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Caren Miosga

"Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga (46). - Foto: © NDR/Thorsten Jander (M)

Caren Miosga zur Zukunft der TV-News

"Hoffentlich ersetzt mich kein News-Avatar“

Gibt's News bald nur noch topaktuell im Internet? Werden Youtube-Stars die News bald im TV präsentieren?

HÖRZU fragt "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga (46) zur Zukunft der TV-Nachrichten.

Interview mit Caren Miosga

HÖRZU: Konsumieren die Zuschauer in zehn Jahren mutmaßlich verstärkt "Breaking News" im Netz? Und Inwiefern werden die TV-Nachrichten dadurch - vorausgesetzt, dass dem so ist - seichter oder härter?

Caren Miosga: Es wird in - vielleicht schon naher - Zukunft nicht mehr ganz so wichtig sein, WO Nachrichten zu sehen sind. Nach wie vor wichtig wird es aber bleiben, von welcher Qualität Nachrichten sind. Und dabei würde ich nicht in harte oder weiche Nachrichten unterteilen, sondern Wert legen auf Begriffe wie Relevanz und Verlässlichkeit. Auch in Zukunft werden Menschen wissen wollen, was tatsächlich Wichtiges in der Welt geschieht und wie das aktuell und verlässlich einzuordnen ist.

HÖRZU: Verkünden die klassischen Anchormen in zehn Jahren die Nachrichten eher auf Kanälen wie YouTube - oder sitzen Youtube-Stars wie LeFloid dann vielleicht sogar in den Studios der klassischen Fernsehsender?

Caren Miosga: Ich würde für Nachrichtenmacher wie Florian Mundt, alias LeFloid, gern eine Lanze brechen: Die Frage ist doch nicht, ob seine Form der Nachrichtenpräsentation geeignet ist, sich mit herkömmlichen Nachrichtensendungen zu messen. Das ist ganz offensichtlich auch nicht sein Anspruch. Entscheidend ist doch, dass dieser Mann es schafft, eine junge Generation, von der es immer wieder heißt, für sie spielten Nachrichten keine große Rolle, für eben genau diese zu interessieren.
Das reicht aber nicht. Denn in dieser immer komplizierteren Welt braucht es Journalisten, die Hintergründe und Zusammenhänge erklären und einschätzen können. Deshalb wird es auch in zehn Jahren noch Anchormen geben. Und Anchorwomen!

HÖRZU: Wie verändern sich die Korrespondentennetze mutmaßlich durch neue Tools wie Periscope? Werden sie größer oder kleiner? 

Caren Miosga: Es ist auch für unsere Arbeit toll, dass es diese neuen Tools gibt und dass Menschen auf der Welt innerhalb von Sekunden zeigen und berichten können, was gerade irgendwo passiert. Deshalb müssen aber ausgebildete Korrespondenten keine Sorge haben, dass sie durch die neuen Techniken überflüssig werden. Denn sie können überprüfen: Ist das, was wir hier dargestellt bekommen, tatsächlich die Wahrheit? Irrsinn und Propaganda des Islamischen Staates oder die Verdrehung von Wahrheiten in Kriegsgebieten wie beispielsweise in der Ostukraine - all das zu hinterfragen geht auch in Zukunft nur mit den Reportern vor Ort.

HÖRZU: Welche technischen Maßstäbe revolutionieren die TV-Nachrichten voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren?

Caren Miosga: Was die Videotechnik betrifft, rechne ich persönlich in naher Zukunft nicht mehr mit bahnbrechenden Neuerungen. Die Möglichkeiten, die wir derzeit in "tagesschau" und "tagesthemen" haben und die in ähnlicher Form auch bei den Kollegen vom ZDF zum Einsatz kommen, bieten alles, was beispielsweise auch in großen Kinoproduktionen genutzt wird: 3D-Darstellungen, Animationen und Virtualität. Und ich glaube (und hoffe) nicht, dass ich durch einen Nachrichtenavatar ersetzt werde.

HÖRZU: Gibt es in zehn Jahren wohl noch feste Anfangszeiten für die Nachrichtensendungen - oder werden diese tendenziell fließender?

Caren Miosga: Die Trendforscher sagen, die so genannte on demand-Generation werde die Programmschemata und -strukturen in Zukunft noch viel stärker prägen. Und wer auf die Abrufzahlen von tageschau.de oder die Nutzerzahlen der tagesschau-App schaut, wird das bestätigt sehen. Allerdings weiß ich aus der Medienforschung auch, dass "tagesschau" und "tagesthemen" als ein Alltagsritual begriffen werden. Also: Zuschauer schalten um 20 Uhr bzw. um 22.15 Uhr ein, um sich am Ende des Tages möglichst umfassend erklären zu lassen, was auf der Welt geschehen ist.

HÖRZU: Die Bild-Zeitung hat so genannte Leser-Reporter eingeführt, die im Netz für Furore sorgen mit  selbst produzierten Videos, die oftmals auch die Persönlichkeitsrechte der mitunter unwissentlich Gefilmten verletzen. Inwiefern drohen solche Videos in Zukunft in die Haupt-Nachrichten der Fernsehsender zu gelangen?

Caren Miosga: Diese Gefahr kann ich für Nachrichtensendungen wie "tagesschau" und "tagesthemen" beim besten Willen nicht erkennen. Der ehemalige "tagesthemen"-Chefredakteur und jetzige Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, Thomas Hinrichs, hat einmal gesagt: "Die Mühsal der Arbeit, die Intensität der intellektuellen Auseinandersetzung, die zugrunde liegende Erfahrung und Klugheit der journalistischen Befassung trennt die Spreu vom Weizen. Und "tagesschau" und "tagesthemen" wollen Weizen sein." Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Autor: Mike Powelz