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Iris Berben in "Kennedys Hirn"

Iris Berben spielt die Archäologin Louise in "Kennedys Hirn". Foto: © ARD Degeto/Bavaria/Yellow Bird/D. Guhr

Henning Mankell: "Kennedys Hirn"

Interview mit Iris Berben in Maputo

"Kennedys Hirn" war für das Filmteam eine Extremerfahrung. Vom minus 40 Grad kalten Schweden reisten die 80 Mitarbeiter ins 40 Grad heiße Mosambik. HOERZU traf Iris Berben vor der Kulisse eines Feldlazaretts bei einem Dreh mit 200 Komparsen nahe der Stadt Maputo.

HOERZU: Frau Berben, Hitze, Schlangen, Security… Inwiefern lernt man Afrika durch die Arbeit an Filmen wie "Afrika, mon amour", "Die Patriarchin" oder "Kennedys Hirn" anders kennen, als wenn man den Schwarzen Kontinent als Touristin bereist?

Iris Berben: Durch die Arbeit auf diesem Kontinent nimmt man die Probleme natürlich viel intensiver wahr. Für "Die Patriarchin" und "Afrika, mon amour" habe ich lange Monate in Kenia verbracht. Für "Kennedys Hirn" stehe ich nun in Kapstadt und Maputo vor der Kamera. Dadurch habe ich viel mit Menschen und Einheimischen zu tun, die die Probleme in diesem Land kennen – und ich nehme die Probleme aus erster Hand wahr.

HOERZU: Ihre Meinung zu Südafrika?

Iris Berben: Ich habe ein politisches Problem mit diesem Land. Südafrika ist zwar eines der schönsten Länder, die ich kenne, doch es bleibt ein fader Beigeschmack übrig – der Beigeschmack der Apartheid, den ich parallel zu allem Schönen, das ich sehe, auch immer noch wahrnehme. Als ich nach Mosambik flog, dachte ich: Endlich geht’s auf nach Schwarzafrika. Doch auch hier sehe ich überall die Narben des Sozialismus und Kolonialismus und die Menschen dazwischen alleingelassen. Sie sind viel verschlossener als in Kenia. Überall Mauern – ich habe noch nie irgendwo anders so viele Mauern gesehen. Selbst die kleinsten Häuser sind von ihnen umgeben. Wer in Maputo sein Land bebaut und seine Tiere halten will, grenzt sich selbst ein. Das ist für mich als Symbol für Mosambik im Gedächtnis geblieben: niemanden reinlassen und keine Einblicke zulassen. Mosambik erscheint mir immer noch stark geprägt durch die beiden Bürgerkriege und durch den Sozialismus. Manches erinnert tatsächlich an die ehemalige DDR.

HOERZU: Eine tropische DDR?

Iris Berben: Ja, bis hin zu den Uniformen der Polizisten, die Honecker hat schneidern lassen. Für den Film jedoch wird einem hier ein Tableau geboten, dass nicht besser sein könnte – mit all den mächtigen grauen Mauern, Graffitis und besprühten Plattenbauten. Dieser Afrika-Film ist keine Idylle über Elefanten und Löwen, sondern ein Film, der erzählt, was wahr ist – ein "schmutziger Film" über den Umgang mit Aids, den Umgang mit den Schwarzen und den Umgang mit Afrika, das für viele als verloren gilt. Die Weltwirtschaftskrise zeigt noch mal deutlich, dass die Verlierer immer die Schwachen sind – angeführt von Ländern in Afrika. Bei diesem Dreh nimmt man den Schmerz der Menschen wahr, ihren vergeblichen Kampf, ihre Verluste und ihre ungehörten Hilferufe. Für unseren Film ist all das gut und effektiv, weil er wahrhaftig wird. Emotional erschüttert es mich jedoch zutiefst.

HOERZU: "Kennedys Hirn" beschreibt Afrikas Probleme sehr wahrhaftig.

Iris Berben: Richtig. Ich lernte Henning Mankell bereits vor Jahren bei einer politischen Diskussion mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder kennen – schon damals brachte er die ganze Afrika-Thematik selbstbewusst und lautstark auf die politische Agenda. Mir gefiel sofort Mankells Appell, sich nicht nur an fixen Terminen – wie dem Welt-Aids-Tag an den Schwarzen Kontinent zu erinnern, sondern ihn ständig vor Augen zu haben. Doch nicht nur in diesem Punkt der Terminierung von Erinnerungen stimme ich voll mit Mankell überein. Seine Sprache besticht durch ihre Spröde, sie lässt nicht zu, dass man die Wahrheit verdrängt und sich in ein idyllisches Elefantenbild von Afrika flüchtet. Außerdem lebt Mankell sein politisches Engagement. Ich wollte nach dem Lesen des Drehbuchs unbedingt mit Urs Egger diesen Film drehen.

Autor: Mike Powelz