HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Die ehemalige Martinikirche in Bielefeld wurde zum In-Lokal Glück und Seligkeit.

Restaurant: Die ehemalige Martinikirche in Bielefeld wurde zum In-Lokal "Glück und Seligkeit". - Foto © picture-alliance / Robert B. Fis

Vermietet und verkauft

Immobilien: Kirche im Angebot

Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Besucher müssen sogar stehen. Aber sie alle wollen heute unbedingt dabei sein. Denn es ist kein normaler Gottesdienst in Gladbeck-Ellinghorst. Die Menschen sind gekommen, um Abschied zu nehmen von ihrer Kirche. Aus Geldmangel beschloss das Bistum Essen, die 50 Jahre alte Kirche St. Elisabeth zu schließen.


Die Einnahmen sinken, den Kirchen fehlt Geld

Kein Einzelfall, das zeigt auch die Fernseh-Dokumentation "Kirche zu verkaufen" (siehe TV-Tipp). Von den gut 45.000 christlichen Gotteshäusern in Deutschland sollen in den nächsten zehn Jahren rund ein Drittel veräußert werden. Den Kirchen fehlt Geld, um die Gebäude instand zu halten. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Katholiken in Deutschland um zwölf Prozent, die Zahl der Protestanten um 14 Prozent gesunken.

Dabei ist das Jahr 2010, in dem wegen der Missbrauchsfälle in einigen Bistümern die Austritte um bis zu 69 Prozent zunahmen, noch nicht berücksichtigt. Zudem wächst die Zahl der Rentner, die keine Kirchensteuer mehr zahlen. In den kommenden Jahren prognostizieren Experten ein Sinken der Kircheneinnahmen um 25 Prozent. Als Ausweg bleibt nur die Vermietung oder der Verkauf von Gebäuden.

Bar statt Altar: Restaurants, Büros, Wohnungen, Bibliotheken – ehemalige Gotteshäuser werden vielfältig genutzt (das Restaurant "Glück und Seligkeit" in Bielefeld, siehe auch Foto oben). In Berlin wurde die Eliaskirche zum Kindermuseum, in Hamburg beherbergt die Bethlehemkirche eine Kita, und die Kirche St. Peter in Mönchengladbach ist jetzt eine Kletterhalle. In den Niederlanden geht man noch weiter: Eine Amsterdamer Kirche wurde zu einer Disco umgebaut. "Da ist eine Grenze überschritten", sagt dazu Robert Zollitsch, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. "Der Kommerzgedanke passt nicht zur Kirche", so Zollitsch. "Und auch dass aus einer christlichen Gebetsstätte eine Moschee wird, ist für uns nicht vorstellbar."

Beim Verkauf – die Preise reichen vom symbolischen einen Euro bis hin zu Millionenbeträgen – bleibt die Kirche durch eine Sonderregelung im Grundbuch eingetragen und wacht über die weitere Nutzung. Auch der Denkmalschutz spielt eine wichtige Rolle. Beim Umbau dürfen keine unpassenden Materialien verwendet werden, und es muss möglich sein, die Veränderungen rückgängig zu machen. Im Sinne der Kirche ist zum Beispiel die Nutzung als Museum, Bibliothek, Begegnungsstätte oder Kindergarten. Im schlimmsten Fall werden die Kirchen einfach abgerissen.

In vielen Gemeinden bilden sich zwar Bürgerinitiativen, die das verhindern wollen – doch oft vergeblich. Beim letzten Gottesdienst in Gladbeck fließen reichlich Tränen. Viele Gemeindemitglieder sind mit ihrer Kirche aufgewachsen. Sie sind hier getauft, zur Kommunion gegangen und haben hier geheiratet. Und sie verlieren jetzt ihre soziale Begegnungsstätte, gerade für Ältere ist das bitter. Doch es gibt keine Alternative. Die Kirche soll neuen Wohnblocks weichen.

Autor: Thomas Kunze