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Das Talkgespraech mit Olli Dittrich

In "Das Talkgespräch" spielt Olli Dittrich alle Gäste einer typisch bunten Talkshow, die
Rolle der Moderatorin übernimmt seine Kollegin Cordula Stratmann.
Foto: © WDR/Beba Franziska Lindhorst

Interview mit Olli Dittrich

In "Das Talkgespräch" spielt Olli Dittrich alle Gäste

In "Das Talkgespräch" nimmt Olli Dittrich Boulevard-Talkshows aufs Korn. Wunderbar!

Endlich macht er weiter! Vor mehr als eineinhalb Jahren lieferte der Kultkomiker Olli Dittrich eine grandiose Parodie auf das Frühstücksfernsehen ab, jetzt nimmt er das nächste Genre aufs Korn: In "Das Talkgespräch" (Sa., 27.12., Das Erste, 23.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts) spielt Dittrich alle Gäste einer typisch bunten Talkshow, die Rolle der Moderatorin übernimmt seine Kollegin Cordula Stratmann.


Wie Olli Dittrich zum Kultkomiker wurde

Bekannt wurde der Parodist und Musiker in der Comedy-Reihe "RTL Samstag Nacht", die von 1993 bis 1998 lief.

Mit Wigald Boning gründete Olli Dittrich die Musikgruppe Die Doofen. Ihr Debütalbum erreichte 1995 den ersten Platz der deutschen Charts.

Seit 2004 philosophiert er in der Reihe "Dittsche –Das wirklich wahre Leben" als Imbissgast über das Leben.

Als Schlagzeuger der Band Texas Lightning trat er 2006 beim "Eurovision Song Contest" an – und erreichte Platz 15.

Auf "Das Talkgespräch" sollen sechs weitere Parodien von TV-Sendungen folgen.


Interview mit Olli Dittrich

HÖRZU: Wie haben Sie mit der Arbeit an dieser Parodie begonnen? Liefen bei Ihnen zu Hause erst mal wochenlang nur Talkshows?

Olli Dittrich: Ach nein. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen einfach an, aber große Studien habe ich nicht betrieben, vieles drängte sich schnell auf. Die Gäste in den reinen Boulevard-Talkshows sind immer sehr ähnlich. Sie sitzen nicht nur dort, um einfach mal zu plaudern. Jeder will ein Produkt präsentieren. Das reduziert sich eigentlich auf: Buch, Platte, Tournee, Film. Dadurch war mir schnell klar, welche Figuren ich für meine Parodie brauche.

HÖRZU: Und dann üben Sie vor einem Spiegel Stück für Stück die neuen Rollen ein?

Olli Dittrich: Es beginnt mit handwerklicher Arbeit: Wie sieht die Person aus? Welche Charaktereigenschaften hat sie? Zu jeder Figur entwerfe ich eine umfangreiche Biografie, von der die Zuschauer wenig erfahren, die ich aber im Kopf habe. Wenn ich das alles weiß, muss ich nicht mehr allzu viel proben, da kann ich mich auf meine Intuition verlassen. Allerdings gab es diesmal für das ganze Team eine besondere Schwierigkeit.

HÖRZU: Welche war das?

Olli Dittrich: Mir war wichtig, dass alle Gäste gleichzeitig zu sehen sind und auch mal miteinander sprechen. Dadurch wurde die Produktion technisch wahnsinnig komplex. Wir haben ein Aufnahmesystem verwendet, das es weltweit nur fünfmal gibt. Jede meiner Figuren wurde einzeln aufgenommen, das Material am Ende zusammengesetzt. Damit das echt aussieht, durfte es keine Ungenauigkeiten geben. Das war wirklich Millimeterarbeit.

HÖRZU: Wie lange saßen Sie in der Maske?

Olli Dittrich: Trixie Dörfel hat mit drei Stunden am längsten gedauert – die sollte ja nicht wie ein Mann mit Lippenstift aussehen. Bei den anderen waren es anderthalb Stunden.

HÖRZU: Behalten Sie danach bei den Dreharbeiten durchgängig die Art und den Charakter Ihrer Rolle bei?

Olli Dittrich: Ja, in dem Moment ist das wasserdicht. Als ich den muffeligen Journalisten Hauke Roche-Baron spielte, hörte ich in der Pause einen Kameramann sagen: "Der Dittrich ist heute aber schlecht gelaunt – das passt ja gut zur Rolle." Dabei war das die Rolle!

HÖRZU: Wollen Sie mit der Sendung auch die schlechte Qualität der Talkshows kritisieren und Diskussionen auslösen?

Olli Dittrich: Einen kabarettistischen Ansatz habe ich nicht. Ich möchte einfach gute Unterhaltung machen. Mir gefallen Auffälligkeiten an Menschen, und ich suche die Komik darin. Selbst wenn jemand zu laut lacht oder einen anstrengenden Dialekt hat, schaue ich dem gern zu. Das ging mir schon als Kind so.

HÖRZU: Damals schon beim Fernsehengucken?

Olli Dittrich: Ja, da auch. Gut gefiel mir zum Beispiel der "Internationale Frühschoppen" mit Werner Höfer. Mein Vater war politischer Journalist, die Sendung bei uns zu Hause ein Pflichttermin. Da diskutierten sechs Journalisten aus fünf Ländern, alle haben geraucht – und ich fand diese Leute fantastisch!

HÖRZU: Und die haben Sie imitiert?

Olli Dittrich: Ja, und nicht nur die. Toll fand ich zum Beispiel auch "Jugoslavijo, dobar dan" und andere sogenannte Gastarbeiterprogramme. Da wurden fremde Sprachen gesprochen. Menschen in Trachten sangen Lieder, die man sonst nicht zu hören bekam. Aber solche Imitationen machen ja fast alle Kinder, zur guten Parodie gehört doch ein bisschen mehr. Dass ich dafür eine besondere Begabung habe, wurde mir erst mit Mitte 30 richtig klar – und seitdem gehört der Parodie meine ganze Leidenschaft.

Interview: Sven Sakowitz