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Karl und Theo Albrecht

Die Brüder Karl Albrecht (links) und Theo Albrecht (rechts),1973. - Foto: © ZDF / Privatfoto

Doku über die Aldi-Brüder

Im TV: "Die Aldi-Story"

Die Discounterkönige: Die Doku "Die Aldi-Story" (ZDF) zeichnet das Leben der scheuen Aldi-Brüder nach – vom Tante-Emma-Laden zum Weltimperium.

Wir sind alle ein bisschen Aldi. 99 Prozent der Deutschen kennen die Marke. Und 87 Prozent kaufen regelmäßig bei Aldi ein. "Karl und Theo Albrecht haben unser Land und unsere Esskultur geprägt", erklärt Filmemacher Manfred Oldenburg. "In Frankreich fährt man lieber ein zerbeultes Auto, als beim Essen zu sparen. In Deutschland parken Porsche und Mercedes vor Aldi."


Sendehinweis "Die Aldi-Story"

Di., 9.12.: "Die Aldi-Story: Karl und Theo Albrecht". Doku von Sebastian Dehnhardt und Manfred Oldenburg; ZDF, 20.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts)


Das Aldi-Prinzip

Das Aldi-Prinzip: niedrige Preise, ordentliche Qualität, überschaubares Sortiment, karge Austattung. Im März 2014 schätzte das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" das Vermögen von Karl, der im Juli 2014 im Alter von 94 Jahren starb, auf 18 Milliarden Euro und führte ihn als reichsten Deutschen. Vermögender als etwa die Porsches, waren sie für die Öffentlichkeit bisher die großen Unbekannten. Für Familie und Firma galt das Gesetz des Schweigens: "Rede nicht, handle!" So gibt es kaum Fotos und keinerlei Interviews oder Fernsehauftritte.

Trotz der spärlichen Faktenlage wagten sich die Filmemacher Manfred Oldenburg und Sebastian Dehnhardt ("Die Oetkers") an "Die Aldi-Story" und skizzieren die wichtigsten Stationen im Leben von Karl (1920 – 2014) und Theo Albrecht (1922 – 2010). In dem Film kommen neben Fachjournalisten auch Exmanager zu Wort. Schlüsselphasen werden in Spielszenen nachgestellt. Die Familie lehnte Interviews ab. Immerhin: Theos Witwe suchte für die Doku bislang unveröffentlichte Familienfotos heraus. "Ohne dieses Material wäre der Film unmöglich gewesen", so Oldenburg. "Gemessen an dem strikten Schweigen werte ich das als erste Öffnung."

Wie "Aldi" erfunden wurde

Die späteren Discounterkönige lernen das Geschäft von der Pike auf. Die Eltern führen seit 1914 einen Tante-Emma-Laden in Schonnebeck, einem Bergarbeiterviertel in Essen. "Die elterliche Angst vor dem Ruin ist wohl eine Erfahrung, die sie für das Leben geprägt hat", so Manfred Oldenburg. Die Eltern sind streng katholisch, bescheiden und arbeitsam. 1945 übernehmen die Brüder den Laden, eröffnen Filialen. 1960 teilen sie ihre 300 "Stubenläden", in denen noch Verkäuferinnen bedienen, unter sich auf. Angeblich, weil sie sich über den Verkauf von Zigaretten nicht einigen konnten. Kurz darauf landen sie den größten Coup ihres Lebens: Sie stellen auf Selbstbedienung um und verkleinern das Sortiment auf 350 beliebte Artikel, die sie extrem günstig direkt von der Palette verkaufen. Damit ist "Aldi" erfunden. Die Kurzform für "Albrecht Discount" war Theos Idee. "Wir gingen über das Land wie ein Tsunami", erklärte ein Exmanager. Sie treffen den Nerv der Deutschen. Die Kollateralschäden sollten später vielfach kritisiert werden: Verödung der Innenstädte und Industrialisierung der Lebensmittelproduktion. Trotz ihres Reichtums tragen die Brüder weiter Kleidung von der Stange. Biedermänner mit dickem Konto, die als treue Familienväter gelten.

Die Entführung von Theo Albrecht

1971 wird das tragischste Jahr der Familie. Man entführt Theo, er kommt gegen sieben Millionen Mark Lösegeld nach 17-tägigem Martyrium frei. "Von dem Schicksalsschlag hat sich die Familie nie erholt. Zurückhaltend waren sie immer schon, aber danach wurden sie zu Phantomen."

Ihre Geschäfte führten sie sehr erfolgreich weiter. Nördlich des "Aldi-Äquators", der vom Niederrhein über Fulda bis Hof verläuft, herrschte Theo, der Pfennigfuchser und Kontrollbesessene, der alte Schreibmaschinen sammelte. Er war der Erste und Letzte im Büro, kontrollierte Zahlen und Kosten.

Der Asket Karl Albrecht

Der Süden wurde zum Territorium von Karl Albrecht. Ein modernerer, dynamischer Typ, der Mitarbeitern traute und besser zahlte. Der Asket aß nicht viel, schwamm täglich, war leidenschaftlicher Golfer und widmete seiner Frau und den zwei Kindern viel Zeit. Kurz vor seinem Tod sah es aus, als würde er das Schweigen brechen. Der Journalist Mathias Müller von Blumencron durfte ihn für die "FAZ" in seiner Villa in Bredeney besuchen. Er traf einen 94-Jährigen, der geistig fit, feinsinnig und freundlich wirkte. Es gab Mandeltorte vom Konditor auf Meißner Porzellan. Das Treffen sollte ein Vorgespräch sein für ein Interview – doch dazu kam es nicht mehr.

Autor: Dagmar Weychardt