beiden Starschauspieler zum Doppelinterview über reife Liebe, späte Mütter und alte Bäume.

HÖRZU: Mal ehrlich, Frau Berben, hätte ein Typ wie Frans, der im Film jüngeren Frauen hinterherjagt und ein Toupet trägt, wirklich Chancen bei Ihnen?

Iris Berben: Ich muss natürlich Nein sagen. Aber wenn die aufgezählten Eigenschaften mit so viel Hilflosigkeit und Charme einhergehen wie bei Edgars Darstellung, dann hat das etwas Liebevolles – und dann könnte es vielleicht sein.

HÖRZU: Gegenfrage, Herr Selge: Luise ist verklemmt, motzig und ziemlich verbiestert. Könnte sie im wahren Leben dennoch Ihre Traumfrau sein?

Edgar Selge Ganz ehrlich? Ja! Wäre ich alleinstehend, würde ich auch bei einer Frau wie Luise die Augen aufknipsen und in Erwägung ziehen, dass sie die späte Liebe meines Lebens werden könnte. Ich habe mich tatsächlich schon mehrfach in Menschen verliebt, über die ich mich am Anfang sehr geärgert habe.

HÖRZU: Auf welchem Sprichwort basiert die wahre Liebe eher: "Gleich und gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an"?

Iris Berben: Anfangs auf "Gleich und gleich gesellt sich gern" …
Edgar Selge Genau! So geht’s los in Beziehungen. Die Gegensätze zeigen sich erst später – und davon gibt es immer genug.
Iris Berben: Aber ab diesem Punkt wird es dann auch spannend: Die Gegensätze auszuhalten bedeutet nämlich, dass die Liebe weiter wächst. Den Partner trotz der Gegensätzlichkeiten nicht verändern zu wollen, sondern sich immer wieder neu daran zu erinnern, warum man sich in ihn verliebt hat – das erst ist die wahre, richtige Liebe.

HÖRZU: Wird es mit zunehmendem Alter denn leichter oder schwerer, einen neuen Partner zu finden?

Edgar Selge Das wird bei jedem anders sein. Ich vermute, dass ich im Alter beziehungsfähiger geworden bin. Als junger Mann probiert man viel aus, aber Komplikationen einer Beziehung nimmt man eher unwillig in Kauf. Ich musste älter werden, um die Vielschichtigkeit und die Anforderungen einer Partnerschaft attraktiv zu finden.

HÖRZU: Im Film ist Luise auf der Suche nach einem Samenspender – mit über 60 Jahren. Inwiefern haben Sie Verständnis für alte Mütter, Frau Berben?

Iris Berben: Die Entscheidung, Mutter zu werden, ist immer individuell. Unsere Gesellschaft muss lernen, mit den neuen Möglichkeiten, sehr spät zu gebären, umzugehen. Die italienische Sängerin Gianna Nannini hat ihr erstes Kind mit über 54 bekommen. Die Entscheidung, ob eine Frau erst einmal Fuß fassen möchte, indem sie Karriere macht und später ein Kind bekommt, hat viel zu tun mit der Gesellschaft, in der wir leben. Auch die Politiker müssen darüber nachdenken, was Frauen in diese rechnerische, kalkulierte Situation bringt.
Edgar Selge Richtig. Die Frage ist, was Frauen in die Lage bringt, ihren Kinderwunsch so weit nach hinten zu schieben. Ich finde es schade, dass sich viele Frauen ihren Kinderwunsch nicht früher erfüllen können – weil es die Gesellschaft und ihre eigene Berufssituation nicht anders zulassen.

HÖRZU: Auch Altern ist im Film ein großes Thema. Hollywoodstar Mae West sagte einmal: Älterwerden ist nichts für Feiglinge. Stimmt das so?

Iris Berben: Jein. Wenn man öffentlich altert wie ich, tut man das beobachteter als andere. Ich wundere mich immer, wenn Journalisten schreiben, es sei mutig von mir, wenn ich mich vor der Kamera ungeschminkt zeige. Das ist ein Satz, den ich absolut absurd finde. Andere nehmen an meinem Alterungsprozess mitunter mehr teil als ich selbst. Andererseits beruhigt es mich auch nicht, im letzten Drittel des Lebens angekommen zu sein.
Edgar Selge Mae Wests Satz ist sehr auf eine jugendfixierte Gesellschaft bezogen. Unserer Gesellschaft täte es gut, das Alter annehmen zu können – und es nicht als einen Kreuzweg zu betrachten. In "Miss Sixty" wird einmal gesagt, im Inneren bliebe man immer 18 Jahre alt. Dem stimme ich zu. Aber wir müssen umso mehr lernen zu verstehen, dass es etwas Kostbares ist, wenn uns unser Spiegelbild unsere Falten zeigt.
Iris Berben: Das hast du schön gesagt, Edgar. Je älter ich werde, desto ungebremster werde ich wieder – ich setze mich wieder so ungestüm über Vorgaben hinweg wie in meinen rebellischen Jugendjahren. Die Freiheit wird wieder größer im Alter.
Edgar Selge Ein beeindruckendes Gesicht gehört der Verhaltensforscherin Jane Goodall. Ich finde es schön, in ihr Gesicht zu schauen – mit all ihren Falten. Das Alter lässt sich gut mit Bäumen vergleichen: Über junge Bäume gehen wir hinweg, von alten Bäumen sind wir hingerissen. Warum ist das nicht auch so beim Menschen?

Autor: Mike Powelz