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Dokureihe Lebensmittel-Check mit Tim Mälzer

Tim Mälzer hatte die norddeutschen Metzgereien aufgerufen, ihm ihre Wurstspezialitäten zu schicken. In seiner Küche bugutachtet er die Einsendungen. NDR Fernsehen LEBENSMITTEL-CHECK MIT TIM MÄLZER, "Die beste Wurst in Norddeutschland", am Montag (09.12.13) um 21:00 Uhr. - Bild: © NDR/solisTV

Jury-Mitglied von "The Taste"

Interview mit Tim Mälzer

Seit zehn Jahren ist Tim Mälzer erfolgreich als TV-Koch – und derzeit aktiv wie nie: Ab 13. November ist er auf Sat.1 in der Show „The Taste“ zu sehen, am 4. November startet die neue Dokureihe "Der große Lebensmittel-Check mit Tim Mälzer" im NDR Fernsehen. Zudem will er neue Restaurants etablieren. Was ihn antreibt, verriet er HÖRZU.

HÖRZU: Was hat Sie überzeugt, in der Jury von „The Taste“ mitzuwirken?

Tim Mälzer: Am meisten hat mich der Wettstreit zwischen uns Köchen gereizt, also zwischen Frank Rosin, Alexander Herrmann, Lea Linster und mir. Ich wollte zeigen, dass ich zwar als Einziger keinen Stern habe, aber trotzdem die beste Geschmacksanalytik. Was sich auch als wahr erwies. Und ich mag es, dass wir Köche in unsicherem Umfeld dargestellt werden, also Essen beurteilen müssen, über das wir nichts wissen.

HÖRZU: Aber Sie können sehen, was Ihnen serviert wird?

Tim Mälzer: Ja, wir sehen, was auf dem Löffel ist. Wir wissen aber nicht, was es ist oder wer es gekocht hat. Und ganz ehrlich: Teilweise haben wir uns wirklich blamiert und konnten nicht mal Lamm von Schwein unterscheiden. Ich habe sogar ein Gericht, das aus einem meiner Bücher stammt, nicht erkannt. Solche Situationen mag ich. Und ich glaube, so vielschichtig wie in dieser Sendung hat man mich noch nie gesehen. Manchmal bin ich auch das totale Arschloch, wenn Leute mich nerven.

HÖRZU: So nach Art von Dieter Bohlen?

Tim Mälzer: Nein, nicht von der Verbalität. Aber innerhalb meines Teams mache ich den Leuten echt Druck. Ich bin ein Wettbewerbstyp, ich will das Ding gewinnen. Und wenn ich dann auch noch gegen den Rosin antrete, diese Pfeife mit den zwei Sternen, dann ist mir jeder kleine Sieg eine besondere Genugtuung.

HÖRZU: Was konnten die Kandidaten in der Show von Ihnen als Coach lernen?

Tim Mälzer: Ich habe versucht, die Charaktere nicht zu versauen, sondern sie mit ihren unterschiedlichen Stärken nach vorn zu bringen. Einer sehr kreativen Köchin wollte ich zum Beispiel etwas Ordnung und Disziplin beibringen, einer anderen fehlte immer der Pfiff im Essen.

HÖRZU: Im Dezember steht Ihr zehnjähriges TV-Jubiläum an. Wird gefeiert?

Tim Mälzer: Ich glaube ja, in aller Bescheidenheit. Ich werde vielleicht ein schönes Essen kochen, eine gute Flasche Wein aufmachen und die alten Recken von damals um mich scharen, die mich entdeckt haben. Dafür bin ich immer noch dankbar, denn ich glaube: Das war wirklich visionär.

HÖRZU: Zehn Jahre im Fernsehen – was empfinden Sie dabei?

DTim Mälzer: ass es bald Zeit wird für die Rente, glaube ich.

HÖRZU: War es so anstrengend?

Tim Mälzer: Nein, aber zehn Jahre sind doch ein ganz schöner Ritt. Ich habe sämtliche Superstars überlebt, drei Bundestrainer. Ich habe Dinge kommen und gehen sehen und war selbst immer konstant – da ist es irgendwann mal Zeit zu überlegen, ob es das jetzt vielleicht war. Ich habe immer gehofft, dass ich mir mein Fernsehende mal selbst setze. Und ich finde, es ist ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, ob ich das alles in 50 Jahren auch noch machen will.

HÖRZU: Christian Rach und Steffen Henssler machen große Shows. Reizt Sie das nicht?

Tim Mälzer: Ich habe das ja als Erstes gemacht und festgestellt: Ich bin ein guter Gast, aber kein guter Gastgeber, kein Showmaster. Wenn man sich in einem Segment nicht neu erfinden oder entwickeln kann – und bei mir ist das so –, dann muss man es auch lassen.

HÖRZU: Lieber gastronomisch expandieren?

Tim Mälzer: Ja, ein bisschen. In Hamburg habe ich gerade einen neuen, ganz kleinen Laden aufgemacht, in dem es experimentierfreudig und schräg zugehen soll. Da wird mein persönlicher Musikgeschmack gespielt und eine Mischung aus „Fine Dine“ und Burger serviert. Viele Leute wird das verschrecken.

HÖRZU: Und was ist mit den angekündigten Plänen für ein Restaurant in New York?

Tim Mälzer: Ich glaube, das wird eine ewige Baustelle. Aber ich habe gerade eine Location an der Hand und arbeite mit wehenden Fahnen daran, alle nötigen Genehmigungen zu beantragen, zum Beispiel die „Liquor License“. Ich mache es mir allerdings nicht gerade leicht: Ich habe mir ein schwieriges Gebäude ausgesucht und eine schwierige Ecke von Manhattan, im nördlichen Teil von Little Italy.

HÖRZU: Ist Ihnen das Vorhaben an sich noch nicht kompliziert genug?

Tim Mälzer: Vielleicht ist es einfach genau die Aufgabe, die ich noch brauche. Natürlich ist mir bewusst, dass ich auch scheitern könnte. 85 Prozent aller Neueröffnungen in New York schließen in den ersten zwei Jahren wieder. Das wäre ja nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern persönliches Scheitern. Aber noch schlimmer wäre es, wenn ich es gar nicht versuchen würde. Wenn ich später sagen müsste, dass ich nicht den Mut dazu hatte. Mich treibt der Gedanke an, dass mal auf meiner Visitenkarte steht: Hamburg, Frankfurt, New York. Dabei habe ich nicht mal eine Visitenkarte.

HÖRZU: Gibt es einen Zeitplan?

Tim Mälzer: Eigentlich wollte ich jetzt im November eröffnen. Bei der aktuellen Location sieht es gerade nach Mai aus. Und meine persönliche Frist endet nächstes Jahr im November. Wenn es bis dahin nicht klappt, ziehe ich die Reißleine.

HÖRZU: Und was ist, wenn es klappt? Wie soll das Leben zwischen Hamburg, Mallorca und New York aussehen?

Tim Mälzer: Da mache ich mir einen Kopf drum, wenn’s so weit ist. Ich denke nicht ständig daran, was alles passieren könnte. Ich weiß es, aber ich will nicht darüber reden. Da habe ich eine gesunde Naivität.

Autor: HÖRZU