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Christian Rachs neue Show "Rachs Restaurantschule"

Christian Rachs neue Show: "Rachs Restaurantschule"

Helfer am Herd

Interview mit Christian Rach

Das schmeckt nach Zukunft: Diesmal rettet Sternekoch Christian Rach keine Pleite-Restaurants, sondern ganze Lebensläufe. In "Rachs Restaurantschule" hilft er Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben.

Der Hamburger Starkoch ("Tafelhaus") wird zum Ausbilder: Mit zwölf Menschen zwischen 17 und 44, die aus diversen Gründen keine Arbeit finden, baut Rach (53) das Restaurant "Slowman" in Hamburg auf, RTL-Kameras begleiten ihn dabei. Da schuftet ein früherer Gefängnisinsasse neben einer 19-jährigen Mutter, ein Sohn aus reichem Haus neben einer Hartz-IV-Empfängerin. "Das ist harte Arbeit", sagt er. "Ich stoße hier an meine Grenzen." Das Ziel aller Teilnehmer: ein Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag. Wer ihn bekommt, entscheidet am Ende Rach.

HÖRZU: Herr Rach, Sie wollen zwölf Menschen zu einer Ausbildung verhelfen. Sie selbst haben keine. Haben Sie das schon mal bereut?

Christian Rach: Für mich war das der richtige Weg. Ich habe mein Mathematik-und Philosophie-Studium abgebrochen, um Koch zu werden. Im Examenssemester wohlgemerkt. Meine Eltern haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Ein Kellner aus Hamburg hatte mich nach Frankreich vermittelt, ich musste die Stelle innerhalb von drei Monaten annehmen. Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.

HÖRZU: Und Sie haben sie gut genutzt: Sie sind Sternekoch, TV-Star, Autor. Nun der nächste große Job: Wollen Sie im TV unsere Gesellschaft retten?

Christian Rach: Eines vorweg: Ich bin kein Sozialromantiker. Doch es kann nicht sein, dass Menschen auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, weil sie einmal im Leben gescheitert sind, und dass die Gesellschaft das einfach hinnimmt. Aus Hilflosigkeit wird immer nach dem Staat geschrien. Da haben wir ein überzogenes Anspruchsdenken. Die Wirtschaft muss auch Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Da ich zu den erfolgreichen Unternehmern gehöre, starte ich dieses Projekt. Im besten Fall weiten wir es auf andere Städte aus.

HÖRZU: Sie bilden seit fast 20 Jahren Lehr-linge aus. Haben sich junge Menschen in dieser Zeit verändert?

Christian Rach: Die Ansprüche sind heute recht hoch. Kaum jemand ist bereit, für zehn Euro pro Stunde anzufangen. Ich beobachte auch, dass der Biss fehlt, weil man sich heute leichter durchs Leben schlängeln kann: Wir haben viele Sicherungssysteme. Und wir lassen Scheitern ungern zu. Dabei gehören Niederlagen zum Leben. Wer behauptet, sie einfach wegzustecken, ist ein Spinner. Sie schmerzen, aber sie sind so wertvoll wie Siege. Auch mal Abweisung erfahren – das ist elementar wichtig.

HÖRZU: Wann haben Sie das selbst erlebt?

Christian Rach: Ich wollte bei dem großen Koch Frédy Girardet in der Schweiz arbeiten, bin einfach hingefahren, ohne Termin. Er hat mich nur verständnislos angeschaut.

HÖRZU: Aufgegeben haben Sie nie. Was hat Sie so geprägt?

Christian Rach: Mein herzliches Elternhaus und meine Zeit als Zivildienstleistender im Pflegeheim. Dort habe ich gelernt, das Glück des Tages zu begreifen und Entscheidungen zu treffen: Wer entscheidet, hat das Heft des Handelns in der Hand.

Autor: M. Rumpf; Bild von: RTL / Thomas Pritschet