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Gewinner des Deutschen Fernsehpreises 2012: Frank Elstner.

Deutscher Fernsehpreises 2012: Frank Elstner wurde mit dem Ehrenpreis der Stifter geehrt. - Foto © picture alliance / Sven Simon

Show-Erfinder und Moderator

Interview mit Frank Elstner

Gerade wurde Frank Elstner beim Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. An Rückzug und Ruhestand denkt der 70-Jährige dabei nicht. Im Gegenteil: Unter dem Dach der Axel Springer Akademie wird er demnächst in einer "Frank Elstner Masterclass" angehende Moderatoren ausbilden (www.moderatoren-fuer-morgen.de). Hier verrät der Erfinder von "Wetten, dass...?", was er dem Nachwuchs vermitteln will.

HÖRZU: Bis zum 1. November läuft die Bewerbungsfrist für die Frank Elstner Masterclass. Warum ist eine Moderatorenschule Ihrer Meinung nach nötig?

Frank Elstner: Ich habe festgestellt, dass im Land eine große Hilflosigkeit besteht, wie man in diesem Beruf erfolgreich wird. Gemeinsam mit der Journalistenakademie sind wir auf den Gedanken gekommen, da zu helfen.

HÖRZU: Was werden Sie anbieten?

Frank Elstner: Es werden im Jahr höchstens zehn Kandidaten angenommen, und die erhalten Einzelunterricht von mir und ausgewählten Dozenten. Das wirkliche Talent will nicht über einen Kamm geschoren werden. Wenn ich heute hundert Führungspersönlichkeiten beibringe, in der Öffentlichkeit freier zu sprechen, dann können die danach freier sprechen, machen auch die richtige Handbewegung. Aber das hat dann nichts mit Talent und Einzigartigkeit zu tun.

HÖRZU: Kritiker vergleichen heutige Moderatoren gern mit holländischen Fleischtomaten – alle gleich glatt, alle ein bisschen fad. Sie suchen etwas anderes?

Frank Elstner: Diese kärtchenhaltenden Dauerlächler werden keine Zukunft haben. Wir suchen Persönlichkeiten. Die dürfen ruhig eine schiefe Nase haben, keine Haare oder einen Bauch. Einzige Bedingung: Sie sollten volljährig sein und jünger als ich. Ich selbst bin zum Beispiel Moderator geworden, obwohl ich ein Glasauge habe. Heute würde ich wahrscheinlich durch jedes Personalgespräch fallen.

HÖRZU: Die Moderatoren, die Sie ausbilden, dürfen Fehler machen?

Frank Elstner: Natürlich. Ich habe mich früher bei Radio Luxemburg bewusst versprochen, damit die Leute merken, da sitzt kein Automat vor dem Mikrofon, sondern ein Mensch.

HÖRZU: Gibt es ein untrügliches Zeichen für Talent?

Frank Elstner: Ich glaube, dass ich nach einer halben Stunde beurteilen kann, ob ich mich mit dem Bewerber noch mal unterhalten möchte. Das ist eine Voraussetzung, um weiterzukommen. Und irgendwann kommt der Moment, in dem man ihn ins kalte Wasser schmeißen muss – da geht zum Beispiel die Tür auf, dahinter sitzen hundert Leute, und er hat es nicht gewusst.

HÖRZU: Verraten Sie weitere Testsituationen?

Frank Elstner: Nein, dann würden sich die Kandidaten vorbereiten, und genau das will ich nicht.

HÖRZU: Ein Beispiel aus der Geschichte des Fernsehens: Was macht ein Moderator, wenn sein Gesprächspartner konsequent schweigt wie einst Boxer Norbert Grupe im "Aktuellen Sportstudio"?

Frank Elstner: Ein guter Moderator macht daraus eine Nummer. Das beste Beispiel ist immer noch Günther Jauch, der zusammen mit Marcel Reif eine dreiviertel Stunde lang ein Fußballspiel kommentiert hat, obwohl das Tor kaputt war. Das war wirklich eine Sternstunde.

HÖRZU: Sie selbst mussten in den "Montagsmalern" mal eine Panne überbrücken, weil das Malgerät ausfiel.

Frank Elstner: Damit bin ich den Leuten in den Siebzigern zum ersten Mal richtig aufgefallen.

HÖRZU: Wer von den heutigen jungen Moderatoren hat Ihrer Meinung nach Potenzial?

Frank Elstner: Jochen Schropp ist ein begabter Junge, Joko und Klaas finde ich lustig. Und Nazan Eckes. Die ist intelligent, und ich hoffe, dass sie bald zeigen darf, was sie wirklich kann.

HÖRZU: Welche Situation ihres Moderatorenlebens ist Ihnen unvergesslich?

Frank Elstner: Was mich wirklich ins Schwitzen gebracht hat, war einmal eine Sendung mit Mildred Scheel, der Frau des früheren Bundespräsidenten Walter Scheel. Die habe ich unwissentlich eine viertel Stunde lang mit offener Hose interviewt.

Autor: Angela Meyer-Barg