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Claus Kleber

Der "heute-journal"-Moderator Claus Kleber (60). - Foto: © ZDF / Kerstin Bänsch

Claus Kleber zur Zukunft der TV-News

"Internetstars als Moderatoren? Geschmacksache!"

Gibt's News bald nur noch topaktuell im Internet? Werden Youtube-Stars die News bald im TV präsentieren?

HÖRZU fragt den "heute-journal"-Moderator Claus Kleber (60) zur Zukunft der TV-Nachrichten.

Interview mit Claus Kleber

HÖRZU: Konsumieren die Zuschauer in zehn Jahren mutmaßlich verstärkt "Breaking News" im Netz? Und Inwiefern werden die TV-Nachrichten dadurch - vorausgesetzt, dass dem so ist - seichter oder härter?

Claus Kleber: "Breaking News", also das oft atemlose, unrecherchierte, unreflektierte Berichten über das, was gerade passiert, ist die natürliche Domäne des Netzes - am besten über mobile Empfangsgeräte. Das ist oft hart, aber ich würde es nicht unbedingt seicht nennen. Die Reporter tun ja immer noch ihr Bestes, um der Lage Herr zu werden. Aber vertieftes, nachdenkliches, einordnendes Berichten kann das nicht sein. Ich denke, dass das der erste Schritt zu einem Bild vom Tage ist. Noch unscharf. Im Idealfall wächst damit der Bedarf für den Journalismus, den wir z.b. im "heute-journal" uns jeden Tag vornehmen.

HÖRZU: Verkünden die klassischen Anchormen in zehn Jahren die Nachrichten eher auf Kanälen wie YouTube - oder sitzen Youtube-Stars wie LeFloid dann vielleicht sogar in den Studios der klassischen Fernsehsender?

Claus Kleber: Was heißt schon "klassisch" bei Sendern und Anchormen. Ich glaube, dass ich, wenn ich z.B. den ganzen Tag Zähne repariere oder Autobleche biege, jemanden brauche, der mir regelmäßig diese irre Welt ein bisschen sortiert und nahe bringt. Ob das jetzt eher der seriös gekleidete und sprechende "klassische" Typ ist oder einer der daher kommt, als ob er zu meiner Clique gehörte und tagsüber halt ein bisschen mehr Zeit hatte, sich um diesen News-Mist zu kümmern, wird dann eine Frage des Geschmacks und des Vertrauens sein. Und die Trennung zwischen "klassischen" Sendern wir ARD, RTL und ZDF einerseits und Netflix, Amazon-Stream und Youtube verschwindet eh‘ gerade.

HÖRZU: Wie verändern sich die Korrespondentennetze mutmaßlich durch neue Tools wie Periscope? Werden sie größer oder kleiner? 

Claus Kleber: Weder noch. Diese Tools sind eben nur Tools. Ich, für meinen Geschmack, möchte aus Syrien oder Libyen oder Moskau Berichte von Menschen, die sich da auskennen, die Kultur und die Sprache verstehen und sich kein X für U vormachen lassen. Ob die dann einen geschulten Kameramann dabei habe oder ein Handy hochhalten ist eine Frage des Themas und der Qualität. Keine Grundsatzfrage des Journalismus.

HÖRZU: Welche technischen Maßstäbe revolutionieren die TV-Nachrichten voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren?

Claus Kleber: Ich glaube, dass Miterleben, mittendrin sein, und das live und ungefiltert und überall, einen enormen Reiz hat. Gerade, wenn eine Sache brodelt. Die Werkzeuge dafür sind schon da. Im Studio bin ich dankbar für jede Technik, die abstrakte politische Vorgänge oder etwa die Milliarden-Mechanik der Euro-Währungssysteme begreifbar macht. Wir nutzen das im "journal"-Studio längst. Die Grenzen liegen inzwischen nicht mehr so sehr in der Technik sondern eher in unseren Köpfen. Wir müssen noch viel mehr Phantasie und Kreativität entwickeln, um die Werkzeuge als Erzähl- und Erklärhilfen zu nutzen.

HÖRZU: Gibt es in zehn Jahren wohl noch feste Anfangszeiten für die Nachrichtensendungen - oder werden diese tendenziell fließender?

Claus Kleber: Das "heute-journal" hat ziemlich viel Erfolg bei jungen Leuten. Aber immer mehr über die Mediathek. Das freut uns und macht uns gleichzeitig wahnsinnig. Wir reißen uns um 21.30Uhr die Beine aus, um eine aktuelle Entwicklung noch in die Sendung zu bringen. Und dann schauen uns die Kids ganz entspannt am nächsten Morgen. Das zeigt doch, dass Vertrauen und persönliche Ansprache wichtiger sind als last-minute-updates. Jedenfalls an Tagen, an denen die Geschichten nicht alle paar Minuten eine aufregende Wende nehmen. Also den meisten.

HÖRZU: Die Bild-Zeitung hat so genannte Leser-Reporter eingeführt, die im Netz für Furore sorgen mit  selbst produzierten Videos, die oftmals auch die Persönlichkeitsrechte der mitunter unwissentlich Gefilmten verletzen. Inwiefern drohen solche Videos in Zukunft in die Haupt-Nachrichten der Fernsehsender zu gelangen?

Claus Kleber: Als Rohmaterial kann user-generated-content eine Bereicherung sein. Aber ich will ihn von Profis eingeschätzt und eingeordnet bekommen. Will wissen, was ist da drumrum passiert, davor und danach? Was waren die Motive der Leute, die dort handeln? Immer wieder erleben wir, dass Ausschnitte, die erstmal total überzeugend wirkten, sich im großen Kontext als verfälschend erweisen. Wenn es wirklich drauf ankommt, wenn ich mich darauf verlassen will, ist Journalismus eben doch ein Job für Profis.

Autor: Mike Powelz