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Wolfgang Herles auf der Suche nach dem Glück

Wolfgang Herles im Interview über seine Suche nach dem Glück. - Foto: © picture alliance / Erwin Elsner

Journalist Wolfgang Herles im Interview

Im TV-Programm: "Auf der Suche nach dem Glück" (ZDF)

Wie wird man glücklich? ZDF-Redakteur Wolfgang Herles ging dieser Frage weltweit nach. Am Freitag, 17. August, zeigt das ZDF um 23.30 Uhr den 1. Teil der Reportagereihe "Auf der Suche nach dem Glück". Teil 2 folgt am 24. August (siehe auch TV-Tipps rechts). Im HÖRZU-Interview verrät er, wie man glücklich wird.

Monatelang versuchte der Chef des Kulturmagazins "Aspekte", ein Phänomen zu ergründen, das uns alle zutiefst bewegt: das Glück. Er sprach mit Neurologen, Psychologen, Nobelpreisträgern, Wirtschaftsexperten und Glücksforschern, dem querschnittsgelähmten Philippe Pozzo di Borgo ("Ziemlich beste Freunde") sowie dem Premierminister von Bhutan, einem Land, in dem es sogar ein Glücksministerium gibt.

HÖRZU: Haben Sie das Glück gefunden?

Wolfgang Herles: Meine Reisen waren kein Selbsterfahrungstrip. Während des Gesprächs mit einem Glücksforscher in Bhutan stach mich eine riesige Biene in den Zeh, es tat höllisch weh, ich bekam Fieber. Der Glücksforscher meinte nur, ich solle mich nicht so haben, es sei doch wunderbar, dass es dieses Tier gebe. Glück habe mit Toleranz zu tun, damit, die Dinge gelassener zu sehen. In Bhutan gibt es sogar ein Glücksministerium und das Bruttonationalglück.

HÖRZU: Sind die Menschen dort zufriedener?

Wolfgang Herles: Sie wirken gelassener, und man meint auch, mehr Zufriedenheit zu spüren. Das Glück der Bhutaner steht auf vier Pfeilern: Sie beuten die Natur nicht aus, setzen sehr auf Bildung, bewahren ihre Kultur und pflegen das Gemeinschaftsgefühl: Jeder hilft jedem. Man darf aber nicht vergessen: Bei uns ist Glück das, was einem am meisten Spaß macht – bei den Buddhisten bedeutet Glück unter anderem, von bösen Gedanken befreit in Harmonie mit seiner Umgebung zu leben.

HÖRZU: Aber die glücklichsten Menschen der Welt leben trotzdem in Costa Rica?

Wolfgang Herles: Das hat eine Art Glücksstatistik ergeben. Woran das liegt, ist schwer zu sagen – manche vermuten sogar genetische Gründe. Aber ich denke, es hat auch damit zu tun, dass es dort weniger Unterschiede zwischen Arm und Reich gibt – und kein Militär.

HÖRZU: Wer konnte Ihnen mehr über das Glück sagen: Forscher oder Menschen, die ein Stück davon gefunden haben?

Wolfgang Herles: Sagen wir so: Jemand, der glücklich ist, kann das in der Regel nicht so ausdrücken wie ein Forscher, der darüber Studien anfertigt. Glückliche Menschen analysieren und reflektieren nicht ständig ihre Situation. Forscher wiederum lernen von glücklichen Menschen: Hirnforscher untersuchen etwa, wie intensives Meditieren das Gehirn von Mönchen beeinflusst. Nun entwickeln die Forscher Programme, die das Hirn ähnlich anregen – als Training für den Glücksmuskel sozusagen.

HÖRZU: Was haben Sie bei Philippe Pozzo di Borgo gesucht, dessen Schicksal Vorlage für den Kinohit "Ziemlich beste Freund"“ war?

Wolfgang Herles: Die meisten, die durch einen Unfall oder eine Krankheit plötzlich eine Behinderung haben, sind nach kurzer Zeit wieder genauso zufrieden wie vorher, fanden Forscher heraus. Daran sieht man, wie relativ Glück ist. Pozzo di Borgo hat mir gezeigt, dass Glück nicht von objektiven Dingen abhängt. Man sollte es nicht an der Vergangenheit ausrichten, weil der Vergleich einen vielleicht traurig macht. Und nicht an den Erwartungen an die Zukunft, weil man dann Glück daran misst, was noch nicht ist. Man sollte das Glück in der Gegenwart suchen. Pozzo di Borgo sagt, das ständige Streben nach Glück kann auch zur Tyrannei werden.

HÖRZU: Es tut uns also gar nicht so gut, immer nach dem Glück zu suchen?

Wolfgang Herles: Wir sollten nicht erwarten, ein möglichst schmerzfreies Leben zu führen. Damit jagen wir einer Illusion hinterher.

HÖRZU: Können Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder glücklich werden?

Wolfgang Herles: Harmonie zwischen den Generationen gehört unbedingt zum Glücklichsein. Sozialsysteme fangen einen nicht auf, das kann nur die Familie. Es gibt sicher kein Patentrezept, aber das Ziel sollte sein, Kinder zu befähigen, vertrauensvoll in die Welt zu gehen.

HÖRZU: Leben Sie anders, seit Sie so viel über das Glück gelernt haben?

Wolfgang Herles: Ich messe meine Zufriedenheit nicht an Tagen, an denen ich vielleicht glücklicher war. Glück ist nicht das Maß aller Dinge. Es gibt sogar einen gewissen Gegensatz zwischen Glück und Freiheit. Das große Glück kommt immer aus einer Selbstbeschränkung heraus – wenn man seinen Egoismus zähmt und auch ans Glück anderer denkt. Glück ist letztlich nur ein Wert, der nicht wichtiger oder besser ist als andere. Glück wäre, alle Armeen abzuschaffen. Das geht aber nicht, wenn man Gerechtigkeit will – die ist auch ein wichtiger Wert.

Autor: Interview Silke Pfersdorf