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Interview mit Marianne Koch

Marianne Koch mit 80 Jahren! Welche Tipps hat sie für uns? Bild: © dpa - Fotoreport

Marianne Koch wird 80

Interview mit Marianne Koch

Marianne Koch wird am 19. August 80 Jahre alt

Wer nach Vorbildern für gelungenes Altern sucht, kommt an ihr nicht vorbei. Marianne Koch ist eine Frau, die immer wieder neu anfing.

Mit dem Literaturkritiker Peter Hamm, zwei Hunden und einer Katze lebt sie heute am Starnberger See: "Ein Haufen Freunde", ihre beiden Söhne mit Schwiegertöchtern und vier Enkelkinder bereichern ihr Leben. Gern gibt die Ärztin, Autorin, Moderatorin und Ex-Schauspielerin einige Lebensrezepte weiter.

HÖRZU: Frau Dr. Koch, gegen die Zumutungen des Älterwerdens empfehlen Sie unter anderem schmeichelndes Badezimmerlicht. Meinen Sie das ernst?

Marianne Koch: Klar. Es ist doch wichtig, sich zu mögen und wohl in seiner Haut zu fühlen. Das ist sogar das Wichtigste.

HÖRZU: Warum erscheint das Altern vielen Menschen dennoch als so bedrückend?

Marianne Koch: Es gibt zwei Ursachen: Die Botenstoffe des Gehirns werden nicht mehr in ausreichender Menge produziert, dieser Mangel an Serotonin begünstigt Depressionen. Der Hauptmangel aber ist Einsamkeit. Das betrifft vor allem Frauen, die ihre Männer überleben und nicht frühzeitig dafür gesorgt haben, dass sie von einem sozialen Netz gehalten werden.

HÖRZU: Wie kann man vorbeugen?

Marianne Koch: Rechtzeitig neue Felder erschließen: ein Ehrenamt übernehmen, im Seniorenrat der Kirche arbeiten, mit Freunden wandern gehen. Beim Altwerden ist Mut gefragt: Man muss sich der Sache stellen!

HÖRZU: Stichwort Mut: Wenn Sie auf Ihr Leben blicken – wann waren Sie mutig?

Marianne Koch: Sicher als ich mich mit 40 Jahren wieder in die Hörsäle der Uni setzte, wo ich als bunter Vogel begrüsst wurde. Es war auch ein großer Schritt, im Alter von 55 Jahren noch eine eigene Praxis als Internistin aufzumachen.

HÖRZU: War es auch mutig, die Schauspielkarriere Anfang der Siebziger aus freien Stücken zu beenden?

Marianne Koch: Ich habe das als interessantes Hobby aufgefasst und mich nicht eine Sekunde lang für eine brillante Schauspielerin gehalten. Ich habe ja mit brillanten Kollegen gearbeitet – Therese Giehse etwa, Curd Jürgens, O. W. Fischer. Aber eine Verführung war diese Glitzerwelt schon – vor allem als Kontrast zum grauen Nachkriegsdeutschland. Bei meinem ersten Flug nach Los Angeles – ich sollte "Four Girls In Town" drehen mit George Nader und Elsa Martinelli – saß Ella Fitzgerald neben mir. Als wir den Polarkreis überflogen, kam ein Koch mit weißer Mütze und servierte feierlich eine Eisbombe …

HÖRZU: Der Neustart fiel mit dem Scheitern Ihrer Ehe mit Dr. Gerhard Freund zusammen, dem Vater Ihrer gemeinsamen Söhne Thomas und Gregor.

Marianne Koch: Was nur beweist, dass man aus Niederlagen gestärkt herausgehen kann. Das gilt für jeden Menschen.

HÖRZU: 1974 der nächste Rollenwechsel: Als Moderatorin der Talkshow „III nach 9“ zeigten Sie sich ungewohnt streitlustig. Welches Interview betrachten Sie selbst als Ihr Glanzstück?

Marianne Koch: Ein Gespräch mit einer Prostituierten, das anfangs so dahinplätscherte, bis sie irgendwann zugab, wie schwer es ist, immer eine Fassade aufrechtzuerhalten.

HÖRZU: Unvergessen auch Ihr Disput mit Julius Hackethal. Was hat Sie an dem Alternativ-Mediziner so geärgert?

Marianne Koch: Mir stieß vor allem auf, dass er armen Leuten den letzten Pfennig abnahm für seine nicht sehr seriösen Kuren.

HÖRZU: Sie halten es mehr mit der Schulmedizin?

Marianne Koch: Ich bin für Naturheilkunde bei Befindlichkeitsstörungen oder zur Stärkung des Immunsystems. Aber bitte nicht diese Entweder-oder-Haltung. Bei Bluthochdruck muss ein Patient seine Tabletten nehmen, sonst droht ein Schlaganfall. Man muss sich wirklich fragen, warum sich so viele Menschen obskuren Heilern anvertrauen.

HÖRZU: Warum ist das so? Was denken Sie?

Marianne Koch: Eine Erst-Anamnese beim Homöopathen dauert eine Stunde. Danach ist eine Vertrauensbasis gelegt. Das erlaubt unsere Fünf-Minuten-Schulmedizin nicht.

HÖRZU: Sehr engagiert haben Sie als Präsidentin der Deutschen Schmerzliga für eine bessere Versorgung von Schmerzpatienten gekämpft. Mit Erfolg?

Marianne Koch: Das Thema wird diskutiert – immerhin! Und es gibt hervorragende Schmerztherapeuten, die eine Zusatzausbildung gemacht haben. An den Unis ist Schmerztherapie leider immer noch kein Pflichtfach – grotesk!

HÖRZU: Was müsste sich im Umgang mit älteren Menschen ändern?

Marianne Koch: Es geht nicht, dass einem 54-Jährigen in einem Jobcenter gesagt wird, für ihn gebe es nichts mehr. Die Mitarbeiter sollen sagen: Es wird schwierig, aber was können Sie denn anbieten? Keiner sollte nach Hause wanken und denken: Das war's jetzt, ich bin nichts mehr wert. Unsere Gesellschaft braucht die Älteren! Mit 90 ist immer noch Zeit, sich auf dem Sofa auszuruhen.

HÖRZU: Sie selbst moderieren die wöchentliche Radiosendung "Gesundheitsgespräch", haben gerade ein neues Buch rund ums Herz veröffentlicht. Können Sie überhaupt faul sein?

Marianne Koch: Und wie. Ich beantworte Post nicht rechtzeitig und schiebe Dinge auf, weil ich morgens lieber mit meinen Hunden am Starnberger See laufe, anstatt mich an den Schreibtisch zu setzen.

Autor: Angela Meyer-Barg