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Oberin Louise von Beilheim (Gaby Dohm, links) und Ordensschwester Hanna (Janina

Oberin Louise von Beilheim (Gaby Dohm, links) und Ordensschwester Hanna (Janina Hartwig) können sich ab 10. Januar beschnuppern. 13 neue Folgen von "Um Himmels Willen" sendet die ARD immer dienstags. - Foto © ARD / Jacqueline Krause-Burberg

Gaby Dohm im HÖRZU-Interview

Im TV-Programm "Um Himmels Willen"

Für viele wird sie ewig Frau Dr. Brinkmann aus der "Schwarzwaldklinik" bleiben, jener Mitte der 80er-Jahre erfolgreichsten deutschen TV-Serie. Dabei spielte Gaby Dohm (68) so viel mehr und arbeitete am Münchner Residenztheater und in zwei Filmen sogar mit Regielegende Ingmar Bergman (1918–2007) zusammen. Seit dem 10. Januar adelt Gaby Dohm nun wieder eine Serie. In der TV-Serie "Um Himmels Willen" wird sie Oberin Louise von Beilheim, eine Baronin im Ornat.

HÖRZU: Wie ist es, mit Haube und minimaler Maske vor die Kamera zu treten?

Gaby Dohm: Man überlegt sich kurz, ob das fürs Doppelkinn gut ist. Andererseits ist es ein paradiesischer Zustand, zum Drehen zu gehen und sich nicht darum kümmern zu müssen, ob Haare oder Kostüm sitzen.

HÖRZU: Oberin Louise von Beilheim kommt aus dem Adel. Die Tugend der Bescheidenheit liegt ihr fern. Passt das ins Kloster?

Gaby Dohm: Sie ist eitel, traditionsbewusst, geschäftstüchtig, ungeduldig mit Mitarbeitern, und sie lässt heraushängen, dass sie etwas Besseres ist. Ich habe beim Lesen der Bücher sehr gelacht. Das Genussvolle könnte noch ausgebaut werden. Schließlich kommt sie aus Köln.

HÖRZU: Humor wird Ihnen selten abgefordert. Öfter agiert die Schauspielerin Gaby Dohm dagegen in gehobenem Ambiente, zuletzt als Reedersgattin in "Die Schuld der Erben". Ist das nicht sehr einseitig?

Gaby Dohm: Absolut! Regisseurin Vivian Naefe hat mich kürzlich als Punk-Mutter besetzt, mit schwarz lackierten Fingernägeln und roten Haaren. Das sind Glanzlichter, die Spaß machen.

HÖRZU: Warum sind die so selten?

Gaby Dohm: Das Besetzen der Rollen ist Sache der Fernsehredakteure, und die schauen sich zu wenig an. Die wissen nicht, dass ich mit Ingmar Bergman gespielt habe oder das Gretchen im "Faust" war. Junge Regisseure wiederum sagen: "Igitt, die hat Serie gemacht!" Wir haben in Deutschland leider noch dieses Kastendenken.

HÖRZU: Trotzdem spielen Sie wieder Serie. Keine Angst, in einer Schublade zu landen?

Gaby Dohm: Besser geht’s einfach nicht: Ich drehe vor der Haustür und brauche keinen Friseur!

HÖRZU: Wie halten Sie es selbst mit der Kirche?

Gaby Dohm: Ich setzte mich immer wieder damit auseinander und beneide Menschen, die glauben können. Ich selbst bin in Berlin auf eine Klosterschule gegangen, das hat meine Distanz zur Kirche eher noch vergrößert.

HÖRZU: Warum?

Gaby Dohm: In meiner Schule galt es immer als Strafe von Gott, wenn man sich schlecht benommen hatte. Zur Buße musste ich dann 13 oder 15 Strophen des Wallfahrtslieds "Meerstern, ich dich grüße, o Maria, hilf" auswendig lernen und auch mal in der Ecke stehen. Und dann dieses Konservative: Zu meiner Zeit waren lange Hosen verpönt. Man musste einen Rock über die Hosen ziehen. Wir wollten aber doch auch schick und flott sein!

HÖRZU: Viele Menschen wenden sich heute der Esoterik zu. Könnte das Ihr Weg sein?

Gaby Dohm: Nein, ich höre da nur interessiert zu. Es gibt sicher viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen wir nichts wissen. Aber seine Mitte muss man letztlich in sich finden. Da sind die Nonnen im Kloster schon beneidenswert: Ob der Globus quer aufgehängt wird oder 2012 die Welt untergeht – das ficht sie nicht an.

HÖRZU: Woher nehmen Sie Ihre Kraft?

Gaby Dohm: Ich fühle mich meinen Eltern sehr verbunden, weil beide ebenfalls Schauspieler waren. Wenn ich manchmal mit einer kleinen Rolle hadere, finde ich irgendwo einen Film, in dem mein Vater Will Dohm eine winzige Rolle spielt. Dann denke ich: "Die haben es auch geschafft!" Zudem fühle ich mich sehr geborgen in der Vorstellung, dass meine Eltern, obwohl sie nicht mehr leben, noch um mich sind.

HÖRZU: Anders als etwa Romy Schneider, die ihre ersten Filme mit ihrer Mutter Magda drehte, haben Sie nie mit Ihrer Mutter Heli Finkenzeller gefilmt. Warum nicht?

Gaby Dohm: Es gibt eine witzige Aufnahme, bei der ich zusammen mit meiner Mutter auftrete und singe. Mehr hätte nicht funktioniert. Meine Mutter hat mir immer Mut gemacht, aber in der Zusammenarbeit hätte sie mich vermutlich erzogen, und da bin ich wahnsinnig empfindlich. Ich lasse mir ungern etwas sagen.

HÖRZU: Zurück zur neuen Rolle: Als Nonne zeigen Sie Ihr Gesicht ungeschützt, ohne schmeichelnde Haare und Make-up. Was erzählt das übers eigene Älterwerden?

Gaby Dohm: Es ist schon eine Arbeit, sich darüber Gedanken zu machen. Mal fühle ich mich ganz jung, dann schaue ich in den Spiegel und denke: „Na, jetzt hast du aber einen Sprung gemacht.“ Wäre ich schon grau, was ich nicht bin, würde ich meine Haare jedenfalls gern weiß tragen.

HÖRZU: Noch weitere Wünsche offen?

Gaby Dohm: Ich hab noch nie in einem Tatort gespielt. Kein einziges Mal!

HÖRZU: Vielen Dank, Gaby Dohm, für das Interview.


Gaby Dohm: Ein Leben vor der Kamera

Gaby Dohm wurde 1943 in Salzburg geboren, wuchs in Berlin auf. 1980 arbeitete sie am Münchner Residenztheater mit Regisseur Ingmar Bergman. Populär wurde Dohm in der Serie "Die Schwarzwaldklinik". Später drehte sie Serien wie "Ihre Exzellenz, die Botschafterin" und Fernsehspiele wie "Hopfensommer" oder "Tante Inge haut ab". Dohm lebt mit dem Regisseur Peter Deutsch in München, Sohn Julian Plica (33) ist Regisseur in Berlin.

Autor: Angela Meyer-Barg