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Interview mit TV-Moderator Günther Jauch

Am 11. September talkt Günther Jauch (55 Jahre) erstmals im Ersten; Bild: © picture alliance / dpa

Neuer Sonntagabend-TV-Talk

Interview mit Günther Jauch

Neuer Sonntagabend-Talk im TV

Was lange währt, wird endlich gut: Am 11. September talkt Günther Jauch (55 Jahre) erstmals im Ersten, direkt nach dem "Tatort".

Schon 2006 hatte Deutschlands beliebtester Moderator mit der ARD verhandelt, war damals aber an den komplizierten Strukturen dieses Senderverbunds gescheitert, die er als "Gremien voller Gremlins" kritisierte. Hinter den Kulissen riss der Kontakt jedoch nie ab. Nun wurden die beiden Parteien handelseinig, und Jauch darf sich künftig als "Erster im Ersten" fühlen.

HÖRZU traf ihn zwei Monate vor dem Start seiner neuen Polit-Talkshow zum ausführlichen Interview:

HÖRZU: Wein oder Wasser – was werden Sie als Moderator und Winzer Ihren Talkgästen anbieten?

Günther Jauch: Das kann jeder selbst entscheiden. Ich kann mich aber seit Jahren an keine politische Talksendung erinnern, in der die Gäste ein Bierchen gezischt oder bunte Cocktails konsumiert hätten. Das war früher tatsächlich lustiger. Ohne Alkohol und Zigaretten ging ja beim "Internationalen Frühschoppen" gar nichts.

HÖRZU: Hand aufs Herz: Wie aufgeregt sind Sie vor dem Start Ihrer neuen Talkshow?

Günther Jauch: Schon ein bisschen nervös. Die Moderation der Show wird für mich in dieser Form etwas völlig Neues sein. Zwar habe ich keine Angst, aber die Sendung verlangt einem viel ab, und ich werde da sicher Fehler machen, vor allem am Anfang.

HÖRZU: Viele Ihrer künftigen Gäste kennen Sie aus Sendungen wie "stern TV". Müssen Sie die nun härter in die Mangel nehmen?

Günther Jauch: Das mag sein. Auf der anderen Seite müssen Sie ja auch versuchen, Menschen aufzuschließen. Wenn Sie ihnen gleich zu Beginn eine volle Breitseite geben, werden Sie nicht allzu viel von ihnen erfahren. Ich finde in dem Zusammenhang den Begriff der Fairness wichtig. Aber eines stimmt: Die Leute werden mich in einer anderen Rolle sehen – und das wird nicht allen gefallen. Es wird einen Wahrnehmungswechsel geben. Kommt hinzu, dass man vor einer Sendung nie absehen kann, wie sich ein Gast während des Gesprächs entwickelt. So gesehen ist eine Livesendung immer ein Flug mit durchaus ungewissem Ausgang.

HÖRZU: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden bereits am nächsten Sonntag auf Sendung gehen. Welches Thema würden Sie derzeit am liebsten mit Ihren Gästen diskutieren?

Günther Jauch: Die Europa-Ängste der Deutschen. Jeder von uns hat diese Ängste unterschwellig – und es gibt eine Sehnsucht nach Erklärung und Aufklärung. Muss ich mir um meine Ersparnisse Sorgen machen? Um meine Rente? Und wofür muss ich alles mitzahlen? Soll ich mein Geld vom Konto abheben und in Immobilien oder in Gold investieren? Wenn man das Europa-Thema so herunterbrechen könnte, wäre das ein guter Ansatz.

HÖRZU: Inwiefern würden Sie ein solches Thema anders behandeln als Konkurrenz-Talkshows?

Günther Jauch: Bei jedem Thema ist Verständlichkeit wichtig. Weil es die Sache eindeutig interessanter macht, sollte man darüber hinaus auf eine Kontroverse setzen – auch wenn es für viele Zuschauer dadurch schwieriger wird. Und man muss immer an das Publikum denken. Wir überlegen, ob wir die Zuschauerbeteiligung verstärken – etwa mithilfe des Internets. So lässt sich ununterbrochen aufnehmen, wie die Reaktionen sind und welche Unklarheiten es etwa gibt. Das kann anschließend in irgendeiner Form in die Sendung einfließen. Ich sage Ihnen aber auch offen, warum ich mich gegen ständige Absichtserklärungen im Vorfeld wehre. Zum einen könnte die Aktualität dazu führen, dass ich alle Pläne über Bord werfe. Zweitens möchte ich mir vieles offenhalten. Ich kann mir vorstellen, auch mal nur mit einem Gast zu reden oder mit zwei Gästen oder klassisch mit fünf bis sechs Gästen – wenn es das jeweilige Thema hergibt.

HÖRZU: Heißt das, es wird auch ungewöhnliche Gäste-Kombinationen geben – etwa ein Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Cindy aus Marzahn?

Günther Jauch: Für diese Kombination sehe ich momentan noch keinen Sendeplatz innerhalb der ARD. Viele fragen, was alles anders wird. Dazu möchte ich Folgendes sagen: Der Sonntagabend-Talk schafft es im Schnitt immer, vier Millionen Menschen vor den Fernseher zu bekommen. Deshalb wäre es dumm, jetzt alles anders machen zu wollen. Die eine oder andere Schraube wird von mir verstellt werden – vielleicht aber noch nicht am Anfang, sondern erst später. Erst einmal möchte ich Erfahrungen damit sammeln, was zu mir passt und was nicht. Aber es wird in der Sendung weiterhin Deutsch gesprochen, es wird um aktuelle Themen gehen, und die Gäste werden auf Stühlen sitzen. Bei mir ist Sitzen besser als Stehen.

HÖRZU: Spielen wir "Wer wird Millionär?". Was werden Sie in Ihrer Talkshow am ehesten sein: a) der Phrasenknacker, b) der Dompteur, c) der Stichwortgeber oder d) der Spurensucher?

Günther Jauch: Der Spurensucher gefällt mir am besten, wenn während der Spurensuche der Rest der Welt nicht einzunicken droht. Auch bei mir werden natürlich Menschen sitzen, die man schon woanders gesehen hat. Aber auch bislang Unbekannte haben ihren Reiz. Ich würde gern in Ruhe anfangen, anschließend drei bis vier Monate talken und danach schauen, wie es funktioniert, was gut läuft, was schlecht ist, wie die Zuschauerreaktionen ausfallen und was Kollegen und Kritiker meinen.

HÖRZU: Im Talk-Business ist es wichtig, die Telefonnummern häufig auftretender Gäste zu haben, etwa die von Hans-Olaf Henkel, Arnulf Baring, Richard David Precht. Haben Sie die?

Günther Jauch: Natürlich. Und ich weiß, dass es ungemein Spaß macht, mich mit Namedropping zu provozieren, um zu erfahren, wen ich unbedingt in meiner Talkshow haben möchte und wen vielleicht eher weniger oder gar nicht. Aber ich werde Ihnen den Gefallen nicht tun, weil es in jeder Woche neue Konstellationen geben wird. Die Gästeliste ist – entgegen landläufiger Meinung – eben kein Wunschkonzert. Ich kann mir nicht jeden Sonntag überlegen, ob ich den amerikanischen Präsidenten aus- und den Papst dafür einlade. Die optimalen Gäste zu finden, die auch kommen wollen, wird schwierig werden. In der Öffentlichkeit wird unterschätzt, wie viele Menschen sich auch gern davor drücken, im Fernsehen Rede und Antwort zu stehen.

Autor: Mike Powelz