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Tannbach - Schicksal eines Dorfes ZDF

"Tannbach - Schicksal eines Dorfes": Friedrich Erler (Jonas Nay) auf seinem Hof.
Foto: © ZDF / Dusan Martincek, Lukás Zentel

Geschichte hautnah

Im TV-Programm: "Tannbach - Schicksal eines Dorfes"

Die Nachkriegsjahre und die erzwungene Teilung Deutschlands sind Thema des großen ZDF-Dreiteilers "Tannbach - Schicksal eines Dorfes".

Panzer rollen auf das Dorf zu. Nur noch wenige Kilometer sind sie entfernt, das Dröhnen der US-Militärfahrzeuge ist schon zu hören. Da greifen einige unverbesserliche Nazis zu den Waffen und leisten letzten Widerstand. Doch ihre sinnlose Gegenwehr verpufft, der Krieg ist bereits zu Ende.


"Tannbach" im TV-Programm

So., 4.1.: Teil 1, ZDF, 20.15 Uhr
Mo., 5.1.: Teil 2, ZDF, 20.15 Uhr
Mi., 7.1.: Teil 3, ZDF, 20.15 Uhr

Siehe auch TV-Tipps rechts


Die "Stunde null"

Der historische ZDF-Dreiteiler "Tannbach" setzt Ende April 1945 ein – mit der Befreiung Deutschlands vom Naziregime. Sozusagen mit den ersten Sekunden der "Stunde null", denn unter diesem Begriff ging diese Zeit, die 70 Jahre zurückliegt, in die Geschichtsbücher ein. Nachdem in den vergangenen Jahren im TV wiederholt der Zweite Weltkrieg thematisiert wurde, zuletzt mit dem preisgekrönten Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter", wird nun der ersten Nachkriegsjahre gedacht. Wie sahen sie wirklich aus? "Die Zeit nach dem Ende des Krieges zeigte sich mir als großes Nebelfeld", sagt "Tannbach"-Regisseur Alexander Dierbach, Jahrgang 1979. Doch auch viele Menschen, die in den 50er und 60er-Jahren geboren wurden, empfinden das ähnlich.

Vorbild war das Dorf Mödlareuth

Im ZDF-Dreiteiler wird das Schicksal des fiktiven Dorfes Tannbach erzählt, das als ländlicher Mikrokosmos exemplarisch stehen soll für die ganze Nation. Vorbild war das Dorf Mödlareuth an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern. Nachdem es zunächst von Amerikanern besetzt worden war, übernahmen die Sowjets im Sommer 1945 das Kommando. Die Siegermächte legten die Grenzen fest, die sich bald als Trennlinie des anbrechenden Kalten Kriegs zwischen Ost und West festigten. "Die Welt spaltete sich in zwei feindliche Blöcke", so die Filmproduzentin Gabriela Sperl. "Wir zeigen die Grenzziehung mitten durchs Dorf. Bereits 1952 wurde entlang der 1378 Kilometer langen Grenze ein Stacheldrahtzaun mitten durch unser Land gezogen." Eine Demarkationslinie mit lebensgefährlichen Kontrollstreifen
und Sperrzonen. Sie trennte Nachbarn, Freunde, Verwandte. Fernsehstar Nadja Uhl: "Der Film erinnert daran, wie nur wenige Meter über das Schicksal von Familien entscheiden konnten."

Die "Aktion Ungeziefer"

1952 wurden unliebsame Bürger der DDR zwangsweise umgesiedelt und verloren so die Heimat. Name der Mission: "Aktion Ungeziefer". Ein dunkles, fast vergessenes Kapitel der deutschen Geschichte. "Der Film wird einen Beitrag zum kollektiven deutschen Gedächtnis leisten", meint der Historiker Torsten Diedrich. Der wissenschaftliche Berater lobt den Film: "Er lotet wesentliche Aspekte der direkten Nachkriegsgeschichte tiefer aus, als es die Geschichtswissenschaft bislang vermochte."

"Tannbach" ist eine Ensembleleistung

Die beeindruckende ZDF-Produktion ist eine Ensembleleistung ohne herausragende Hauptrolle. Jede Figur steht exemplarisch für viele Schicksale jener Zeit. Weitere Besonderheiten zählt Regisseur Alexander Dierbach auf: "Authentische Kostüme, verschiedene Jahreszeiten, sieben Jahre Erzählzeit, 3000 Komparsen, 500 Kostüme, 100 Sprechrollen. Es war zudem eine Herausforderung, die Geschichte nicht mit dem Blick von heute zu erzählen, sondern aus der damaligen Zeit heraus." Und die war erschreckend inhuman.


Das echte Tannbach liegt in Thüringen

Die Amerikaner nannten das 50-Seelen-Dorf Mödlareuth "Little Berlin", das "kleine Berlin", weil das Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze genau wie die Hauptstadt zum Symbol der deutschen Teilung in Ost und West und des Kalten Kriegs avancierte. Ab 1952 wurden die beiden Teile voneinander abgeriegelt.

Autor: Thomas Kunze